Warum weitere Einschnitte bei der Zeitarbeit nicht sinnvoll sind: AKTIV im Norden

Kommentar von Nico Fickinger

Warum weitere Einschnitte bei der Zeitarbeit nicht sinnvoll sind

Elternzeit: Toll für Väter, aber schwierig für die Personalplanung der Betriebe. Foto: dpa

Zeitarbeit galt vor vielen Jahren noch als Schmuddelbranche. Doch dieses Negativ-Image haben die Personaldienstleister lange abgelegt und sich zu ganz normalen, in mancher Hinsicht sogar zu Vorzeige-Arbeitgebern entwickelt.

Zugegeben: Politik und Gewerkschaften waren daran nicht unbeteiligt. So hat der damalige „Superminister“ Wolfgang Clement die Zeitarbeit von vielen Fesseln befreit. Das Gegengeschäft aber war, dass sich die Branche flächendeckend tarifvertraglich organisieren musste. Ergebnis: eine Tarifbindung von fast 100 Prozent. Davon können die Gewerkschaften in anderen Branchen nur träumen.

Dann kam die ehemalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Sie signalisierte den Sozialpartnern, dass man die Zeitarbeiter gerne noch etwas besser vergütet sähe. Ergebnis: Branchenzuschläge, die Zeit- und Stammarbeitskräfte beim Einkommen nahezu gleichstellen.

Wer aber glaubt, die Politik würde sich nun endlich zufrieden zurücklehnen, der irrt. Auch die Große Koalition hat ihren Frieden mit der Zeitarbeit nicht gemacht. Sie will der Branche jetzt sogar eine Schrumpfkur verordnen und plant ein Gesetz, nach dem ein Zeitarbeitnehmer maximal 18 Monate in einer Firma eingesetzt werden darf.

Nun kennen wir alle die Realität in unserer Metall- und Elektro-Industrie: Viele Projekte oder Produktentwicklungen, für die man externe Fachkräfte und Ingenieure benötigt, brauchen mehr Zeit. Auch eine Elternzeitvertretung dauert oft länger als 18 Monate.

Und wer – wie die aktuelle Regierung – mehr Auszeiten für Pflege, Erziehung und Weiterbildung fordert, erhöht auch damit den Bedarf für Zeitarbeit. Denn die Personallücken müssen ja geschlossen werden.

Vor allem aber schadet die Regierung vielen Benachteiligten, für die Zeitarbeit oft der einzige Weg in einen Job ist. Und sie macht die Betriebe weniger beweglich und gefährdet dadurch sogar Stammarbeitsplätze.

Solidarität geht anders, möchte man der Politik zurufen: Sägt bitte nicht an dem Ast, auf dem so viele Kollegen sitzen!


Der Autor

Nico Fickinger ist Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord, die „AKTIV im Norden“ möglich machen.

Diskutieren Sie mit ihm: nordwort@aktivimnorden.de

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Schlagwörter: Zeitarbeit
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