Was in uns steckt: AKTIV im Norden

Standpunkt

Was in uns steckt

Der Mensch als Unternehmer in eigener Sache – auch wenn es mühsam ist

Es ist ein Wort, das provoziert: Humankapital! Und natürlich hat längst eine der rastlos tagenden Evangelischen Akademien sondiert, was es damit auf sich hat. Ist es mit Recht schon einmal zum „Unwort des Jahres“ gekürt worden, weil es Menschen zu einer nur noch ökonomisch interessanten Größen degradiert? Oder ist es Ausdruck von Wertschätzung der menschlichen Arbeit?

Im Sinne seiner Erfinder ist „Humankapitalist“ jeder erwerbsfähige Mensch. Er wird gerade nicht auf eine Stufe mit Maschinen gestellt. Mit dem Wort wird ihm vielmehr auf die Schulter geklopft, in Würdigung des Erwerbspotenzials, das in ihm dank Erziehung, Schul- und Ausbildung „angelegt“ ist. Und dessen Ausschöpfung erst einmal in seiner eigenen Hand liegt.

 

Allerdings: In dieser Wertschätzung schwingt ein falscher Ton mit. Dessen Träger ist nun doch die Endung „Kapital“ – aber anders, als viele Kritiker meinen.

Im wirklichen Leben ist Kapital ein Ausdruck von Wohlstand: Es entsteht aus Geld, das für Verbrauchszwecke nicht sofort benötigt und daher „angelegt“ wird. Doch in der theoretischen Perspektive der Volkswirtschaftslehre wurde der Begriff schon vor langer Zeit umgedeutet: Kapital nicht als Folge, sondern unmittelbar als Quelle von Wohlstand. Und die Anlageobjekte, in die jemand sein verfügbares Kapital steckt, heißen nun selber „Kapitalgüter“ oder sogar gleich „Kapital“. Dabei sind Maschinen, Fabrikanlagen und sonstige Erwerbsausstattungen ja eigentlich das Gegenteil von Kapital: Wenn sie da sind, ist das Geld weg, das sie gekostet haben!

 

Zwar hat es im Wirtschaftsleben einen praktischen Sinn, so etwas trotzdem als „Kapitalgut“ zu bezeichnen. Schließlich muss man das, was sie an Erträgen abwerfen, stets auf das ursprünglich verausgabte Kapital zurückrechnen, um zu wissen, ob es eine gute Anlage ist. Aber es ist eben auch missverständlich: Es klingt so, als wären Kapitalgüter eine Art Goldesel.

In Wahrheit fließt Ertrag nicht automatisch – weder beim „Humankapital“ noch bei Maschinen und Anlagen. Die erwerbsdienlichen Fähigkeiten eines Menschen sind kein Bankguthaben, das sich von selbst rentiert und für seinen Besitzer „arbeitet“. Dessen Leben bleibt Mühe und eigene Arbeit. Genau wie eben auch Fabrikanlagen nicht schon als solche Wohlstandsquellen sind: Auch das im Betrieb, in der Erwerbsausstattung von Unternehmen steckende Kapital zu verzinsen, ist Mühe und Arbeit.


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