Vor der nächsten Reformwelle: AKTIV im Norden

Leitartikel

Vor der nächsten Reformwelle

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe

„Die Veränderungen vornehmen, die notwendig sind, um wieder an die Spitze in Europa zu kommen“: So kündigte der ­damalige Kanzler Gerhard Schröder am 14. März 2003 die „Agenda 2010“ an. Viele glaubten damals, das schaffen wir nie. Zehn Jahre später ist die Stimmung in die andere Richtung gekippt: Wir denken jetzt, es wäre alles paletti.

„Die überwältigende Mehrheit befürchtet nicht, dass schmerzhafte Reformen anstehen könnten“, berichtete kürzlich das Meinungsforschungsinstitut Allensbach. Staatshaushalt im Lot, Beschäftigung auf Rekordhoch, Export auch – und kochen die anderen nicht auch bloß mit Wasser? Sind nicht zum Beispiel die Chinesen vor Jahren mit ihrer Automarke Landwind spektakulär beim ADAC-Crashtest durchgefallen?

Stimmt schon – aber sie sind wieder da. Ihre Marke Qoros sorgt dieser Tage auf dem Genfer Automobilsalon für Aufsehen. Dahinter stehen auch israelische Partner, ehemalige BMW- und VW-Manager sowie als Zulieferer Bosch, Continental und Microsoft.

Japan sorgt ebenfalls für Schlagzeilen – das Hightech-Land zieht mit aggressiver Niedrigzinspolitik den Yen-Kurs runter und verbilligt so den eigenen Export. Europas Süden erlebt gerade ein historisches Kostensenkungsprogramm. Und Amerika steuert mit der Entscheidung, in großem Stil in Schiefergestein verstecktes Öl und Gas zu fördern, auf „extrem niedrige Energiepreise“ und eine „massive Re-Industrialisierung“ zu, mahnt ­Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie.

Die „Standort-Debatte“ beginnt gerade neu. Aber immerhin wissen wir jetzt: Wir können erfolgreich gegenhalten.


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