Wie der Ventil-Spezialist Mankenberg Schüler für die Industrie begeistert: AKTIV im Norden

Nachwuchs-Arbeit

Wie der Ventil-Spezialist Mankenberg Schüler für die Industrie begeistert

Azra, 16, ist hoch konzentriert. Die Lübecker Schülerin steht mit einer Kunststoffbox in der Halle des Industriearmaturen-Herstellers Mankenberg und sucht Teile zusammen. Zwei Schrauben, zwei Muttern, eine Schelle. Sie werden gebraucht, um zwei Hohlkörper aus Edelstahl zu verbinden. Vier Azubis assistieren. Sie sind an diesem Morgen von der regulären Arbeit freigestellt, denn heute ist ein ganz besonderer Tag: zehn Jahre Spardosenrallye bei Mankenberg.

Geschäftsführer Axel Weidner begleitet die Tour. Auch für ihn ist dieses Jubiläum ein außergewöhnlicher Anlass, denn die Spardosenrallye ist mittlerweile zu einem echten Erfolgsmodell in Sachen Nachwuchsarbeit avanciert.

Viele Schüler kommmen später als Azubis wieder

Das Prinzip ist schnell erklärt. Weidner: „Unsere Azubis sind für die komplette Veranstaltung zuständig und trainieren so ihre Fähigkeiten in Organisation und Präsentation. Die Schüler wiederum haben die Chance, einen modernen Betrieb live und in Farbe zu erleben.“

Vor allem die Kombination von Theorie und Praxis sorgt für nachhaltige Effekte. Ausbilderin Maike Kohn: „Wenn die Schüler wieder nach Hause gehen, nehmen sie nicht nur ihre Spardose mit, sondern auch zahlreiche positive Eindrücke. Viele bewerben sich später auf Grund ihrer guten Erfahrungen um einen Ausbildungsplatz bei uns.“

Die Rallye beginnt mit einer kurzweiligen Präsentation, in der die Azubis das Unternehmen und seine Produkte vorstellen. Azra und ihre Mitschülerinnen aus der Klasse 9b der Heinrich-Mann-Schule hören aufmerksam zu, als Laura Dallmeyer erklärt, wie die Ventilkörper im Tiefziehverfahren aus einem unscheinbaren Stück Stahlblech geformt werden.

Besonders beeindruckt sind sie, als es um die Produkte des 1885 gegründeten Unternehmens geht. Pro Jahr, erklärt Azubi Ansgar Knade, werden hier rund 350.000 Bauteile und über 17.000 Ventile produziert. Viele sind Einzelanfertigungen, denn Mankenberg hat ein raffiniertes Baukastensystem entwickelt, das es ermöglicht, neben Standardprodukten kostengünstig kundenspezifische Sonderlösungen herzustellen.

„Stückzahl 1 ist unser tägliches Geschäft“, bestätigt Knades Kollege Philipp Verclas. „Wir haben alle wichtigen Verfahren wie Drehen, Fräsen, Schweißen und Tiefziehen im Haus und können so ganz individuelle Lösungen anbieten.“

Und damit die Schüler verstehen, wie das mit dem Tiefziehen eigentlich geht, verteilen die vier Azubis zwei Becher und Alufolie an alle Teilnehmer. Verclas dirigiert: „Die Folie zwischen die Becher legen und dann den oberen in den unteren Becher drücken. Was passiert? Richtig, wir bekommen einen Hohlkörper aus Leichtmetall. So einfach ist das.“ Die Vorführung beeindruckt, die Schüler machen mit.

Danach geht’s in die Werkhalle. Und spätestens hier wird klar, warum die Veranstaltung „Spardosenrallye“ heißt. Alle Schüler bekommen eine Stückliste in die Hand gedrückt und müssen aus dem Materialbestand verschiedene Teile zusammensuchen, die am Ende zu einer Spardose zusammengebaut werden. Die Produktion läuft unterdessen ganz normal weiter; die Mitarbeiter kennen das Prozedere bereits, und die Jugendlichen bekommen so einen unverfälschten Eindruck von der Arbeitswelt.

Das Konzept funktioniert, und es ist mittlerweile ein fester Programmpunkt für viele Schulen der Region. Axel Weidner: „In den zehn Jahren seit dem Start hatten wir bereits 128 Rallyes mit 2.541 Teilnehmern aus zwölf verschiedenen Schulen.“

Und Auszeichnungen gab es obendrein, unter anderem eine Ehrung im Rahmen der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ im Mai 2011. Ein Jahr später wurde Mankenberg von der Agentur für Arbeit als vorbildlicher Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet.

Den Geschäftsführer freut’s, denn auch in Lübeck zeigen sich längst die Effekte des demografischen Wandels. Weidner: „Wir haben eine Ausbildungsquote von über 10 Prozent. Wenn das so bleiben soll, müssen wir alles dafür tun, dass die Jugendlichen früh genug einen Zugang zu unserer Branche finden.“ Mit der Rallye hat man offenbar das passende Instrument dafür gefunden, denn viele Teilnehmer kommen nach dem Schulabschluss wieder, um eine Lehre in dem Unternehmen zu machen.

„War cool hier. Gar nicht so laut und dreckig, wie ich dachte“

Eine spontane Befragung unter den Schülern, die gerade aus der Produktion zurückkehren, bestätigt das. Einer sagt: „War cool hier. Gar nicht so laut und dreckig, wie ich dachte. Würde mir auch Spaß machen.“

Die Bilanz der zehn Rallye-Jahre wäre allerdings unvollständig, wenn die Aktion im Jahr 2007 unerwähnt bliebe. Damals lieferte Mankenberg 128 Spardosen für eine große Unicef-Spendenaktion in Lübeck. Am Ende kam eine Summe von 340.000 Euro zusammen.


Begegnung mit …

Foto: Augustin
Foto: Augustin

Dominic Koschke: Eishockey und Hip-Hop

Dominic Koschke, der gerade erst seinen 26. Geburtstag feierte, ist bereits ein alter Hase in Sachen Spardosenrallye. Er war schon mehrere Male dabei und findet das Projekt „richtig klasse“.

Der gebürtige Scharbeutzer ist über einige Umwege bei Mankenberg gelandet. Eigentlich wollte er Koch werden, aber kurz vor Ausbildungsende erkrankte er so schwer, dass ein längerer Klinikaufenthalt erforderlich wurde. Als danach die Weichen neu gestellt werden mussten, kam er über ein Praktikum zu Mankenberg.

Koschke ist ein vielseitiger Mann. In seiner Freizeit spielt er Eishockey und macht Musik. Seine Hip-Hop-Stücke sind teilweise auch auf Youtube zu sehen und erfreuen sich dort großer Beliebtheit. Momentan bleibt für solche Dinge allerdings nicht viel Zeit, denn er ist gerade Vater einer Tochter geworden.

Mein Job

Wie kamen Sie zu Ihrem Job?

Ein Freund von mir arbeitete dort und erzählte davon. Das klang sehr interessant. Nach einem Praktikum klappte es dann auch mit der Lehrstelle.

Was gefällt Ihnen besonders?

Das Betriebsklima ist toll, ich fühle mich sehr wohl hier. Den Kollegen geht es ähnlich, glaube ich. Und die Arbeit mit Metall ist faszinierend.

Worauf kommt es an?

Man sollte vor allem Spaß an technischen Dingen haben. Und exaktes Arbeiten ist wichtig.

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