Wer von einem Mindestlohn auf jeden Fall profitiert: AKTIV im Norden

Ohne Wenn und Aber

Wer von einem Mindestlohn auf jeden Fall profitiert

Was meinen Sie, liebe Leser: Wer würde von der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns am eindeutigsten profitieren? Drei Mal dürfen Sie raten.

  • Natürlich die, deren Lohn dann steigen würde – das drängt sich jedenfalls spontan als Antwort auf. Da gibt es aber einen Haken: Viele Arbeitsplätze sind nicht produktiv genug, um den höheren Lohn zu erwirtschaften. Der Betrieb kann oftmals auch keine Preisanhebungen durchsetzen und so den Arbeitsplatz rentabler machen. Und so fällt er im Zweifel weg. Verschiedenen Studien zufolge würde es sich bei 7,50 Euro Mindeststundenlohn um 800 000 bis 1,2 Millionen Stellen handeln.
  • Zumindest der Deutsche Gewerkschaftsbund meint, dass die Staatskassen profitieren würden: Wer mehr verdient, zahle ja mehr Steuern und Abgaben und empfange weniger Sozialleistungen. Doch das setzt eben in unrealistischer Weise voraus, dass ein Mindestlohn keine Jobverluste bewirkt – und es unterschlägt, dass Lohnkostensteigerungen geringere Ertragssteuern der Unternehmen bewirken. Hier werden also relevante Teilwirklichkeiten ausgeblendet.
  • Würde dann vielleicht die Wirtschaft insgesamt angekurbelt? Mindestlohn sozusagen als Konjunkturspritze? Auch hier gilt zu beachten: Was für die einen mehr Einkommen mit der Wirkung steigender Nachfrage ist, sind für die anderen höhere Kosten. Die werden entweder abgewälzt durch Stellenabbau oder steigende Preise, oder sie erzeugen Kaufkraftverluste auf Seiten der Unternehmen und weniger Nachfrage etwa nach Investitionsgütern.

Wem ein gesetzlicher Mindestlohn eher gut täte, wären die Gewerkschaften, die sich seit langem dafür einsetzen. Erfolgserlebnisse stärken das Selbstvertrauen, fördern das Image, helfen bei der Mitgliederwerbung. Zudem entstünde Druck von unten auf die Tariflöhne. Das wären aber eher „gefühlte“ Effekte.

Nun aber des Rätsels Lösung: Eindeutig und unzweifelhaft profitieren würden die Rentner. Ob der Mindestlohn Arbeitsplätze vernichten würde oder nicht – die Renten stiegen so oder so. Denn sie richten sich, so steht es im Gesetz, nach der Entwicklung der Bruttolöhne.

Dass diese im Schnitt steigen, wenn die unteren Löhne angehoben werden, ist klar. Aber ihr Niveau steigt eben gerade auch dann, wenn Stellen im Niedriglohnbereich verloren gehen. Es ist wie in einer Schulklasse: Wenn die Schwächsten sitzengeblieben sind, werden sie bei der Ermittlung des Noten-Schnitts nicht mehr mitgezählt. 


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