Wachstum, Wachstum ohne Grenzen?: AKTIV im Norden

Nord-Wort

Wachstum, Wachstum ohne Grenzen?


Aktuelle Überlegungen zu einer alten Grundsatzfrage

Die Grenzen des Wachstums“ hieß ein preisgekröntes Buch des sogenannten Club of Rome in den 70er-Jahren, das für viele Menschen die Bibel ersetzte. Allerdings ist die Prophezeiung vom Ende der Rohstoffe (und damit verbunden der Bevölkerungszunahme) bisher nicht Wirklichkeit geworden. Denn der Mensch mit seinem Erfindergeist hat die Probleme des Rohstoffmangels bislang noch immer gemeistert.

Dieser Tage befasst sich eine Enquete-Kommission des Bundestags („Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“) mit dem Sinn oder Unsinn weiteren Wirtschaftswachstums. Einige Politiker und Kirchenmänner sehen das Wachstumsstreben kritisch, es führe zu Dauerstress und zu Entfremdung von menschlichen Urbedürfnissen – wie Gemeinschaft, Muße, Geborgenheit und familiärem Glück. Und es sei schließlich auch schädlich für die Umwelt.

Ein Reisbauer in Bangladesch oder ein Taxifahrer in Neu-Delhi würden diese Debatte wohl fassungslos verfolgen. Ohne ihr tägliches Trachten und Schuften nach mehr, nach Wachstum also, könnten sie sich und ihre wachsenden Familien nicht ernähren. Wenn sie aufhören wollten mit dem Wachstum, wäre das das Ende ihrer Existenz.

Die etwas abgehobene Wachstumskritik ist also eine Luxusdiskussion, die in den hoch entwickelten Ländern quasi am wärmenden Kamin mit einem ins­pirierenden Glas Rotwein geführt wird. Sie ist ein Produkt des durch Wachstum geschaffenen Wohlstandes. In den Aufbaujahren unserer Republik wäre sie undenkbar gewesen.

Das ist sie auch für viele Menschen, die ihr Auto, ihre Möbel, ihr Häuschen abzahlen müssen und auf stabiles oder wachsendes Einkommen angewiesen sind. In einem Betrieb, der im Wettbewerb bestehen muss – durch Wachstum! Die Industrie mit ihrem Fleiß und ihrem Wachstum hat Deutschland durch die Krise geführt. Griechenland, ohne Industrie und ohne Wachstum, erlebt das Gegenteil.

 

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