Wie Sie Schuldenfallen am sichersten umgehen: AKTIV im Norden

7 Finanz-Tipps vom Verbraucherschützer

Wie Sie Schuldenfallen am sichersten umgehen

Vorsicht: Schuldenfallen lauern vielerorts im Alltag – und können blitzschnell zuschnappen! Foto: fotolia

Millionen Deutsche werfen ihr Geld mit beiden Händen zum Fenster raus – zum großen Teil unbewusst. Denn: Schuldenfallen lauern vielerorts im Alltag, nicht nur hinter teuren Anschaffungen und Reparaturen! AKTIV hat einen Experten befragt, wie man seine Finanzen besser in Griff bekommt: Frank Lackmann, Referent für Kredit und Entschuldung bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Spar-Tipp 1: Ein Haushaltsbuch führen

Hand aufs Herz: Wissen Sie aus dem Kopf, wie viel Geld Sie in den vergangenen vier Wochen für Lebensmittel ausgegeben haben? Genussmittel wie der Kaffee in der Mittagspause, das Bierchen in der Kneipe oder das Popcorn im Kino inklusive? Falls Sie es wissen: Hut ab! Doch so mancher kommt bei dieser Frage mächtig ins Schwitzen – und beim späteren Blick auf den Kontoauszug ins Grübeln: „War der Kauf neuer Schuhe, DVDs oder Elektrogeräte wirklich drin und unbedingt notwendig?“

Laut Lackmann ist ein ausgeglichenes Haushalts-Budget der sicherste Schutz vor Überschuldung: „Man sollte kontinuierlich alle Einnahmen und Ausgaben auflisten – und zwar in Form eines Haushaltsbuches.“ Mit diesem lasse sich am besten kontrollieren, wie viel Geld man pro Monat zur freien Verfügung habe und ausgebe. Die Ausgaben sollten die Einnahmen möglichst selten übersteigen.

Wie einfach auch Sie ein Haushaltsbuch führen können und welche Vorteile Ihnen dieses bietet, lesen Sie hier auf AKTIVonline.

Spar-Tipp 2: Dispokredit nicht dauerhaft nutzen

Ärgerlich, wenn am Ende des Geldes noch viel Monat übrig ist. Trügerisch, wenn man sich bis zum nächsten Geldeingang auf dem Konto mit dem Dispo tröstet und noch „flüssig“ fühlt. „Hier lauern große Gefahren“, so Lackmann, „denn zum einen ist ein Dispokredit sehr teuer: Zurzeit liegt die durchschnittliche Zinshöhe bei 12 Prozent, nicht selten sind es 18 Prozent. Zum anderen droht die Gefahr, bei dauerhafter Inanspruchnahme des Dispos den Überblick über seine Finanzen zu verlieren.“ Das führe nicht selten in die Schuldenspirale.

Das Zurückgreifen auf den Dispo ist nur in Ausnahmefällen und zur kurzfristigen Überbrückung finanzieller Engpässe ratsam, zum Beispiel: bei unerwartet hohen Heizkostennachzahlungen oder teuren Autoreparaturen. Doch sollte sichergestellt sein, dass man das Konto in den folgenden drei bis sechs Monaten wieder ausgleichen kann.

Ein häufiger Sog in den Schuldensumpf: „Viele Banken und Sparkassen gewähren einen Dispo in Höhe des dreifachen Einkommens. Doch ist es schwierig, einen voll ausgeschöpften Dispo von beispielsweise 6.000 Euro bei einem Nettomonatseinkommen von 2.000 Euro in absehbarer Zeit zurückzuzahlen. Obendrein betragen die Zinsen für einen solchen Kredit derzeit im Schnitt mehr als 700 Euro jährlich.“ Der Tipp des Finanzexperten: Kontoinhaber sollten den Dispo auf das 1,5-fache ihres Monatseinkommens beschränken lassen. Oder man überlegt – gemeinsam mit der Bank oder Sparkasse – die Umschuldung des Dispokredits in einen günstigeren und überschaubaren Ratenkredit.

Welche Einsparungen und Vorteile Ihnen ein Raten- oder ein Abrufkredit bringen, erfahren Sie hier auf AKTIVonline.

Spar-Tipp 3: Vorsicht bei Bankkrediten und neuen Finanzierungsmodellen

Viele Händler locken ihre Kunden in einen Dschungel von verschiedenen Finanzierungsangeboten, zum Beispiel: Dieser TV-Flachbildschirm ist für eine Null-Prozent-Finanzierung zu haben. Jene Waschmaschine muss erst drei Monate nach dem Kauf bezahlt werden. Einige Urlaube kann man mit einer Abzahl-Kreditkarte abstottern. Und bei manchem Autokauf zu kleinen Raten gibt‘s die ersten zwei Versicherungsprämien gratis mit dazu.

Bei solchen Verlockungen sollte sich jeder Verbraucher die Frage stellen: „Brauche ich das Produkt wirklich – und kann ich‘s mir überhaupt leisten?“ Lackmann empfiehlt: „Geld, das am Monatsende noch übrig ist, sollte man nicht vollständig für die Finanzierung neuer Anschaffungen verwenden. Denn es ist wichtig, Rücklagen zu bilden – etwa für den Fall, dass plötzlich eine teure Autoreparatur nötig wird.“ Als Faustregel gelte: 5 bis 10 Prozent des Nettoeinkommens monatlich zurücklegen und nicht mehr als 10 bis 15 Prozent des Gehalts für Ratenkredite ausgeben!

Außerdem rät Lackmann: Vor der Kreditaufnahme verschiedene Angebote von Banken vergleichen. So könne man schnell 2 bis 3 Prozent sparen. Das lohnt sich insbesondere bei hohen Krediten. Und jeder Kunde hat Anspruch darauf, dass ihm die Bank oder Sparkasse vor Vertragsabschluss die Kreditkonditionen zum Vergleich mitgibt. Aber Achtung: „Sagen Sie dem Bankmitarbeiter, es handele sich um eine Kreditkonditionsanfrage und nicht um eine Kreditanfrage. Denn diese kann sich negativ auf den Schufa-Wert auswirken. Das darf die Konditionsanfrage hingegen nicht“, erklärt der Verbraucherschützer.

Spar-Tipp 4: Angebote vergleichen und Einkaufszettel schreiben

„Es muss nicht immer der teure Supermarkt sein“, meint Spar-Profi Lackmann. Auch in Discountern bekommt man beispielsweise schon Bio-Produkte – zu viel günstigeren Kosten. Außerdem lohnt sich ein Angebots- und Preisvergleich beim Blick in Prospekte von verschiedenen Händlern. Und: „Vielleicht tun es ja auch mal ein gebrauchtes Fahrrad oder eine gebrauchte Waschmaschine.“

Für Lackmann gehört die Erstellung eines Einkaufszettels unbedingt mit zum A und O für einen günstigen Einkauf – und zwar in aller Ruhe: „Man sollte sich am Wochenende für eine halbe Stunde überlegen und aufschreiben, was man in der kommenden Woche essen möchte und dafür alles braucht.“ Wer strikt nach Liste einkaufe, werde schnell feststellen, dass man bei Weitem nicht mehr so viel ausgebe wie vorher.

Böse Falle: „Wie oft geht man mit hungrigem Magen ins Lebensmittelgeschäft und kauft dort Dinge, die eigentlich gar nicht benötigt werden? Und am Ende der Woche wirft man viele unnötige und abgelaufene Essensvorräte wieder weg“ – das weiß Lackmann aus vielen Gesprächen mit seinen Kunden zu berichten.

Wie Handys blitzschnelle Preisvergleiche ermöglichen, erfahren Sie hier auf AKTIVonline.

Was bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum? Welcher „Stundenlohn“ ergibt sich, wenn man selbst kocht, statt auf Fertignahrung zu setzen? Wie Sie bei Lebensmitteln viel Geld sparen können, lesen Sie hier auf AKTIVonline.

Spar-Tipp 5: Versicherungen und andere monatliche Ausgaben überprüfen

Sehr häufig wird erst nach dem Anlegen eines Haushaltsbuches deutlich: Für manche Versicherungen gibt man sogar doppelt Geld aus. Zwei Beispiele vom Entschuldungsexperten: „Viele Lebens- oder Ehepartner, die in eine gemeinsame Wohnung gezogen und dort gemeldet sind, bezahlen unnötigerweise zwei Haftpflicht- oder Hausratversicherungen. Oft werden auch völlig überflüssige Verträge abgeschlossen, etwa wenn eine Extra-Versicherung bereits in einer anderen mit eingeschlossen ist.“ Lackmann-Kema empfiehlt: Alle Verträge prüfen! Die Versicherungsberatungen der Verbraucherzentralen geben hierzu gerne Hilfestellungen.

Auch Abonnements können sich zu unnützen Geldfressern mausern: „Die Kochzeitschrift kommt zwar jeden Monat, wird auch fleißig bezahlt, verstaubt aber ungelesen auf dem Zeitungsstapel. Denn: Oft vergisst man aus Bequemlichkeit, das Abo endlich mal zu kündigen.“ Und wer schon seit einem Jahr nicht mehr ins Fitness-Studio gehe, weil er mittlerweile lieber an der frischen Luft jogge, solle doch besser den Mitgliedsbeitrag für das Sportcenter sparen. Auch das kann schnell mehrere Hundert Euro pro Jahr ausmachen!

Spar-Tipp 6: Stromverbrauch senken

Die Strompreise steigen und steigen – aber trotzdem: „Erstaunlicherweise sind wir in Deutschland bei aller ´Geiz-ist-geil´-Mentalität beim Stromverbrauch zu Hause sehr verschwenderisch“, weiß Lackmann. In diesem Punkt seien viele Haushalte richtige Spar-Muffel. Dabei kann man so leicht viel Geld sparen: „Selbst Kleinigkeiten wie das Ausschalten von Elektrogeräten im Standby-Betrieb, der sofortige Umstieg auf Energiesparlampen oder das richtige Lüften der Wohnung kann je nach Haushaltsgröße einige Hundert Euro Ersparnis bringen.“

30 Tipps, wie Sie in Ihrem Haushalt Energie und Geld sparen können, finden Sie hier auf AKTIVonline.

Spar-Tipp 7: Rechtzeitig professionelle Beratung in Anspruch nehmen

Doch was kann man tun, wenn man nicht mehr aus dem Dispo herauskommt? Was, wenn man eigentlich weitere Kredite für die Bezahlung monatlicher Verpflichtungen braucht? Dann ist es laut Lackmann höchste Zeit, sich Hilfe beim Profi zu holen. Denn: „Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken und die Post aus Angst vor Mahnungen nicht mehr zu öffnen.“ Das mache alles nur noch viel schlimmer und die Schulden holten einen am Ende sowieso wieder ein. „Die anerkannten Schuldner- und Verbraucherinsolvenz-Beratungsstellen von Verbraucherzentralen und der Freien Wohlfahrtspflege helfen gerne weiter“, empfiehlt der Entschuldungsberater.

Aufgepasst – Lackmann warnt: „In der Schuldnerberatungsbranche tummeln sich viele schwarze Schafe. Diese sind nur am Geldverdienen interessiert und helfen im Endeffekt nur wenig.“ Deshalb solle man sich vor Inanspruchnahme gut und sicher informieren: beispielsweise bei der Verbraucherzentrale des jeweiligen Bundeslandes oder bei der Stadtverwaltung als der anerkannten Beratungsstelle am Wohnort. Adressen der anerkannten Beratungsstellen in Ihrer Umgebung erhalten Sie unter:
www.forum-schuldnerberatung.de
www.meine-schulden.de

AKTIV-Reportage: Was passieren kann, wenn der Gerichtsvollzieher kommt, und warum es selbst dann eine Perpektive gibt, lesen Sie hier auf AKTIVonline.


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