In Rostock entstehen Bauteile für zahlreiche Offshore-Windparks: AKTIV im Norden

Zehn Meter Durchmesser

In Rostock entstehen Bauteile für zahlreiche Offshore-Windparks


Wer jemals auf einen Sprungturm im Freibad geklettert ist, der weiß: Zehn Meter können verdammt hoch sein. Da wird selbst ein gestandener Mann schlagartig zum Zwerg. Ähnliche Gefühle stellen sich ein, wenn man in Rostock vor der jüngsten Entwicklung der Firma EEW Special Pipe Constructions (EEW SPC) steht: Ein riesiges Rohrsegment mit einem Durchmesser von zehn Metern, hergestellt aus einer 9,5 Zentimeter dicken Stahlplatte.

Produktionsleiter Udo Mützelburg, seit 33 Jahren bei EEW tätig, ist sichtlich stolz auf das Stück. Erst seit diesem Sommer können solche Riesen hier produziert werden. Möglich macht es eine neue Walze mit monströsen Kräften. Sie bringt mit einer Last von 8.000 Tonnen – dem Gewicht von fast 5.000 Mittelklassewagen – selbst 25 Zentimeter dicke Platten in Form.

Mützelburg zeigt auf einen fertigen Rohrabschnitt im vorderen Teil der Halle: „Bislang lagen die maximalen Durchmesser für Offshore-Rohre üblicherweise bei etwa acht Metern, aber der Bedarf nach größeren Kalibern wird steigen, da der Trend zu sogenannten XL Mono­piles geht.“

Ein Monopile ist ein Fundamentrohr, das für die Errichtung von Windturbinen bis zu 25 Meter tief in den Meeresgrund gerammt wird. Auf dieses Rohr kommt dann das meist gelb lackierte „Transition Piece“, ein kurzes Verbindungsstück, in das später der eigentliche Turm gesteckt wird. Eine bewährte Konstruktion, die den Vorzug hat, dass sie relativ schnell und ohne aufwendige Vorarbeiten am Seegrund installiert werden kann.

Unterdessen ist auf dem Hof gerade eine neue Ladung mit Blechen abgeladen worden, jedes davon etwa fünfmal so dick wie das Rostocker Telefonbuch. Bevor sie ihre runde Form erhalten, müssen sie zugeschnitten werden. Das ist der Job von Mario Voye in Halle 1. Sein computergesteuerter Brenner gleitet durch den Stahl wie ein heißes Messer durch Butter. Danach geht’s auf die Walze.

Verschweißt werden die Rohre mit dem Unter-Pulver-Verfahren, das für lange und breite Nähte besonders geeignet ist. Bei dieser Methode findet der komplette Schweißprozess unter einer Schicht aus mineralischem Pulver statt, das stetig aus einem kleinen Rohr rieselt. Vorteil: Das Pulver bildet eine Schlacke und schützt so das noch flüssige Material in der Naht vor Oxidation. Nachteil: Der Schweißer sieht den Lichtbogen nicht und kann das Ergebnis des Schweißvorgangs erst hinterher kontrollieren.

Produktionsleiter Mützelburg: „Wenn da was schiefgeht, kann es richtig teuer werden. Eine Fehlnaht wieder zu lösen und neu zu schweißen, dauert lang und kostet viel Material. Da sind schnell mal 10.000 Euro weg. Kommt bei uns aber praktisch nie vor, die Fehlerquote liegt im Promillebereich.“

Überhaupt, das Schweißen: Das kann hier bei EEW SPC eigentlich jeder, auch die Ingenieure. „Darauf legen wir großen Wert“, sagt Mützelburg. „Theoretiker können wir nicht brauchen.“

Sein Stellvertreter Torsten Federle nickt. „Im Offshore-Bereich gelten andere Regeln als im klassischen Metallbau an Land. Wenn ein Schweißer dort mal Murks macht, ist es im Regelfall kein Drama. Man bessert die fehlerhafte Naht einfach aus. Wenn aber auf See eine Schweißverbindung unter Wasser reißt, dann haben Sie ein echtes Problem.“

Apropos: Wie wirken sich eigentlich die aktuellen Probleme bei der Anbindung von Offshore-Windparks ans Stromnetz auf die Rohrhersteller aus? Es gibt ja nicht nur gute Nachrichten aus der Branche  …

Die Auftragslage ist gut, an den meisten Tagen wird im Drei-Schicht-System gerarbeitet

Mützelburg zuckt die Achseln. „Keine Ahnung, wie es bei den Wettbewerbern ist. Wir haben gut zu tun. Derzeit arbeiten wir dreischichtig und ab und zu auch mal am Wochenende. Die Auslastung ist gut, weil wir zu den führenden Anbietern in Europa gehören und regelmäßig Aufträge aus dem Ausland haben.“

Mützelburg muss es wissen, er hat einen guten Draht nach oben. Sein Sohn Heiko  (37) arbeitet auch für EEW. Er ist, mit Karl Klös-Hein, Geschäftsführer der Rostocker Firma.

EEW Special Pipe Constructions GmbH, Rostock

Das Werk im Rostocker Seehafen ist eine Tochter des Unter-nehmens Erndtebrücker Eisenwerk (EEW) und wurde Mitte 2008 in Betrieb genommen. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Herstellung von dickwandigen Rohren für Offshore-Anlagen. Es beschäftigt derzeit rund 340 Personen in Rostock und 60 weitere im Industriepark Lubmin am Greifswalder Bodden.

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EEW Special Pipe Constructions GmbH
Am Eisenwerk 1
18147 Rostock

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