Auszubildende Marnie Schnitger erfindet ein mobiles Ladegerät für Smartphones: AKTIV im Norden

Sie setzt auf Muskelkraft

Auszubildende Marnie Schnitger erfindet ein mobiles Ladegerät für Smartphones


Die besten Ideen sind oft verblüffend einfach und absolut naheliegend – man muss nur drauf kommen. Ein Beispiel dafür ist die Erfindung von Marnie Schnitger: Sie baute eine Konstruktion, dank der man Handy- und Smartphone-Akkus mithilfe eines ganz normalen Fahrrads aufladen kann.

Die angehende Industrie-Elektronikerin, die Ende September ihren 20. Geburtstag feierte, macht derzeit ihr viertes Ausbildungsjahr beim Schuhmaschinen-Hersteller Klöckner Desma. Das Unternehmen mit Sitz in Achim bei Bremen ist mächtig stolz auf die einfallsreiche Nachwuchskraft. Ausbilder Ralf Brammerloh: „Wir haben das Projekt tatkräftig unterstützt und freuen uns, dass die Umsetzung so gut geklappt hat.“

Innerhalb einer Minute ist das Gerät einsatzbereit

Die Konstruktion selbst steht in der Werkhalle gegenüber von Brammerlohs Büro. Marnie Schnitger: „Die Ladestation funktioniert mit jedem Fahrrad, das vorn einen Nabendynamo hat. Mir war wichtig, dass man nicht stundenlang umbauen muss, wenn das Smartphone aufgeladen werden soll. Deshalb ist das Gestell so ausgelegt, dass es mit wenigen Handgriffen startklar gemacht werden kann.“

Der Praxistest beweist: Es stimmt, innerhalb einer Minute ist die Konstruktion einsatzbereit. Man muss das Fahrrad nur mit dem Hinterrad in eine Halterung setzen, das Vorderrad aus der Gabel nehmen und es parallel zum Hinterrad in eine Aufhängung setzen.

Und schon kann’s losgehen, denn in dem Alu-Gestänge gibt es eine drehbare Walze, über die das Vorderrad vom Hinterrad angetrieben wird. Marnie Schnitger stöpselt das Kabel ihres Smartphones an eine kleine Box am Fahrradrahmen, schwingt sich in den Sattel und tritt munter in die Pedale. Tatsächlich, sofort ist auf dem Display des Geräts das Ladesymbol zu sehen.

Auch unser Fotograf ist beeindruckt, hat aber gleich eine naheliegende Frage: Wie lässt sich verhindern, dass es zu einer Überladung kommt, die den Akku des Smartphones irreparabel schädigen würde?

Marnie Schnitger deutet auf das kleine Kästchen, an der das Ladekabel hängt. „Damit wird der Ladevorgang gewissermaßen gepuffert. In der Box steckt ein eigener Akku, der von dem Nabendynamo geladen wird und seine Energie an das Smartphone abgibt.“

Außerdem gibt es an der Box eine kleine LED-Anzeige, die dem Radfahrer signalisiert, ob er zu schnell oder zu langsam tritt. Hat er das richtige Tempo, leuchtet die Diode grün.

Seine Premiere feierte das Gerät vor einigen Wochen bei einem großen Jugendcamp in Verden, zu dem rund 2.000 Teilnehmer gekommen waren. Das Thema der Veranstaltung lautete passenderweise „Zukunft“.

Nach der Ausbildung folgt das Techniker-Studium

Für ihre persönliche Zukunft hat Marnie Schnitger bereits sehr konkrete Vorstellungen. Wenn ihre Ausbildung Anfang kommenden Jahres endet, will sie zunächst bei Klöckner Desma bleiben und berufsbegleitend eine Techniker-Ausbildung in Bremen machen.

„Ich hatte immer schon ein Faible für technische Dinge“, erzählt die gebürtige Bremerin. „Das war bereits in der Schule so. Meine Freundinnen wollten fast alle einen Bürojob haben, aber das wäre für mich nichts gewesen – ich bin mehr eine Schrauberin.“

Dass sie als Azubi bei Klöckner Desma gelandet ist, war übrigens kein Zufall. Eine Tante von ihr hatte auch schon in dem Unternehmen gearbeitet. Ihr Großvater ebenfalls.

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DESMA Schuhmaschinen GmbH

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