Silke Haß ist das Gedächtnis der Werft ThyssenKrupp Marine Systems: AKTIV im Norden

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Silke Haß ist das Gedächtnis der Werft ThyssenKrupp Marine Systems


Das Klappern mechanischer Schreibmaschinen klang noch durch die Kontore, als Silke Haß 1978 ihre Büro-Lehre bei HDW in Kiel begann. Damals bereitete die Firmenleitung gerade die Feier zum 140. Gründungstag vor. 35 Jahre später gehörte sie zum Organisationsteam des 175. Jubiläums.

Die gebürtige Kielerin meistert besondere Situationen, beruflich oder privat, mit großer Souveränität. Und sie ist bestens vertraut mit der wechselvollen Geschichte der Werft, die heute ThyssenKrupp Marine Systems heißt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie mittlerweile im Marketing arbeitet und das historische Archiv des Unternehmens betreut.

Der Weg dorthin war ziemlich lang und nicht immer einfach. „Ende der 70er-Jahre sah die Arbeitswelt noch ganz anders aus“, erzählt die Eisenbahner-Tochter. „Lehrstellen waren ziemlich rar, und wer eine bekommen wollte, musste einiges dafür tun.“ Also schrieb die 16-Jährige Bewerbungen. Über 50 Stück. Einige Betriebe sagten sofort ab, andere meldeten sich gar nicht.

„Meine Bewerbung für das Wohnprojekt lief fast so ab wie ein Casting“

Und dann kam plötzlich ein Brief mit dem Absender „Howaldtswerke-Deutsche Werft“. Eine Einladung zum Eignungstest, wie damals oft üblich. Silke Haß fuhr hin, nahm teil und bekam den Ausbildungsplatz als Bürogehilfin.„Ich war sehr stolz“, erinnert sich die Norddeutsche. „HDW war in diesen Jahren mit über 7.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber Kiels. Das war eine Firma mit Tradition und einem tollen Ruf, da wollte jeder hin.“

Allerdings hatte die Krise des Schiffbaus bereits begonnen und damit auch der Umbau der deutschen Werftbranche. Für Silke Haß kein Grund, sich einen anderen Job zu suchen oder fatalistisch auf die nächste Kündigungswelle zu warten. Sie blieb und versuchte, das Beste aus der Situation zu machen.

„Ich glaube, es ist vor allem eine Frage der Sichtweise“, sagt sie. „Jede Veränderung kann auch eine Chance sein – man muss sie nur nutzen.“

Genau das tat Silke Haß. Sie machte an der Abendschule eine Ausbildung zur staatlich geprüften Sekretärin und später eine Ausbildung zur Office Managerin. Außerdem nahm sie an diversen Fortbildungen teil und erwarb so wertvolle Kenntnisse in Sachen Fremdsprachen, EDV, Kommunikation und Zeitmanagement.

Mit der gleichen Entschlossenheit reagierte die Kielerin, als sie in den 90er-Jahren an Multipler Sklerose erkrankte. Silke Haß nahm die Herausforderung an und meisterte sie mit Bravour. Gemeinsam mit den Kollegen organisierte sie ihre Arbeit so, dass sie auch im Rollstuhl einsatzfähig blieb.

Chor-Auftritte und soziales Engagement

Auch in ihrem Privatleben gab es Änderungen. Als sie 2008 von einem Kieler Wohnprojekt hörte, bei dem Alte und Junge, Kranke und Gesunde unter einem Dach leben, bewarb sie sich sofort.

„Das erste Gespräch war fast wie eine Casting-Show“, erzählt sie lachend. „Offenbar mochte man mich, jedenfalls habe ich jetzt im fünften Stock eine schöne barrierefreie Wohnung. Von da oben hat man ­einen großartigen Blick über die Stadt.“

Viel Zeit, das Panorama zu genießen, hat Silke Haß allerdings nicht. Sie singt im Chor und engagiert sich in sozialen Projekten, in denen es immer um das Thema Barrierefreiheit für alle Menschen geht. Außerdem ist sie Vertrauensfrau der IG Metall.

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