Die Ofen-Revolutionäre: AKTIV im Norden

Reportage

Die Ofen-Revolutionäre


Hightech statt Heavy Metal – so schaffte das ostfriesische Traditionsunternehmen Leda die Wende

Alles begann mit der Ölkrise, die in den 70er- Jahren wie ein Schock über die deutsche Wirtschaft kam. Vor allem Betriebe mit hohem Energieverbrauch hatten plötzlich ein Problem – wie die Eisengießerei Boekhoff,  seit 1873 im Zentrum der ostfriesischen Kleinstadt Leer.

Und was für ein Kontrast: Im Jahr 2011, in dem erneut das ganze Land über Energie diskutiert, steht an dieser Stelle eine Hightech-Schmiede. Hier entstehen Öfen, die das Potenzial haben, das Heizen zu revolutionieren – in den bundesweit mehr als zehn Millionen Haushalten, die ganz oder teilweise auf den nachwachsenden Rohstoff Holz setzen.

Möglich wurde das durch einen entschlossenen Strategiewechsel – und durch die Konzentration auf eine Sparte, die früher nur ein Randbereich war. „Die entscheidende Frage“, erzählt Geschäftsführer Folkmar Ukena, „war diese: Gießereien gibt es viele – was können wir besser als andere?“ Die Antwort lag auf der Hand: Öfen. „Hier hatten wir über 100 Jahre Erfahrung.“

Neue Strategie, neuer Name

Das ist nicht übertrieben, wie ein Blick ins hauseigene Ofen-Archiv belegt. Die Modelle, von jeher vermarktet unter dem Namen „Leda-Ofen“, hatten einen guten Ruf, galten als zuverlässig und robust, (nord-)deutsche Wertarbeit eben. Aber ökologisch waren sie, wie alle Öfen dieser Zeit, keine Wunderwerke. Das Heizen mit festen Brennstoffen hatte im Vergleich zu Öl- oder Gasheizungen einen schlechten Ruf, wegen niedriger Effizienz und hohen Emissionen. Und genau das war der Ansatzpunkt.

Seit 1992 heißt das Unternehmen „Leda Werk GmbH & Co. KG“ – und trägt die Traditionsmarke im Firmennamen. Die Eigentümerfamilie stellte frühzeitig die Weichen für eine dynamische Entwicklung und bot den leitenden Angestellten an, sich an der Firma zu beteiligen. Diese halten heute 50 Prozent.

Eine kluge Entscheidung, die 170 Mitarbeiter haben gut zu tun, und der Umsatz steigt Jahr für Jahr. Das liegt vor allem daran, dass immer mehr Haushalte wegen der steigenden Energiekosten mit Holz heizen.

Hohe Effizienz dank Hochleistungsrechner

Für diese Kunden hat Leda eine eigene Produktlinie entwickelt: Extrem effiziente und emissionsarme Kaminöfen mit niedriger Leistung – die es in modern gedämmten vier Wänden dennoch kuschelig warm werden lassen. „Bei Öfen ist es wie bei Autos“, sagt Leda-Ingenieur Sven Müller, „die meisten Käufer wollen leistungsstarke Modelle, auch wenn sie in der Praxis völlig überdimensioniert sind. Hier haben wir angesetzt.“

Das Modell „Unica“ zum Beispiel ist ein echtes Leichtgewicht. Sein senkrechter Brennraum ist kreisrund und gerade so groß, dass ein Holzscheit hineinpasst. Das Geheimnis seiner Effizienz ist die optimierte Luftzufuhr über mehrere Kanäle.

Geschäftsführer Ukena berichtet: „Bei der Konstruktion wurde ein Hochleistungsrechner eingesetzt, den es in dieser Form kein zweites Mal in Deutschland gibt. Mit ihm können wir die Prozesse im Ofen perfekt simulieren und so lange optimieren, bis wirklich alles passt.“

Clemens von Frentz

Leda Werk, Leer

Gegründet 1873 unter dem Namen „Franzen & Co.“, war das Unternehmen zunächst als Eisengießerei tätig. Im Jahr 1882 folgte die Umfirmierung in „Boekhoff & Co.“ und die Einrichtung einer Schleiferei mit Vernickelungsanstalt.

Schrittweise wurde die Hälfte der Firmenanteile vom Management übernommen, das aus der alteingesessenen Gießerei einen Spezialisten für Heiztechnik machte.

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Unternehmen in diesem Artikel

LEDA Werk GmbH & Co. KG Boekhoff & Co.

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