?Industrie 4.0? funktioniert nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen: AKTIV im Norden

Kommentar von Nico Fickinger

„Industrie 4.0“ funktioniert nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen

Kollege Roboter: „Industrie 4.0“ funktioniert nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Foto: Getty

Es ist das Zauberwort des Jahres: „Industrie 4.0“. Doch was steckt dahinter? Klar, es geht um die Digitalisierung der Produktion, um mehr Computer, mehr Internet. Arbeiten wir künftig Hand in Hand mit Robotern? Werden Facharbeiter zu Rädchen in der Cyber-Maschine? Oder vernichtet die Automatisierung sogar bis zu 18 Millionen Arbeitsplätze deutschlandweit in den nächsten 20 Jahren, wie ein Geldinstitut jetzt herausgefunden haben will? Können herkömmliche Fabriken einpacken?

Vieles wird maßlos übertrieben in der aktuellen Debatte. Wir in der Metall- und Elektro-Industrie wissen: Nichts passiert über Nacht. Fortschritt ist ein Prozess. So ist auch die „vierte industrielle Revolution“ eher eine wohlgeordnete Evolution, eine Entwicklung Schritt für Schritt. Und darin stecken viele Chancen.

Nur zwei Beispiele: Neue Assistenzsysteme werden körperliche Tätigkeiten erleichtern – das hält Beschäftigte länger gesund und bremst den demografisch bedingten Fachkräftebedarf. Die Flexibilität in der Aufgaben-Erledigung wird zunehmen, das entspricht den Wünschen vieler. Und auch Kundenwünsche können durch die Vernetzung der Produktion noch besser erfüllt werden. Motto: „Einzelfertigung zu Kosten der Massenfertigung“.

Dass die Digitalisierung überall zu menschenleeren Fabriken führt, ist unwahrscheinlich. Auch die besten Systeme brauchen Überwachung und gezielte Entscheidungen. Dafür benötigen wir auch künftig gut qualifizierte Fachkräfte.

Nur ein Risiko besteht: Die Industrie von morgen wird es schwer haben, wenn ihr gegenwärtiger Erfolg als selbstverständlich empfunden wird. Wir brauchen mehr Akzeptanz für die Industrie in der Bevölkerung, bessere Rahmenbedingungen und weniger Belastung durch die Politik.

Allen Politikern, Gewerkschaftern und Medienvertretern sei deshalb gesagt: Wer die Industrie 4.0 beschwört, darf sich gerne schon jetzt für die Industrie 3.0 einsetzen.


Der Autor

Nico Fickinger ist Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord, die „AKTIV im Norden“ möglich machen.

Diskutieren Sie mit ihm: nordwort@aktivimnorden.de

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