Beim Schweißen macht ihr kaum einer etwas vor: AKTIV im Norden

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Beim Schweißen macht ihr kaum einer etwas vor


Doris Schulz-Bursch arbeitet beim Werft-Unternehmen Nordic Yards in Wismar

Falls irgendwann einmal die Firmenchronik von Nordic Yards geschrieben wird, sollte man Doris Schulz-Bursch als Beraterin engagieren. Die gebürtige Wismarerin arbeitet seit Mitte der 70er-Jahre auf der Werft und kennt den Betrieb besser als die meisten anderen Mitarbeiter.

Dabei hatte sie ursprünglich in einer ganz anderen Branche gelernt. Schulz-Bursch: „Nach der Schule war ich zunächst in einem Textilwerk beschäftigt, aber da es dort keine Perspektiven gab, habe ich nach einer Alternative gesucht.“

Einstieg als Kranführerin

Diese Alternative war schnell gefunden: In der Wismarer Werft, die damals noch ein Teil der „Vereinigung Volkseigener Betriebe Schiffbau“ war, wurde immer Personal gebraucht. Denn in der Zeit hatte das Unternehmen eine Belegschaftsgröße von rund 7.000 Mitarbeitern. Und da wurde immer mal wieder eine Stelle frei.

Im Mai 1976 war es so weit: Doris Schulz-Bursch hatte ihren ersten Arbeitstag auf der Werft, damals noch als Führerin für den Portalkran in der mehr als 300 Meter langen Schiffbauhalle an der Wismarbucht. „Damit war ich keine Ausnahme“, erzählt die 53-Jährige, „die meisten Kranführer-Jobs wurden damals an Frauen vergeben. Möglicherweise liegt das daran, dass wir Frauen etwas vorsichtiger sind als Männer – im Straßenverkehr ist es ja ähnlich.“

Der große Moment ist die Schiffstaufe

Apropos: In jener Zeit gab es für die Werft sogar noch einen eigenen Kreißsaal. Firmensprecher Stefan Sprunk: „Kein Witz. Ich bin zwar noch nicht so lange dabei, aber kürzlich erzählte mir ein Pensionär davon. Weil der Betrieb so groß war, gab es eine eigene Poliklinik, und dort kamen dann auch die Kinder der Mitarbeiter zur Welt.“

1993 folgte für Schulz-Bursch der nächste Wechsel: Die Werft, die ein Jahr zuvor von der Bremer Vulkan AG übernommen worden war, bot ihr eine Schweißer-Fortbildung an. „Das war eine tolle Chance für mich“, erzählt sie. „Ich war Mitte 30, und die neue Aufgabe hat mir von Anfang an Spaß gemacht. Außerdem hat man als Schweißer auf einer Werft eigentlich meistens etwas zu tun.“

Besonders beeindruckt hat sie immer der Moment, wenn ein Schiff nach vielen Monaten endlich fertig war und getauft wurde. Die letzte Veranstaltung dieser Art gab es im Herbst 2011, als der eisbrechende Spezialtanker „Nordic AT 19“ die Werft verließ.

Dieses Schiff markiert gleichzeitig eine weitere Wende im Berufsleben von Schulz-Bursch, denn der neue Werft-Eigner Vitaly Yusufov will Nordic Yards als neuen Anbieter im Offshore- und Spezialschiff-Markt etablieren.

Die Schweißerin baut nun mit ihren Kollegen zwei Plattformen für Windparks, die derzeit in der Nordsee errichtet werden.

Das ist für sie eine Premiere. Schulz-Bursch ist überzeugt: „Windkraft hat viel Potenzial. Ich finde gut, dass wir dabei sind.“

Clemens von Frentz

 

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Nordic Yards Wismar GmbH

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Nordic Yards Wismar GmbH
Wendorfer Weg 5
23966 Wismar

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