Wie Philips die Allianz-Arena des FC Bayern erleuchtet: AKTIV im Norden

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Wie Philips die Allianz-Arena des FC Bayern erleuchtet

Es ist eine Szenerie wie aus einem Science-Fiction-Film: Im Dunkel des Münchener Nordens scheint gerade ein Ufo gelandet zu sein. Rot leuchtet seine rautenförmige Außenhaut, langsam changiert das Licht, wird fast weiß, erreicht ein metallisches Blau, ehe das ursprüngliche Rot wieder weithin sichtbar strahlt.

Beim Näherkommen wird klar: Natürlich ist kein Alien-Raumschiff am Rand der bayrischen Metropole gelandet – in Wahrheit handelt es sich bei dem futuristisch anmutenden Lichtspieltheater um ein Fußballstadion. Es ist die Allianz-Arena, Heimat des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München.

Seit 2005 steht der spektakuläre Bau, von manchen auch salopp als „größte Luftmatratze der Welt“ bezeichnet, am Autobahnkreuz München-Nord zwischen Flughafen und Stadtzentrum. Zehn Jahre später bekommt die Arena nun mit der neuen flächendeckenden LED-Fassadenbeleuchtung ein weiteres markantes Ausrufezeichen. Denn neuerdings kann sie nicht nur in Rot, Blau und Weiß erstrahlen, sondern in insgesamt 16 Millionen Farben.

Die Fahrer auf der Autobahn dürfen nicht geblendet werden

Das technische Equipment für die weltweit einzigartige Farbenpracht kommt aus Norddeutschland, vom FC-Bayern-Lichtpartner Philips, dessen Zentrale für Deutschland, Österreich und Schweiz sich in Hamburg befindet. Die Installation der neuen LED-Beleuchtung begann im Oktober 2014.

„Erste Gespräche haben wir schon 2013 geführt“, erinnert sich Roger Karner, Geschäftsführer von Philips Lighting. Dabei ging es vorrangig um Ästhetik- und Sicherheits-Aspekte, zum Beispiel darum, die Fahrer auf der nahe liegenden Autobahn nicht abzulenken.

„Zudem sollte die neue Beleuchtung auch das einzigartige architektonische Konzept der Arena unterstreichen“, so Karner. Und schließlich hatte der FC Bayern München als Stadion-Hausherr ganz konkrete Vorstellungen darüber, wie der Fußballtempel ins rechte Licht gerückt werden soll.

Österreichische Bergsteiger halfen bei der Montage

„Technisch gesehen gab es kaum Grenzen. Daher waren die beschriebenen Vorgaben für unsere Arbeit sehr wichtig“, sagt Philips-Projektleiter Andreas Rindt. Er war der Kopf des international besetzten Umrüstungs-Teams, das aus Lichtdesignern, Produkt- und Softwareentwicklern und Elektronikern sowie Monteuren und Fassadenkletterern bestand.

„Alle haben ihren Teil zum Gelingen beigetragen“, lobt der 51-Jährige. „Aber die österreichischen Bergsteiger hatten mit Sicherheit den aufregendsten Job.“

Die rund 300.000 LEDs, die auf 6.500 Philips-Spezialleuchten installiert wurden, mussten teilweise in schwindelerregenden 25 Metern Höhe eingesetzt werden. Das ging nur mit Industriekletterern.

2.760 Luftkissen bilden die größte Membranhülle der Welt

Die Fassade des Stadions besteht aus der größten Membranhülle der Welt. Exakt 2.760 Luftkissen bilden seine Außenhaut. 1.056 davon machen den für Fans und Passanten sichtbaren Teil der Hülle aus.

„Genau diese jeweils rund sechs mal vier Meter großen Rauten haben wir mit den LED-Lichtleisten ausgestattet“, erklärt Rindt. Insgesamt installierten die Monteure Leuchten auf einer Fläche von rund 26.000 Quadratmetern – das entspricht der Größe von dreieinhalb Fußballfeldern. Weil sich die Kissen nicht alle gleichen, mussten auch die LEDs individuell angebracht werden.

„Wir haben verschiedene Montagevorrichtungen gebaut und sie auf den Fluren der Arena zusammengefügt“, erzählt Projektleiter Rindt. Danach waren die Bergsteiger dran, sie mussten die Komponenten nach oben bringen.

Jede LED-Leiste wurde individuell eingesetzt, sodass sie das Licht auf die gesamte Oberfläche der Raute gleichmäßig streut. Nur so kann gewährleistet werden, dass ein homogenes Lichtbild entsteht und einzelne LEDs von außen nicht sichtbar sind.

Eine weitere Herausforderung war die Montage während des laufenden Stadionbetriebs. Rindt: „Der Betreiber konnte die geplanten Spiele ja nicht einfach wegen der Umrüstung absagen. Daher mussten wir in einzelnen Abschnitten von vier Rauten in der Breite und elf Kissen in der Höhe arbeiten.“

Und noch eine Hürde war zu nehmen: Das neue LED-Licht durfte sich während der Umrüstphase nicht vom alten Licht der Leuchtstoffröhren unterscheiden. Eine echte Herausforderung für die Techniker, die aber auch diese Aufgabe mit Bravour meisterten.

Karl-Heinz Rummenigge ist rundum zufrieden

Nach rund 100 Tagen war es geschafft – die Arena ist seither Europas größtes Stadion mit flächendeckender Außenbeleuchtung. Den Kunden freut’s. „Besucher und Fans erleben schon beim ersten Anblick der Arena die Emotion und Dynamik des Spiels“, schwärmt Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München. Vor allem das typische Vereins-Rot gefiel den Verantwortlichen und natürlich die Möglichkeit, das gesamte Farbspektrum darstellen zu können.

Wirklich das gesamte? Wohl nicht ganz, denn Gelb kommt im bayrischen Farbraum mit Blick auf den Ligakonkurrenten aus Dortmund (Vereinsfarben Schwarz-Gelb) nicht vor.


Grün, sparsam und langlebig

Foto: Werk
Foto: Werk
  • Groß: Die Allianz-Arena fasst rund 75.000 Fans. Sie ist etwa 250 Meter lang, 227 Meter breit und über 35 Meter hoch.
  • Vielfältig: Für den homogenen Gesamteindruck der Fassade sorgen 300.000 LEDs auf 6.500 Philips-Leuchten. Sie können zahllose Beleuchtungs-Szenarien darstellen. Unter anderem strahlt die Außenhaut zum irischen Nationalfeiertag St. Patricks Day in Grün.
  • Logistisch: Die Umrüstung war eine logistische Meisterleistung: 45 Tonnen Material, mehrere Hundert Steuerungskomponenten und 5 000 Meter Netzwerkkabel mussten angeliefert und verbaut werden.
  • Digital: Das System der LEDs ermöglicht die Ansteuerung von 300.000 Lichtpunkten in 16 Millionen Farben. Bildwiederholungsraten bis 40 Bilder pro Sekunde sind möglich.
  • Langlebig: Die LED-Lebensdauer beträgt 80.000 Stunden (53.000 Spiele ohne Verlängerung). Die zentrale Überwachung warnt vor möglichen Ausfällen von einzelnen LEDs.
  • Sparsam: Die Philips-Technologie ist rund 60 Prozent energieeffizienter als die bisherigen Leuchtstoffröhren. Pro Jahr spart sie so 100.000 Kilowattstunden Strom und rund 362 Tonnen CO2.

Technisch gesehen …

Wie funktioniert eine LED?

Noch vor einigen Jahren wurde sie lediglich als Leuchtanzeige in Elektrogeräten eingesetzt, nun verdrängt sie in einem rasanten Tempo Glühlampen, Leuchtstoffröhren und Halogenlampen. Kein Wunder, die Leuchtdiode (LED, Abkürzung für light emitting diode, deutsch: Licht emittierende Diode) ist klassischen Lichterzeugern haushoch überlegen: Sie produziert keine Wärme, ist sparsam und hält ewig.

Herzstück einer LED ist ein Kristall. Dieser hat, vereinfacht beschrieben, zwei entgegengesetzt geladene Schichten. Auf der einen Seite gibt es einen Mangel an Elektronen, auf der anderen einen Überschuss. Fließt Strom hindurch, geben die Elektronen ihre Energie in Form von Licht ab.

Vereisung macht ihr nichts aus

Bei diesem Vorgang wird die eingesetzte Strommenge fast komplett in Licht verwandelt. Bei Glüh- und Halogenlampen ist es genau umgekehrt, beide erzeugen in erster Linie Hitze. Gleichzeitig ist die LED sehr resistent gegenüber Temperaturschwankungen. Auch Vereisung macht ihr wenig aus.

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