U-Boote und Joghurtbecher ? unter einem Dach produziert: AKTIV im Norden

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U-Boote und Joghurtbecher – unter einem Dach produziert


Am 28. August 2012 begann für die Drogenfahnder in Kolumbien eine neue Zeitrechnung. An diesem Tag übernahm das südamerikanische Land zwei deutsche U-Boote, die künftig gegen Schmuggler auf dem Meer eingesetzt werden können.

Die Boote selbst, lange von der Bundesmarine genutzt, stammen aus dem Hause HDW, aber das hochmoderne Equipment im Turm kommt zu großen Teilen aus Lübeck, wo die Gabler Maschinenbau GmbH ihren Sitz hat.

Das Unternehmen, das rund 240 Mitarbeiter in der Hansestadt beschäftigt, verbindet zwei Geschäftsbereiche, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Einerseits fertigt es Schnorchel, Antennen und andere „Ausfahrgeräte“ für U-Boote, andererseits baut es Maschinen für die Herstellung von Bechern, Deckeln und Schalen aus Kunststoff.

Bauteile mit zehn Tonnen Gewicht

Wie passt das zusammen? Geschäftsführer Thorsten Köll, seit Anfang 2009 dabei, lacht. „Das ist fast immer die erste Frage unserer Besucher“, sagt er. „Auf den ersten Blick haben beide Bereiche ja auch wenig miteinander zu tun. In der Praxis aber ergänzen sie sich optimal.“

Zur Bestätigung zeigt er auf ein sechs Meter hohes Bohrwerk, das seit Anfang 2012 in der Montagehalle steht. Die Maschine vom Typ Union PCR 150 ist ein mächtiges Hochleistungswerkzeug für große Bauteile von bis zu zehn Tonnen. Köll: „Damit können wir alle großen Komponenten bearbeiten – unabhängig davon, ob sie später im U-Boot oder in einer Thermoform-Maschine eingesetzt werden.“

Eine anschauliche Vorstellung von der Dimension der Bauteile bekommt man in der Nachbarhalle, wo Sebastian Müller gerade an einem Führungsschacht für Ausfahrgeräte arbeitet. Eigentlich sind es drei lange Rohre nebenein­ander, ein großes und zwei kleine.

„Früher hatten U-Boote nur das allseits bekannte Sehrohr“, erklärt Köll. „Heute haben sie bis zu sieben verschiedene Ausfahrgeräte und sind damit wesentlich leistungsfähiger. Dazu zählen unter anderem Fernmeldemasten, das Radar und der Schnorchel für die Luftzufuhr.“

Daneben entwickelt Gabler immer wieder neue Komponenten. Ein Beispiel ist das Bojen-System „Callisto“, mit dem selbst tief getauchte U-Boote noch Funkverbindung zur Außenwelt haben. Oder eine kamerabestückte Drohne, die sich so „zusammenfalten“ lässt, dass sie durch ein Rohr ausgesetzt werden kann.

Um innovative Ideen geht es auch in der Nachbarhalle, die Gablers Thermoform-Sparte beherbergt. Hier entstehen Maschinen für Kunststoffverarbeiter aus aller Welt, die Verpackungen für die Lebensmittel-Industrie produzieren. Köll: „Wir haben den Thermoform-Bereich Mitte der 70er-Jahre gekauft und stetig weiterentwickelt. Heute zählt er zu den weltweiten Marktführern in seinem Segment.“

Ein Grund für diesen Erfolg ist die Nachwuchsarbeit des Lübecker Unternehmens. Ausbildungsleiter Holger Schwittala: „Wir haben in der Regel etwa ein Dutzend Praktikanten und bis zu 20 Azubis, vom technischen Zeichner bis zum Zerspaner. Außerdem ermöglichen wir es Studenten, in unserem Betrieb zu arbeiten und ihre Diplomarbeit bei uns zu schreiben.“

Ergänzend dazu gibt es Patenschaften für Schulen in der Region. Dafür erhielt Gabler 2012 den Ausbildungs-Award der IHK.

Hohe Rendite für Mitarbeiter

Ähnlichen Einfallsreichtum zeigen die Lübecker, wenn es um finanzielle Dinge geht. Die geschäftsführenden Gesellschafter Wolfgang Scharf und Sören Kayser gründeten vor einiger Zeit die Gabler Mitarbeiter-GbR, in die jeder Beschäftigte einzahlen kann. Diese Einlage geht dann als Darlehen an das Unternehmen.

Kayser: „Bislang sind etwa 400.000 Euro zusammengekommen. Die Mitarbeiter erhalten im Schnitt eine Verzinsung von rund sechs Prozent.“ Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass das gute alte Sparbuch weniger als zwei Prozent bringt.

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