Die Armaturen von Herose müssen extremen Temperaturen standhalten: AKTIV im Norden

Ein Schiff fährt mit flüssigem Erdgas

Die Armaturen von Herose müssen extremen Temperaturen standhalten


Für unkundige Landratten sieht die norwegische „MS Stavangerfjord“ aus wie eine ganz normale Fähre. Doch wer genau hinschaut, bemerkt Unterschiede: Aus den Schloten des 2013 gebauten Schiffs kommt kein sichtbarer Abgasstrom, und gleich daneben ragen drei rot lackierte Rohre in die Höhe. Sie sind der Hinweis auf eine technische Finesse, die das Schiff einzigartig macht.

Die „Stavangerfjord“ fährt nämlich, genau wie ihre baugleiche Schwester „MS Bergensfjord“, mit flüssigem Erdgas (LNG) statt mit Schweröl und gilt daher als umweltfreundlichste Fähre der Welt. In den roten Rohren stecken Sicherheitsventile, mit denen die Gastanks im Notfall blitzschnell entleert werden können. Die eingebauten Armaturen und Ventile stammen aus Bad Oldesloe, wo die Firma Herose ihren Sitz hat.

Der schleswig-holsteinische Familienbetrieb, der 2013 seinen 140. Geburtstag feierte, zählt zu den weltweit führenden Experten im Umgang mit technischen Gasen, Flüssigkeiten und Dämpfen. Die Produkte von Herose sind vor allem dort gefragt, wo es kalt ist. Richtig kalt.

Zum Beispiel minus 183 Grad Celsius. Geschäftsführer Dirk Zschalich: „Das ist die Temperatur von flüssigem Sauerstoff. Wenn Sie damit hantieren, ist jede Armatur sofort mit einer dicken Eisschicht überzogen. Wollen Sie mal sehen?“

Rund 400.000 Teile werden pro Jahr gebaut und getestet

Und schon geht’s nach draußen zu einem hohen Tank, der hinter der Werkhalle steht und bis zu 50.000 Liter Sauerstoff aufnehmen kann. Tatsächlich, die Ventile und Leitungen am unteren Ende sind komplett vereist, obwohl der stählerne Behälter in der prallen Sonne steht.

Zschalich strahlt. „Trotz dieser extremen Temperaturen sind die Armaturen absolut dicht. Unsere Reklamationsquote liegt im Promillebereich. Das ist die eigentliche Kunst, denn bekanntlich ändert Metall seine Maße, wenn es erwärmt oder abgekühlt wird.“

Die hohe Zuverlässigkeit ist auch ein Ergebnis des Qualitätsmanagements, das die Bad Oldesloer konsequent perfektioniert haben. Rund 400.000 Teile produziert Herose im Jahr, und alle werden vor dem Versand ausgiebig getestet.

Das Verfahren ist simpel und erinnert an die altbewährte Methode, mit der man Löcher in einem Fahrradschlauch sucht. Monteur Oliver Grieger demonstriert den Vorgang an einem Stahlventil, das in eine Druckluft-Vorrichtung eingespannt und in ein Wasserbecken getaucht wird. „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“, sagt Grieger. „Kein Blubbern, keine Blasen, obwohl ein Druck von 50 Bar anliegt.“ Zufrieden nimmt er das Ventil heraus und legt es zu den anderen geprüften Teilen. Die eigentliche Fertigung findet ebenfalls zum überwiegenden Teil in Bad Oldesloe statt. Zschalich: „Sicher wäre es billiger, verstärkt auf Zulieferer aus Niedriglohn-Ländern zu setzen, aber das verträgt sich nicht mit unserer Philosophie. Wir hatten schon immer eine hohe Wertschöpfung und sind bekannt für die Qualität unserer Produkte. Dabei soll es auch bleiben.“

Der Umsatz soll in den nächsten zehn Jahren verdoppelt werden

Um trotzdem im immer härteren Wettbewerb bestehen zu können, setzt Herose seit einigen Jahren auf kostenbewusstes Lean Management, um seine Produktionsprozesse zu optimieren. Für einen mittelständischen Familienbetrieb mit etwa 230 Mitarbeitern ist das eher ungewöhnlich, aber es funktioniert. Zschalichs aktuelle Zwischenbilanz: „Wir konnten die Rüstzeiten um bis zu 50 Prozent reduzieren, die Auftragsdurchlaufzeiten senken und den Durchsatz deutlich erhöhen.“

Gleichzeitig wurde der Umsatz stetig gesteigert. Geplant ist, ihn in den kommenden zehn Jahren auf 100 Millionen Euro zu verdoppeln.

Herose GmbH Armaturen und Metalle, Bad Oldesloe

Das Unternehmen entstand 1992 durch Zusammenlegung der 1873 in Altona gegründeten Armaturenfabrik Theodor Rose mit der Firma Hero Armaturen und einer Vertriebsgesellschaft. 1996 übernahm der Vater des heutigen Geschäftsführers den Betrieb durch ein Management-Buy-out (MBO). Herose beschäftigt rund 230 Mitarbeiter und peilt für 2014 einen Umsatz von 50 Millionen Euro an.

www.herose.de

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