Wie man bestimmte Betriebsrenten ganz legal erhöhen kann: AKTIV im Norden

Der Kasse ein Schnippchen schlagen

Wie man bestimmte Betriebsrenten ganz legal erhöhen kann

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Berlin. Sein in AKTIV geschilderter Fall hat zu interessanten Reaktionen anderer Leser geführt: Bernhard-Otto G. aus Augsburg werden von rund 146 Euro Betriebsrente Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen, sodass ihm rund 121 Euro bleiben. Würde er nur 134 Euro Betriebsrente bekommen, dürfte er alles behalten – weil die Beitragspflicht für solche zusätzlichen Versorgungsbezüge derzeit erst bei genau 134,75 Euro beginnt.

Manche Leser regten sich weniger über dieses knifflige Detail auf als über die Beitragspflicht an sich. Darf die Krankenkasse wirklich Beiträge auf Betriebsrenten und insbesondere auch auf die Auszahlung einer Direktversicherung fordern? Klare Antwort: ja – die vor rund zehn Jahren gesetzlich eingeführte volle Beitragspflicht hat das Bundesverfassungsgericht inzwischen in mehreren Verfahren grundsätzlich gebilligt.

Teilweiser Verzicht ist oft möglich

AKTIV-Leser Franz-Karl T. aus Eltville dagegen hat da schon weitergedacht. Er fragte sich, ob Bernhard-Otto G. nicht einfach auf einen Teil seiner Betriebsrente verzichten könnte – sodass ihm unter dem Strich mehr bleiben würde! Bekäme G. nämlich monatlich 12 Euro Betriebsrente weniger, müsste er ja keinen Kassenbeitrag bezahlen – und hätte „netto“ immerhin 150 Euro mehr pro Jahr.

Geht das? Kann man auf eine Betriebsrente teilweise verzichten?

Antwort: Im Prinzip ja – im Einzelfall muss man aber das Kleingedruckte lesen und sich beraten lassen. Das erklärt die Berliner Rechtsanwältin Barbara Nauditt, die unter anderem das Versorgungswerk MetallRente juristisch berät.

Dabei kommt es zunächst darauf an, um welche Form der Betriebsrente es geht. „Ein einfacher Teilverzicht ist bei den internen Durchführungswegen, also zum Beispiel Direktzusagen, grundsätzlich möglich und wird von den Kassen auch akzeptiert“, sagt Nauditt.

Voraussetzung: Die Satzung der Versorgungseinrichtung oder die Versorgungsordnung muss so einen Verzicht zulassen. „Ein Verzicht ist auch nicht rückwirkend möglich“, so Nauditt weiter, „er wirkt sich nur auf künftige Beitragszahlungen aus.“

Die Sache mit der Garantiezeit

Bei den externen Durchführungswegen der betrieblichen Altersversorgung, also zum Beispiel bei Direktversicherungen und Pensionskassen, kann man dagegen nicht so einfach auf Geld verzichten. Aber hier gibt es oft zwei andere Möglichkeiten, die Kasse auszutricksen.

Dabei geht es erstens um die Rentengarantiezeit – also die Zeit, in der Hinterbliebene noch Zahlungen bekommen, wenn der Betriebsrentner stirbt. Dazu ein Beispiel: Ist eine Rentengarantiezeit von 15 Jahren vereinbart und der Betroffene stirbt nach 12 Jahren, bekommen seine Angehörigen noch drei Jahre Geld.

„Bei der Metallrente zum Beispiel können Beschäftigte Rentengarantiezeiten von 0 bis 22 Jahren Dauer wählen“, sagt Nauditt. Und genau dieser Spielraum ist für diejenigen interessant, die wie Bernhard-Otto G. Betriebsrenten knapp über der Beitragspflichtgrenze beziehen würden: Denn eine längere Garantiezeit führt natürlich zu einer etwas geringeren Auszahlung.

„Über die Dauer der Rentengarantiezeit kann man nur einmal entscheiden“, sagt Nauditt, „bei Rentenbeginn muss sie jedenfalls feststehen.“

Vorzeitiger Bezug senkt Auszahlung

Die zweite Variante, die Auszahlung etwas zu senken, ist einfach der vorzeitige Bezug einer Betriebsrente – also vor dem eigentlichen Rentenbeginn. Auch dadurch sinkt natürlich der monatliche Betrag. „Die MetallRente zum Beispiel kann man ab dem Erreichen des 62. Lebensjahres in Anspruch nehmen“, so Nauditt.

Den einen Tipp für alle Fälle gibt es also nicht. Wer nur knapp über der Beitragspflichtgrenze liegt, der sollte einfach beizeiten prüfen, ob eine der geschilderten Varianten ihm unter dem Strich mehr Geld bringen kann.

Zwei Dinge sollte man dazu noch wissen: Die Beitragspflichtgrenze von aktuell 134,75 Euro wird im Lauf der Zeit immer mal wieder leicht angehoben – wie da gerechnet wird, gibt das Sozialgesetzbuch vor. Und fließen mehrere Versorgungsbezüge neben der gesetzlichen Rente, werden diese Zahlungen addiert: Bezieht jemand zum Beispiel zwei Betriebsrenten à 68 Euro, liegt er mit den insgesamt 136 Euro knapp über der aktuellen Beitragspflichtgrenze – genau wie Bernhard-Otto G.


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