Wie eine Mitarbeiterin von Alfa Laval zum Engel für Obdachlose wurde: AKTIV im Norden

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Wie eine Mitarbeiterin von Alfa Laval zum Engel für Obdachlose wurde

Hamburg ist eine reiche Stadt, aber die Zahl der Obdachlosen steigt. Fachleute gehen derzeit von über 3.000 Betroffenen aus. Doch sie sind nicht komplett auf sich allein gestellt: Es gibt Menschen, die sich um sie kümmern – mit viel Einsatz, ehrenamtlich und ohne langes Reden. Ganz hanseatisch eben.

Eine von ihnen ist Christiane Giese. Die frühere IT-Systemkauffrau, die heute im Innendienst der Vertriebsabteilung von Alfa Laval in Glinde arbeitet, ist seit Herbst 2014 in der Obdachlosenhilfe tätig.

2014 einen Spendenaufruf gesehen und sofort aktiv geworden

„Ich hatte damals eine Anzeige in der Zeitung gesehen“, erzählt sie. „Ein Spendenaufruf für Menschen, die auf der Straße leben. Da habe ich sofort ein paar Sachen zusammengesucht und einen der Helfer auf seiner Tour begleitet. Und dann bin ich einfach dabeigeblieben.“ Diese Schilderung spricht für die Bescheidenheit der 49-Jährigen, denn in Wahrheit ist sie nicht nur „einfach dabeigeblieben“, sondern hat gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten eine Initiative aufgebaut, die in dieser Form bundesweit ziemlich einmalig sein dürfte.

Einen Eindruck von dieser Arbeit bekommt man auf der Hamburger Reeperbahn. Hier baut Christiane Giese an jedem zweiten Wochenende im Monat mit den „Bergedorfer Engeln“ (bergedorfer-engel.de) und anderen Helfern einen Stand auf, an dem Essen ausgeteilt wird – nicht nur für die Menschen ohne Wohnung, sondern auch für deren Hunde. Das hat sich herumgesprochen, an vielen Tagen stehen so viele Hilfsbedürftige an, dass die Schlange bis zur nächsten Kreuzung reicht.

Auch ihr Mann packt an, um Menschen in Not zu helfen

Unterstützung bekommt Christiane Giese unter anderem von ihrem Mann, der vor seiner Pensionierung bei der Kripo war und heute ehrenamtlich fürs Rote Kreuz arbeitet. Er hilft ihr, wenn sie wieder mal auf Tour geht, um den Obdachlosen Suppe und Kleidung zu bringen.

Wenn man Christiane Giese fragt, wie sie das alles neben ihrem Job schafft, lacht sie. „Das frage ich mich manchmal selbst“, sagt sie. „Es hat wohl auch mit meiner Vita zu tun, ich komme aus einer Großfamilie mit zwei geistig behinderten Kindern. Aber ich empfinde den Einsatz gar nicht als Belastung. Helfen ist doch eine Selbstverständlichkeit, wenn Leute in Not sind.“

Das gilt auch für Flüchtlinge. Als 2015 fast eine Million Schutzsuchende nach Deutschland kamen, gehörte Christiane Giese zu den ersten Hamburgern, die sich aktiv engagierten. Eine afghanische Familie, die sie bis heute betreut, hat sie letztes Jahr zu Hause zum Weihnachtsfest eingeladen.


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