Wettkampf im Matsch ? und viele Industrie-Mitarbeiter sind dabei: AKTIV im Norden

„Die härteste Sau von Heidenau“

Wettkampf im Matsch – und viele Industrie-Mitarbeiter sind dabei


Wenn Sportler Tiernamen bekommen, handelt es sich oft um harte Kerle: Berti Vogts war der „Terrier“ und Marc Wilmots das „Kampfschwein“ . Wenn eine Frau – als Auszeichnung! einen Tiernamen bekommt, dann handelt es sich um den Wettkampf „Die härteste Sau von Heidenau“. Dort gehen neben harten Kerlen auch Frauen an den Start. Im Oktober war es wieder so weit.

Als Debütantin wagte sich diesmal die Hamburgerin Sonja Blumenberg (28), auf den schlammigen Parcours. Ihr ehrgeiziges Ziel: der zweimaligen Gewinnerin Anke Möller den Titel-Hattrick verwehren.

Die Idee zu dem skurrilen Kräftemessen hatte ein Mitarbeiter der norddeutschen Metall- und Elektro-Industrie: Carsten Löll, Meister in der Instandhaltung von Mercedes-Benz in Hamburg. Seit 2009 kürt er „Die härteste Sau von Heidenau“, eine echte Kämpfernatur. „Die Idee ist in der Kneipe entstanden“, sagt er.

Rund um einen kleinen See in der Nordheide hat Löll auch diesmal wieder mit seinen Helfern einen 2.500 Meter langen Rundkurs gebaut, der jedem Bundeswehr-Schleifer Freudentränen in die Augen treiben würde. Ein Bagger war angerollt, um ein Matschloch auszuheben. Und ein Bauer brachte Strohballen, aus denen sich mit etwas bösem Willen fiese Hindernisse bauen lassen. Aber Löll ist fair – er läuft wie immer selbst mit. Von einem Maisacker aus führt der Kurs in den Wald. Der verschlungene Weg erschwert das Überholen.

Zum Glück spielt das Wetter mit, es ist relativ warm für die Jahreszeit. Vorne setzen sich die Ersten ab, es wird Tempo gemacht. Löll hatte recht, als er vor dem Start das Teilnehmerfeld einschätzte. Sein Fazit: „Es wird ernsthafter. In den ersten Jahren war es noch Fun, wir wollten uns austoben. Jetzt kommen auch richtig schnelle Läufer aus dem Leistungssport. Die sind voll austrainiert und wollen es wirklich wissen.“

Diejenigen, bei denen der Spaß an erster Stelle steht, sind immer noch da und leicht zu erkennen: Schräg kostümiert laufen sie als Biene Maja oder starker August mit.

Doch selbst in Maskerade ist der Lauf in Heidenau kein Spaß-Event. „Wer das hier durchsteht, dem gebührt Respekt“, sagt Rolf Michael Lohmann, der mit vier anderen Läufern aus der SG Stern von Mercedes- Benz teilnimmt. Auch Betriebssportler der Firmen Still und Airbus sind dabei, viele kennen sich seit Jahren. Die Cracks hasten aus dem Wald hinunter in den See. Bis zu den Oberschenkeln versinken sie im Wasser, durch das sie 50 kraftraubende Meter waten müssen. Nichts für Warmduscher, der See hat maximal 13 Grad Celsius. Vom Ufer aus schlängelt sich die Strecke durch den Wald und führt auf eine offene Wiese. Einfacher wird’s trotzdem nicht.

In der Nacht zuvor hat es geregnet, nun lauern im glitschigen Gras tückische Tümpel. Als Nächstes wartet auf Lölls Höllenkurs die „Beachparty“, ein Zickzack-Kurs durch den Sand, der den Läufern alles abverlangt. Danach sprüht die Heidenauer Feuerwehr eine kalte Wasserwand über den Weg.

Dann kommt das Matschloch: Ein Gitter zwingt die Läufer in die Knie, auf allen Vieren robben sie durch den Morast. Durchnässt, frierend und erschöpft schleppen sich die Ersten einen steilen Hang hinauf und erreichen den Start-Ziel-Einlauf. Geschafft haben sie bis dahin aber nur eine Runde, das Rennen dauert zwei Stunden.

Also heißt es: Zurück auf Los. Gewonnen hat, wer die meisten Runden läuft. In diesem Jahr ist das ein Teilnehmer aus Hepstedt: Marius van Wijtick schafft neun Runden und ist damit offiziell die „härteste Sau aus Heidenau“. Rolf Michael Lohmann kommt als 57. ins Ziel – erschöpft, aber glücklich.

Bei den Frauen sorgt Sonja Blumenberg am Ende für eine Überraschung: Unerwartet erhöht sie noch mal das Tempo und zieht an der Favoritin Anke Möller vorbei. Mit sieben Runden verweist sie die Vorjahressiegerin auf den zweiten Platz.

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