Wie ein Industriemechaniker zum Lebensretter wurde: AKTIV im Norden

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Wie ein Industriemechaniker zum Lebensretter wurde

An den Tag, an dem der Anruf kam, kann sich Kai Finnern (23) gut erinnern. „Morgens klingelte plötzlich mein Handy, und es meldete sich eine Mitarbeiterin der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS.“ Ihr Grund für den frühen Anruf: Eine junge Leukämie-Patientin brauchte schnellstmöglich Stammzellen, und bei der Suche nach dem passenden Spender hatte sich in der Datenbank ein Kandidat aus Schleswig-Holstein gefunden – Kai Finnern.

Kein Zufall, der junge Industriemechaniker von Danfoss Power Solutions in Neumünster hatte im Herbst 2011 an einer sogenannten Typisierung teilgenommen, bei der potenzielle Knochenmarkspender erfasst werden. Auslöser war die Leukämie-Erkrankung eines Mitschülers an der Berufsschule. Finnern: „Ein Lehrer hatte uns erzählt, dass man helfen kann, wenn man sich von der DKMS registrieren lässt.“

Zur Transplantation für mehrere Tage in die Uni-Klinik

Der Wahlstedter überlegte nicht lange, gemeinsam mit einem Freund meldete er sich an. „Das ging relativ schnell“, sagt er. „Mit einem Wattestäbchen wird ein Abstrich von der Mundschleimhaut genommen, der ausgewertet und in die Datenbank eingepflegt wird. Danach heißt es: Warten, ob man gebraucht wird. Manchmal passt nur einer von 10.000 Spendewilligen.“

In Finnerns Fall dauerte das Warten nur ein halbes Jahr. Mitte April 2012 kam ein Brief aus Tübingen, wo die DKMS ihren Sitz hat. Finnern: „Man teilte mir mit, dass ich grundsätzlich für eine Spende infrage käme, und fragte, ob ich weiterhin zur Verfügung stünde.“ Weitere Test und Arztbesuche folgten, bis alle erforderlichen Daten vorlagen. Dann kam der Anruf.

Der Krankenhaus-Aufenthalt für die Entnahme des Knochenmarks wurde auf den August 2012 terminiert. Finnern hatte also einige Wochen Zeit, seine Zusage zu überdenken, aber ein Rückzieher war für ihn kein Thema. „Für mich war klar: Wenn ich spenden kann, dann mache ich es auch. Sonst bringt die ganze Datenbank nichts.“

Eine Knochenmark-Transplantation verlangt dem Spender einiges ab. Die lebensrettenden Zellen werden entweder durch ein aufwendiges Dialyse-Verfahren oder durch eine Absaugung aus dem Beckenknochen gewonnen. Bei Kai Finnern war es das Becken.

„Die Entnahme fand in der Uni-Klinik Eppendorf statt“, erzählt er. „Unter Vollnarkose entnahmen die Ärzte mit einer großen Spritze etwa 1.000 Milliliter Knochenmark, die anschließend für die Infusion aufbereitet wurden. Ich konnte das Krankenhaus nach zwei Tagen wieder verlassen und war noch eine Woche krankgeschrieben.“

Danach hieß es wieder warten, denn das DKMS hat strikte Regeln. Als Spender erfährt man zunächst nicht, wer die aus dem Knochenmark gewonnenen Stammzellen erhalten hat. Erst nach Ablauf einer zweijährigen Anonymitätssperre ist eine Kontaktaufnahme zwischen Spender und Empfänger möglich – aber nur, wenn beide Seiten es wollen.

Und tatsächlich, irgendwann erhielt Kai Finnern einen Brief. Er kam von einer kleinen Anika aus Münster und war der erste Beleg dafür, dass die Behandlung erfolgreich war. Finnern: „Wegen der Anonymitätsgarantie war vieles geschwärzt, aber es war ein großartiges Gefühl, überhaupt Post von ihr zu bekommen.“

Im Oktober 2014 kam es zum ersten Treffen zwischen Spender und Empfängerin, und seitdem sind die beiden in regelmäßigem Kontakt. Am 30. März hat Anika Geburtstag, danach will sie mit ihren Eltern nach Wahlstedt reisen, um ihren Lebensretter wiederzusehen.

Seit Jahren Engagement beim Technischen Hilfswerk

Kai Finnern freut sich schon darauf. Und er hat bereits die nächsten Pläne. „Wir wollen in unserem Betrieb eine Typisierungsaktion durchführen lassen, um weitere potenzielle Spender für die DKMS zu finden.“ Die Chance, unter den rund 750 Mitarbeitern einen geeigneten Kandidaten zu finden, sind statistisch gesehen nicht so schlecht.

Das Engagement des jungen Industriemechanikers beschränkt sich aber nicht auf solche Aktionen. Er ist auch beim Technischen Hilfswerk tätig und organisiert seit vielen Jahren das Zeltlager der evangelischen Jugend seiner Heimatgemeinde.

Kein Wunder, dass andere Dinge da meist auf der Strecke bleiben. Für Sport, Kino oder ähnliche Hobbys ist kaum Zeit, aber das stört Kai Finnern nicht. „Kein Problem“, sagt er. „Ich freue mich immer, wenn ich helfen kann.“


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