Der natürliche Weg: AKTIV im Norden

Standpunkt

Der natürliche Weg

Wie kam es eigentlich zum Aufschwung? Der Blick zurück ist aufschlussreich

Von den Trobriandern, einem Inselvölkchen hinter Neuguinea, berichteten britische Forschungsreisende einst seltsame Ansichten. Es gebe keinerlei Zusammenhang von Geschlechtsakt und Schwangerschaft.  Als Bestätigung werteten es die Trobriander, wenn eine Frau während hinreichend langer Abwesenheit ihres zur See fahrenden Gatten schwanger wurde.

In ähnlicher Weise schaut Michael Sommer, der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, auf die Wirtschaft. Er verkennt den Zusammenhang zwischen sinkenden Arbeitskosten und zeitnahem Aufschwung. Stattdessen will er den Aufschwung als Bestätigung der  „Kaufkraft-Theorie“ sehen: als Folge der nach Jahren der Mäßigung wieder satten Tariflohn-Erhöhungen.

War da nicht schon vorher was im Schwange? Betrachten wir den Vorlauf näher: Aus Sicht von Sommer und Kollegen war in den Flautejahren seit 2002 so ziemlich alles schiefgelaufen. Tariflohn-Steigerungen fielen eher knapp aus. Übertarifliche Leistungen wurden abgebaut, Öffnungsklauseln genutzt, Arbeitszeiten wieder verlängert, Unternehmensteuern gesenkt, Mini-Jobs und Leiharbeit enttabuisiert.

Bis auf den letzten Punkt alles nicht (lohn)kaufkraftträchtig. Aber alles kostensenkend! Unsere Kaufkraft-Trobriander sollten den Gedanken erproben, dass damit schon vor der Tarifrunde 2006 erreicht war, was angeblich erst höhere Löhne bewirkten: bessere Job- wegen besserer Gewinn-Aussichten.

Dass ein einzelner Betrieb besser verdient, dahin führen zwei Wege: mehr Umsatz  (etwa von mehr Kaufkraft getragen) bei nicht steigenden Kosten oder weniger Kosten bei nicht sinkendem Umsatz. Ist es also gehupft wie gesprungen, ob Kaufkraft steigt oder Kosten sinken?

Nicht für den Aufschwung. Den fährt die Kaufkraft-Tour gegen die Wand. Gesamtwirtschaftlich steht nach überzogenen Lohnrunden schon das Umsatz-Plus in den Sternen. Zwar mögen verbrauchernahe Branchen mehr verkaufen – aber zulasten der Investitionsgüter-Industrien, die von Kaufkraft der Betriebe leben. Selbst dort, wo der Umsatz steigt, erhöht sich nicht unbedingt der Gewinn: Die Klausel „nicht steigende Kosten“ ist nicht erfüllt.

Auf dem Weg der Kostensenkung hat der Aufschwung dagegen freie Bahn: Hier steigen unmittelbar die Rein- Erlöse. Und da zumindest die Gesamt-Kaufkraft  nicht fällt, ist die Klausel „nicht sinkender Umsatz“ erfüllt.

Sollten nicht auch Trobriander sehen können, dass dies die natürliche Erklärung ist?


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