Im Kreißsaal der Mega-Jachten: AKTIV im Norden

Hier werden spektakuläre Aufträge erfüllt

Im Kreißsaal der Mega-Jachten


Bald beginnt sie wieder, die Jagdzeit in Wewelsfleth. Dann liegen die „Jacht-Spotter“ mit ihren Kameras und langen Teleobjektiven hinter den Büschen am Ufer der Stör und warten. Manchmal tagelang. Mark Dethlefs kennt das schon. „Klar, wenn wir ein neues Schiff aus der Halle holen, ist das richtig spannend. Vor allem dann, wenn der Kunde ein bekannter Millionär ist. Einige Zeitschriften zahlen sehr viel Geld dafür.“

Dethlefs wirft einen grimmigen Blick aus dem Fenster und rührt in seiner Tasse. Der Norddeutsche ist Geschäftsführer bei Peters Schiffbau, eine von maximal sieben Werften weltweit, die den Bau von Mega-Jachten beherrschen.

Das Schiff, an dem die Wewelsflether momentan arbeiten, ist eine solche Mega-Jacht. Sie wird im fertigen Zustand eine Länge von 101 Metern und einen Tiefgang von 5,80 Metern haben. Produktionsleiter Lars Biemüller öffnet eine Tür der Halle und lässt seine Besucher aus Hamburg in das Allerheiligste. Ein echter Vertrauensbeweis, denn Verschwiegenheit ist das oberste Gebot im Jacht-Business.

Verstöße gegen diese Regel können teuer werden. Beim Gang durch die 130 Meter lange Halle erzählt Biemüller von einer Werft, die eine Jacht für einen bekannten Kunden aus Russland baute. Ein Mitarbeiter machte im Inneren des Schiffs heimlich Fotos vom Schlafgemach des Eigners und verhökerte sie an die Presse. Das wurde für die Werft richtig teuer, nach Medienberichten lag die Konventionalstrafe im zweistelligen Millionenbereich. Biemüller: „Wenn so was passiert, können Sie den Laden dichtmachen.“

Verständlich also, dass Fragen zum Kaufpreis und zum künftigen Eigner der aktuellen Jacht unerwünscht sind. Stattdessen nimmt uns Biemüller mit in eine andere Halle, in der die Module für das Schiff entstehen. „Die Jacht wird aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt“, erklärt der Produktionsleiter. „Sobald ein neues Segment fertig ist, öffnen wir das Dach der Halle und heben das Teil mit dem Kran hinein. Dann wird es eingepasst und angeschweißt.“

Direkt neben der Neubauhalle liegt gerade ein großes Schiff im Dock. Erst beim Heruntersteigen auf die Sohle der mächtigen Betonwanne bemerkt man einige Arbeiter unter dem aufgebockten Schiff, die sich dort mit langen Schweißbrennern zu schaffen machen.

Biemüller: „Hier sehen Sie unser zweites Standbein, die Wartung und Reparatur von Schiffen. Dieser Containerfrachter ist über einen Felsen geschrammt. Jetzt müssen die Bodenplatten und der Propeller ausgetauscht werden.“

Für Aufträge dieser Art hat die Werft gleich zwei große Trockendocks, die Schiffe bis zu einer Länge von 135 Metern aufnehmen können. Die Auslastung ist gut, da viele Reeder ihre Schiffe gern dort reparieren lassen, wo sie auch gebaut wurden. Die Auftragsbücher sind bis Ende 2014 gefüllt.

Auch Google-Manager Eric Schmidt war schon in Wewelsfleth. Er ließ dort ein Forschungsschiff umbauen

Einer der spektakulärsten Aufträge der vergangenen Jahre kam übrigens aus den USA. Eine amerikanische Stiftung ließ bei Peters ein 83 Meter langes Fischereischutzboot zu einem Multifunktions-Forschungsschiff umbauen. Nach drei Jahren war es geschafft – 2012 wurde die „Falkor“ an das Schmidt Ocean Institute (SOI) übergeben.

Der Name macht neugierig. Schmidt? So wie der langjährige Google-Chef Eric Schmidt, der in den USA als großzügiger Stifter bekannt ist? Dethlefs nickt. „Genau der“, sagt er. „Er ist der Gründer des SOI und war mehrfach zu Besuch bei uns.“

Alter Hase: Ali Sahingöz war schon am Bau von mehr als 100 Schiffen beteiligt. Foto: Kirchhof

Begegnung mit  … Ali Sahingöz: Seit 36 Jahren an Bord

Der Schiffbauer machte seine Ausbildung gemeinsam mit dem heutigen Peters-Chef

Fragt man Ali Sahingöz, welche typisch deutschen Eigenschaften er am meisten schätzt, fallen ihm sofort drei ein: Ordentlichkeit, Fleiß und Zuverlässigkeit. „Dafür werden die Deutschen überall bewundert“, sagt der 53-Jährige. „Das Einzige, was manchmal ein bisschen fehlt, ist die Lebensfreude, die ich aus meiner alten Heimat kenne. Alles zusammen wäre die perfekte Kombination.“

Keine Sorgen um die Zukunft

Ali Sahingöz wurde vor 53 Jahren in Anatolien geboren und kam 1971 mit seiner Familie nach Deutschland. „Das war nicht leicht für mich“, erzählt er. „In der Türkei hatte ich das Gymnasium besucht, aber hier war alles anders. Ich sprach anfangs natürlich kein einziges Wort Deutsch und kam deswegen gleich auf die Hauptschule.“

Als er 1977 mit der Schule fertig war, begann er auf der Werft eine Ausbildung zum Schiffbauer. Seit dieser Zeit kennt er auch den heutigen Firmenchef Mark Dethlefs, der zeitgleich mit ihm Schlosser lernte und später geschäftsführender Gesellschafter wurde.

Aber nicht nur deswegen hält Sahingöz große Stücke auf seinen Chef. „Die Firma wird gut geführt“, sagt der Schiffbauer, „wir haben bisher alle Krisen überstanden. Daher mache ich mir überhaupt keine Sorgen um die Zukunft.“
Auch privat läuft es gut für den zweifachen Familienvater. Tochter und Sohn studieren, und seit einem Jahr gibt es eine kleine Enkelin, die der ganze Stolz ihres Großvaters ist.

Mein Job

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich sah 1977 eine Stellenanzeige der Werft in der Zeitung und habe mich beworben. Ich wurde genommen und bin geblieben.

Was gefällt Ihnen besonders?

Wir haben ein tolles Betriebsklima und viel Abwechslung im Job. Auch nach über 30 Jahren komme ich immer noch gern zur Arbeit.

Worauf kommt es an?

Technische Begabung, Sorgfalt und Gründlichkeit sind ganz wichtig. Und natürlich sollte man Schiffe mögen.

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Peters Schiffbau GmbH

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Peters Schiffbau GmbH
Am Hafen 6
25599 Wewelsfleth

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