?Das schaffst Du auch?: AKTIV im Norden

Jugendliche mit Problemen: Hier kriegen sie eine Chance

„Das schaffst Du auch“

Kiel/Bremerhaven/Rostock. Etwas verloren steht er da, zwischen all den Hafenkränen. Trotz der gefütterten Kapuzenjacke scheint Malte Kristan zu frösteln. „Hallo“, sagt der 17-Jährige leise, als ein junger Mann in blauer Montur ihn mit Schulterklopfen begrüßt. „Dann komm mal mit“, antwortet Björn Grützmacher, Auszubildender bei der Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) in Kiel.

Dieser Tag in der Ausbildungswerkstatt der Werft kann ein Wendepunkt werden in Maltes Leben. Der junge Kieler, dem der Start ins Berufsleben nach der Realschule nicht glückte, gehört zu den 30 Teilnehmern des Förderprojektes „Nordchance“.

Jugendliche mit sogenannten Vermittlungshemmnissen in Ausbildung bringen: Das ist das Ziel dieses Förderprogramms, das 2008 vom Arbeitgeberverband Nordmetall ins Leben gerufen wurde.

Das Praktikum ist gesichert

Auch Björn, der HDW-Azubi, hat seinerzeit die Nordchance ergriffen. Jetzt zählt er zu den 54 Jugendlichen der beiden zurückliegenden Jahrgänge, die es gepackt haben. Er absolviert eine Ausbildung zum Industriemechaniker. „Vorher hatte ich mich zigmal beworben, aber nur Absagen bekommen“, erinnert er sich. Schließlich hatte er zwei Anläufe für den Realschulabschluss gebraucht. Da war er schon 20 Jahre alt.

Inzwischen kann er Malte, dem Besucher, die Maschinen in der Ausbildungswerkstatt zeigen. Mit dabei ist noch Jörg Bock, Ausbilder bei HDW. Malte hört aufmerksam zu, stellt interessierte Fragen. Und offenbar auch die richtigen. Denn Ausbilder Bock stellt hinterher zufrieden fest: „Der Junge kann’s schaffen. Seinen Praktikumsplatz hat er sicher.“

Malte strahlt, als Azubi Björn aufmunternd sagt: „Was ich geschafft habe, das schaffst du auch.“

HDW engagiert sich von Anfang an stark für die Nordchance. Regelmäßig stellt Ausbilder Bock den Teilnehmern die Werftberufe vor: „Dabei sind mir schon einige geeignete Kandidaten aufgefallen.“ Wie Malte.

Der will jetzt endlich die Kurve kriegen. Nach der Realschule hatte er zunächst „was Kaufmännisches“ machen wollen, dann was mit Lager und Logistik. „Das war alles nichts. Jetzt weiß ich endlich, dass Metall das Richtige ist“, sagt er.

Bevor die Nordchance-Teilnehmer einen Praktikumsplatz ergattern, absolvieren sie zunächst einen Orientierungslehrgang. In diesen drei Monaten stehen nicht nur Mathematik, Deutsch und Englisch auf dem Stundenplan. Es geht auch darum, sich zu präsentieren, im Team zu arbeiten, mit Kritik klarzukommen.

40 Unternehmen beteiligen sich

Die Regeln sind glasklar: Wer öfter verschläft oder Aufträge nicht erledigt, wird abgemahnt. Einmal kann man sich das erlauben. Danach ist Schluss.

Nicht für Malte. Der weiß genau, wie es nach der Theorie-Phase für ihn weitergeht. Mit der betrieblichen Erprobung. Ausbilder Bock: „Bei uns laufen die Nordchancler mit den normalen Auszubildenden mit.“ Sieben Monate lang, unter echten Produktionsbedingungen.

So wie in Kiel beteiligen sich 40 Betriebe zwischen Ems und Oder an dem Projekt – die meisten von ihnen sind kleine und mittlere Unternehmen.

In Bremerhaven etwa macht Leandro Martins Ramos eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik. Zweieinhalb Jahre lang hatte er eine Lehrstelle gesucht.

„Die Nordchance war meine echte Chance“, sagt der 20-Jährige. Und Gerold Modersitzki, Ausbilder im Drahtseilwerk Bremerhaven, ist zufrieden: „Die Zwischenprüfung schafft er.“

So weit ist Matthias Tessenow aus Rostock noch nicht. Nach der Realschule hatte er zunächst gejobbt, vor allem als Maurer und Maler, bevor er etwas Festes anfing.

„Gut, dass diese Zeit vorbei ist“, sagt er. Er nimmt mit acht anderen Jugendlichen in Rostock an der Nordchance teil. Dort ist die AFZ Aus- und Fortbildungszentrum Rostock GmbH Träger dieses Projektes. Gerade hat Matthias mit seiner praktischen Phase begonnen, bei der Hanse Metallbau in Elmenhorst. Er sieht zuversichtlich nach vorn: „Das halte ich durch.“

Durchhalten. Darum geht es unter anderem bei der Nordchance, zu der Ingo Kramer den Anstoß gegeben hatte. Der Präsident von Nordmetall will nicht nur die fachliche, sondern auch die persönliche Entwicklung der Jugendlichen fördern: „Unsere soziale Verantwortung und der demografische Wandel verpflichten uns dazu.“


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