?Mint for Ing? bringt Schulen und Unternehmen zusammen: AKTIV im Norden

Hier können sogar Lehrer noch was lernen

„Mint for Ing“ bringt Schulen und Unternehmen zusammen

Mathe- und Physik-Lehrer Claudius Leykauff hat ein Ziel: Er will mit den Schülern seines Wahlpflichtkurses Robotik eine kleine automatisierte Montagestation aufbauen. Die soll mit mechanischen und elektronischen Komponenten einen Teil einer realen Motormontage nachbilden.

Fachlichen Input dafür holt er sich beim Nordbremer Unternehmen ThyssenKrupp System Engineering, einem der weltweit führenden Zulieferer für die Automobil-Industrie. Dessen Forschungs- und Entwicklungsleiter Martin Reinhold zeigt ihm heute im Showroom des Unternehmens, wie eine flexible Montagelinie für Pkw-Motoren funktioniert.

Die Technik steht zwar im Vordergrund, dennoch beschäftigt sich das Tandem aus Lehrkraft und Ingenieur auch intensiv mit betrieblichen Abläufen. „Wir zeigen den Lehrern, wie verschiedene Abteilungen zusammenarbeiten müssen, damit am Ende ein marktfähiges Produkt herauskommt“, berichtet Reinhold. Gerade der Blick in die tägliche Arbeitswelt eines Technologie-Unternehmens ist für den Lehrer der Gerhard-Rohlfs-Oberschule aus Bremen-Vegesack interessant. „Ich nehme jede Menge praktischer Tipps für meinen Unterricht mit“, sagt Leykauff.

Interesse für Technik wecken

Der 50-Jährige ist einer von 20 Lehrkräften, die im Rahmen des „MINT for Ing“-Projekts in Betriebe gehen und dort erfahren, wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) in der Praxis angewendet werden. Die Initiative wurde vor drei Jahren von der Wirtschaft gemeinsam mit der Bildungsbehörde des Landes Bremen gestartet. Der Arbeitgeberverband Nordmetall hat das Projekt von Anfang an unterstützt und in diesem Jahr die Koordination übernommen.

Thomas Küll, Bildungsreferent des Verbandes, erläutert: „Wir möchten Lehrkräften den Zugang zu unseren Unternehmen erleichtern und Schülern aus erster Hand zeigen, wie spannend es ist, Mathematik und Physik in der Praxis anzuwenden.“

Das Projekt gliedert sich in vier Module. Es beginnt mit einem Einführungstag, an dem sich Lehrkräfte und betriebliche Vertreter kennenlernen. Danach gehen die Lehrer in die Betriebe, gefolgt von einem Gegenbesuch der Fachleute in den Schulen. Am Ende steht ein Abschlusstreffen, bei dem Ergebnisse präsentiert und weitere Kooperationen verabredet werden können.

Lehrer als Multiplikatoren

Verschiedene M+E-Unternehmen haben bereits an dem „MINT for Ing“-Programm teilgenommen, darunter die Hella Fahrzeugkomponenten GmbH und das Bremer Airbus-Werk. In diesem Jahr sind die Gestra AG und erstmals ThyssenKrupp System Engineering dabei.

Das Unternehmen mit 3.700 Mitarbeitern weltweit (750 in Bremen) ist Systempartner für sowohl alle wesentlichen Komponenten der Prozessketten Karosserie und Antriebsstrang in der Automobil-Industrie als auch für die Luftfahrt- und Batterie-Industrie. Es setzt auf qualifizierte Mitarbeiter und legt hohen Wert auf die eigene Ausbildung seines Fachkräftenachwuchses. „Deshalb sind wir häufig in Schulen und bei Ausbildungsmessen aktiv“, so Personalreferentin Nina Oberreich. „MINT for Ing“ biete aber eine zusätzliche Chance, Technikbegeisterung in die Schulen zu tragen. „Wir sehen die Lehrer als Multiplikatoren. Sie wissen, wie die Schüler ticken.“

Claudius Leykauff ist einer dieser Pädagogen. „Die Schüler können mit konkreten Anwendungen viel mehr anfangen als mit trockener Theorie. Wenn man sich praktische Anregungen direkt aus den Unternehmen holen kann, ist das natürlich ideal“, sagt er.

Deshalb ist er auch schon zum wiederholten Mal bei „MINT for Ing“ dabei und hofft, dass er über das Projekt hinaus seinen Kontakt zum Unternehmen vertiefen kann. „Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit, den Schülern meines Robotik-Kurses einmal eine echte Montage-Anlage zu zeigen“, sagt er.


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