Zwei Fäuste für soziales Engagement

Starke Linke: Der 41-Jährige unterrichtet Männer, Frauen und Kinder im Boxsport. Foto: Lorenzcat
Gut in der Spur: Gabelstapler fahren gehört zu Karaboyuns täglicher Arbeit. Foto: Lorenzcat

Ali Karaboyun gießt morgens Blei und trainiert nachmittags den Kampfsport-Nachwuchs

Nordenham. „Nichts für Weicheier“, sagt Ali Karaboyun. Damit meint der 41-Jährige seinen Job als Arbeiter in der Blei-Raffination. Schweißtreibend, staubig und kräftezehrend. In einer großen Halle wird in zahlreichen Öfen das flüssige Metall von Verunreinigungen getrennt. Alle Arbeiter tragen Atemschutzmasken in der heißen, stickigen Umgebung. „Sicherheit“, so sagt Karaboyun, „ist bei uns das A und O.“

Seit 22 Jahren arbeitet Karaboyun schon in der Abteilung des Recycling-Unternehmens Weser-Metall. „Davon 16 Jahre im Schichtdienst, seit 6 Jahren in der Frühschicht“, erzählt er. Seine Arbeit in einem der modernsten Recycling-Unternehmen der Bleibranche gefällt ihm, obwohl sie oft beschwerlich ist. Aber Karaboyun hat ja einen sportlichen Ausgleich: Er boxt.

Seit seinem neunten Lebensjahr schnürt der türkischstämmige Deutsche die Boxhandschuhe. „Ich habe als Junge häufig mit Freunden auf dem Bolzplatz gespielt. Die haben mich einmal mit zum Boxen genommen. Seitdem bin ich dabei“, erzählt er.

Schon nach wenigen Monaten hatte der Junge seinen ersten Kampf, den er prompt verlor. Doch er blieb bei der Stange beziehungsweise im Ring und feierte in den Jahren darauf viele Erfolge. Bezirks- und Landesmeistertitel sammelte er wie andere Briefmarken. „In Wolfsburg habe ich sogar um die Norddeutsche Meisterschaft gekämpft, aber leider gegen den späteren Profiboxer Oktay Urcal verloren“, erinnert er sich.

Siege seien zwar prima, aber nicht das Wichtigste beim Boxen. „Die Hauptsache ist, dass du einen guten Kampf ablieferst, technisch und taktisch klug kämpfst und ausdauernd bist“, zählt er auf. Tugenden, die Karaboyun seit mehr als zehn Jahren auch seinen Schützlingen beibringt.

Im örtlichen Sportverein leitet er die Boxsparte mit über 70 aktiven Mitgliedern. Dreimal pro Woche leitet er nachmittags
das Training, an den Wochenenden begleitet er seine Kämpfer oft auf Turniere.

„Woher du kommst, spielt keine Rolle“

Seine ruhige Art kommt offenbar gut an. Vor allem bei solchen, die es schwer in der Gesellschaft haben. „Wir haben viele Ausländer, Aussiedler und Jugendliche mit fremden Wurzeln bei uns im Verein. Aber woher du kommst, spielt keine Rolle“, sagt Karaboyun. Diese praxisnahe Art der Integration hat sich herumgesprochen. Im vergangenen Jahr wurde der Nordenhamer sogar von Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister in Hannover empfangen.

Der hatte zur Festveranstaltung „50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen“ in die Landeshauptstadt geladen. Karaboyun war jedoch nicht nur dabei, er hat auch als einer der wenigen Gäste ein paar Sätze mit dem Ministerpräsidenten gewechselt. Ein guter Boxer kann sich eben auch auf einem solchen Parkett gut bewegen.

AKTIV im Norden Juli-Ausgabe 2012