Armes Deutschland?: AKTIV im Norden

Kommentar

Armes Deutschland?


Die Zahlen einer aktuellen Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sorgten für Aufsehen. „In Deutschlands Städten wächst die Armut“, meldete „Spiegel online“, und die „Welt“ titelte: „Jeder Vierte ist arm“.

Altersarmut, Kinderarmut, sogar „gefühlte Armut“ gelten hierzulande als bedrückende Zeichen einer ungerechten Gesellschaft, die die Bedürftigen vergisst, während die Reichen sich bereichern. Keine Frage: Armut in einem reichen Land ist ein bitteres Los. Manche sprechen von einem Skandal.

Aber: Was heißt eigentlich Armut? Man denkt zunächst an Menschen, die sich Lebensnotwendiges wie Wohnung und Nahrung nicht oder kaum leisten können. In der Praxis jedoch wird Armut bei uns ganz anders definiert, nämlich über das Einkommen. Wer weniger als 60 Prozent des Durchschnitts verdient, ist arm oder armutsgefährdet – selbst wenn er im eigenen Hause wohnt. Die Berechnung erzeugt also bei ständig wachsendem Durchschnittseinkommen immer mehr Arme, weil Menschen unter die 60 Prozent geraten, obwohl sie das gleiche Einkommen haben wie zuvor.

Arme verdienen unsere Solidarität, Armutsstatistiken verdienen hingegen unser Misstrauen. Denn, so ein Wissenschaftler, „der statistische Armutsbegriff bemisst nicht die Armut, sondern lediglich die Ungleichheit“.

Hinter der Armutsdebatte verbirgt sich oft die Frage, wie mit der wachsenden Zahl von armen Menschen umzugehen ist, die aus ihrer Hartz-IV-Situation nicht herauskommen und ihre prekäre Lage an die Kinder „vererben“. „Mehr Geld für alle“ ist jedoch keine Lösung, insbesondere wenn man bedenkt, dass der Sozialetat der größte Posten aller öffentlichen Haushalte ist.

Viel sinnvoller sind Erziehung, Bildung und Aufklärung, um diesen Menschen ein eigenverantwortliches Leben in Arbeit zu ermöglichen. Jeder Euro dafür ist gut angelegt!

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Schlagwörter: Politik Soziales

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