Leichtes Aluminium und schweres Gusseisen: AKTIV im Norden

Besondere Gießerei

Leichtes Aluminium und schweres Gusseisen


Es kocht und brodelt im Drehtrommelofen. Gießerei-Ingenieur Olaf Mewes gibt ein kurzes Handzeichen. Der Ofen kippt zur Seite, und aus einer kleinen Öffnung strömt das 1.460 Grad heiße, weißglühende Eisen in die mannshohe Pfanne.

Dreieinhalb Stunden hat der Plasmabrenner dafür gebraucht, um diese fünf Tonnen Metall vollständig zu schmelzen.

Die Former Huseyn Güney und Roberto Heyne setzen den Behälter an den Haken des Hallenlaufkrans und bringen das Flüssigeisen zu den vorbereiteten Formen.

„Jetzt muss es schnell gehen“, erklärt Ingenieur Mewes dem staunenden Reporter. „Das Metall darf nicht zu sehr abkühlen und muss sofort in die vorbereiteten Formen gegossen werden.“ Alle Abläufe und Handgriffe sitzen perfekt. „Das machen bei uns nur wenige Spezialisten.“

Bei uns – das ist die „Giesserei Schmidt GmbH & Co KG“ mit Sitz in Cuxhaven. Vor 66 Jahren wurde der Familienbetrieb gegründet. Es hat sich über die Jahrzehnte zu einem industriellen Kleinod im Elbe-Weser-Dreieck entwickelt.

Rund 80 Mitarbeiter gießen und bearbeiten in Cuxhaven und in dem rund 40 Kilometer südöstlich gelegenen Städtchen Hemmoor Formteile aus Eisen und Aluminium. Das Besondere: Die Gießerei setzt auf Kleinserien und Einzelanfertigungen und deren Weiterbearbeitung.

Dazu steht in Hemmoor ein kompletter Maschinenpark aus computergesteuerten Dreh- und Fräsmaschinen zur Verfügung. Drehen, Fräsen, Bohren und Gewinde schneiden, Grundieren und Lackieren, Schweißen und Wärme behandeln – alles kein Problem. „Wir produzieren einbaufertig“, sagt Geschäftsführer und Teilhaber Ulrich Goßlau.

Zweimal hat sich der Betrieb berappelt

Diese Strategie sei der Schlüssel zum Erfolg gewesen, meint der Chef rückblickend. „Heute stehen wir auf gesunden Füßen, beliefern eine Vielzahl von Kunden und sind nicht von einzelnen Großaufträgen abhängig“, betont er.

Banken muss Goßlau schon seit Jahren nicht mehr besuchen. „Wir tätigen sämtliche Investitionen aus dem Cashflow“, sagt er. Aus den laufenden Einnahmen baut man hier den Maschinenpark kontinuierlich aus; den Drehtrommelofen hat man erst vor wenigen Jahren gekauft.

Aber es gab auch schwierigere Zeiten. Vor vielen Jahren stand der Betrieb schon einmal auf der Kippe. Zweimal hat er sich aber wieder berappelt: mit der Gründung der Aluminiumgießerei in den 60er-Jahren und einer Millioneninvestition in Filteranlagen in der Cuxhavener Eisengießerei Mitte der 80er. Heute ist er wettbewerbs- und zukunftsfähig. So liegen die Abgaswerte der Gießerei weit unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten.

Grau-, Kugelgrafit- und Aluminiumguss sind die Kernkompetenzen der Gießerei. Vom wenige Hun­dert Gramm leichten Aluteil bis hin zum mehr als zwei Tonnen schweren Gehäuse für Spezialmotoren reicht die Produktpalette. Für jedes Teil, das gegossen wird, existiert ein Modell.

Insgesamt lagern davon rund 15.000 für den Eisen- und 5.000 für den Aluminiumguss.

Modelle aus Holz, Kunststoff oder Alu

Wenn einmal kein Modell vorhanden ist, muss die Tischlerwerkstatt ran. Drei Modelltischler arbeiten nach Kundenzeichnungen und entwerfen Gussmodelle aus Holz, Kunststoff oder Aluminium.

Oft werden die Gießer schon im Entwicklungsstadium eines Modells um Rat gefragt. „Dann bringen wir unsere spezifischen Kenntnisse bereits in die Zeichnungen ein“, berichtet Geschäftsführer Goßlau. Er weiß: „Über unseren Erfolg entscheidet die Qualität jedes einzelnen Gussteils.“

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