Wie die Experten der Firma Winter 3D beim Umbau von Schiffen helfen: AKTIV im Norden

Maritime Technik

Wie die Experten der Firma Winter 3D beim Umbau von Schiffen helfen

Die Chinesische Wollhandkrabbe ist ein echter Überlebenskünstler. Obwohl das schmackhafte Schalentier in seiner asiatischen Heimat massiv dezimiert wurde, sind die weltweiten Bestände in den vergangenen Jahren stetig gewachsen – auch in den norddeutschen Gewässern. Grund dafür sind die Ballastwassertanks, mit denen große Schiffe bei Leerfahrt stabilisiert werden.

Was die Gourmets freut, ist Ökologen ein Dorn im Auge. Die exotischen Tiere und Pflanzen, die als blinde Passagiere die Ozeane überqueren, gelten als Schädlinge, weil sie hiesige Arten verdrängen. Deshalb schreiben neue Regeln vor, dass Schiffe ihr Ballastwasser reinigen, ehe sie es zurück ins Meer pumpen. Dafür müssen spezielle Anlagen installiert werden, die die fremden Organismen mit Filtern, Ozon oder Chemikalien unschädlich machen.

Die Nachrüstung ist eine komplexe Aufgabe, für die man versierte Spezialisten braucht – Unternehmen wie die Winter 3D-Konstruktions GmbH (W3D). Das Lübecker Ingenieur-Büro erstellt virtuelle 3-D-Modelle von Maschinenräumen und anderen Anlagen, mit deren Hilfe sich ermitteln lässt, wie beim Umbau der Schiffe am besten vorzugehen ist.

W3D hat in diesem Bereich viele Jahre Erfahrung und zählt zu den führenden Anbietern im deutschsprachigen Raum. Besonders stolz ist die 1968 gegründete Familienfirma auf ihre Beteiligung am Umbau der „Queen Elizabeth 2“.

Senior-Chef Gerd Hagemeister: „1986 musste die alte Dampfturbine gegen eine dieselelektrische Antriebsanlage ausgetauscht werden. Das Schiff lag auf der Lloyd Werft in Bremerhaven und sollte möglichst schnell wieder einsatzbereit sein. Wir haben die Pläne für den Umbau des Maschinenraums geliefert.“

Hagemeisters Sohn Jan bereitet unterdessen die Vermessung eines Schiffes vor, das seit einigen Tagen in Husum liegt. Die „Mai Lehmann“ ist 18 Jahre alt, 90 Meter lang und soll eine Ballastwasser-Reinigungsanlage bekommen.

Schon beim Betreten des Maschinenraums ist klar: Das wird keine leichte Aufgabe, denn die Verhältnisse sind beengt. Sehr beengt. Der wuchtige Schiffsdiesel (2.400 Kilowatt Leistung) nimmt jede Menge Platz ein, dazu kommen Dutzende von Leitungen, Rohren und Armaturen, die den Raum stellenweise zu einem Kletterparcours machen.

Der Scanner erfasst mehrere 100.000 Punkte pro Sekunde

Hagemeister sieht sich um und sagt: „Schwierig. Wenn der Platz noch nicht mal für das Abstellen der Gerätekoffer reicht, weiß man gleich, dass das nicht trivial wird.“

Umso wichtiger ist es, dass jedes Detail und jeder Winkel des Maschinenraums exakt erfasst wird. Winter setzt deswegen auf einen hochmodernen 3-D-Laserscanner, der pro Sekunde mehrere 100.000 Punkte abtastet und eine maximale Reichweite von 130 Metern hat.

Hagemeister arbeitet sich gemeinsam mit seiner jungen Kollegin Franziska Reimler Schritt für Schritt durch den Maschinenraum. Das Stativ mit dem Lasergerät wird dabei immer wieder versetzt, um sicherzustellen, dass das 3-D-Modell später keine toten Winkel enthält.

Und wie erreicht man, dass die einzelnen Aufnahmen später zu einem korrekten Gesamtbild zusammengesetzt werden können? Hagemeister öffnet einen Koffer und präsentiert den Inhalt: sechs unscheinbare weiße Bälle. „Referenzkugeln“, sagt er. „Sie werden an bestimmten Punkten im Raum positioniert, und zwar so, dass der Laser immer mindestens drei davon erfassen kann.“

Der Trick besteht darin, dass die Kugeln einen Durchmesser von exakt 145 Millimetern haben; der Laser weiß das und registriert die Kugeln sofort als Referenzpunkte. Wenn man dann später die verschiedenen Scan-Bilder wie bei einem Puzzle elektronisch zusammenfügt, kann sich das Grafiksystem an diesen Punkten orientieren.

Tausende von Schiffen müssen bald nachgerüstet werden

Mithilfe des fertigen 3-D-Modells werden die Winter-Konstrukteure anschließend austüfteln, wo die Reinigungsanlage für das Ballastwasser am besten installiert wird. Jan Hagemeister hat bereits eine Idee. „Wir müssen voraussichtlich einige Meter überbrücken, denn in der Ecke, in der die Rohre des Ballastwassertanks liegen, ist es zu eng. Man braucht ja später auch noch ein bisschen Platz zum Wechseln des Filters.“

Der 31-Jährige kennt sich aus, er war zehn Jahre lang in der Reederei-Branche tätig. Daher hat er auch keine Sorgen, dass dem 30-Mann-Betrieb in Lübeck die Arbeit ausgehen könnte.

„Das Ballastwasser-Thema wurde lange verdrängt“, sagt er, „aber jetzt müssen die Reeder handeln. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO hat ein entsprechendes Abkommen verabschiedet, das am 8. September 2017 in Kraft tritt. Das hat zur Folge, dass weltweit Tausende von Schiffen nachgerüstet werden müssen.“


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23556 Lübeck

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AKTIV im Norden Mai-Ausgabe 2017