Unter Strom: AKTIV im Norden

Reportage

Unter Strom


In Nordenham steht die letzte Zinkhütte Deutschlands

Es ist nur ein Rinnsal, ein silberfarbenes Bächlein, das munter vor sich hin plätschert. Fast ist man versucht, hineinzugreifen und mit der Flüssigkeit zu spielen, aber das würde der Hand nicht gut bekommen. Was so harmlos aussieht, ist über 450 Grad heißes Zink auf dem Weg vom Ofen in die Gussform.

Nordenham, eine Kleinstadt am Westufer der Wesermündung: Hier betreibt der Bergbaukonzern Xstrata die letzte Zinkhütte Deutschlands. 145.000 Tonnen Feinzink und Legierungen werden in dem Werk jährlich produziert, fast ein Drittel des gesamten Inlandsbedarfs.

Möglich ist diese hohe Produktivität nur, weil die seit 1908 aktive Hütte immer wieder modernisiert wurde. Betriebsdirektor Piet Scheeren erklärt: „Anfang der 70er-Jahre wurde komplett umgebaut und von herkömmlicher Ofentechnik auf Elektrolyse umgestellt. Bis dahin wurde mit ‚liegenden Muffeln‘ gearbeitet.“

„Liegende Muffel“ – das klingt irgendwie gemütlich, war aber für die Hüttenwerker knochenharte Arbeit bei hohen Temperaturen. Sie mussten Zinkerz und Koks in spezielle Tonröhren füllen und im Ofen auf über 1.300 Grad erhitzen. Danach wurde das flüssige Zink manuell abgestochen.

Von alledem ist heute bei Xstrata nichts mehr zu sehen. Der entscheidende Vorgang, das Herauslösen des Metalls aus dem angelieferten Erz-Rohstoff, findet in riesigen Becken statt, die bis zur Oberkante mit einer Schwefelsäure-Lösung gefüllt sind.

Blick in den Höllenschlund

Bis dahin ist es ein weiter Weg über das Werkgelände. Erste Station ist die Zinkkonzentrat-Halle, in der das aufbereitete Erz aus Australien, Südafrika und Alaska zwischengelagert wird. Betriebs­direktor Scheeren: „Unsere Leute haben ein so gutes Auge, dass sie an den Farbnuancen sehen könnten, woher das gemahlene Erz-Pulver stammt.“

Die Verarbeitung beginnt in der Wirbelschicht-Röstanlage. Hier wird das Erz auf 950 Grad erhitzt. Scheeren öffnet behutsam eine kleine Ofenklappe und gestattet einen Blick in den wirbelnden Höllenschlund: „Der Vorgang läuft ohne Brennstoff ab, weil der im Konzentrat enthaltene Schwefel bei der Reaktion mit Sauerstoff genug Energie liefert.“

Positiver Nebeneffekt: Beim Reinigen der Ofen-Abgase fällt Schwefeldioxid an, das anschließend per Katalysator in Schwefelsäure umgewandelt wird. Und die ist ein ideales Lösungsmittel für das geröstete Erz-Konzentrat. Deswegen also die großen Stahlbehälter auf dem Gelände. Aus ihnen wird die Schwefelsäure gezapft, mit der das geröstete Material zu einer metallhaltigen Brühe zusammengerührt wird. Die muss jetzt nur noch gereinigt werden, und dann geht es ab in die Bäderhalle.

Das Gebäude heißt wirklich so, denn hier befinden sich die Bassins, in denen die Elektrolyse abläuft. Scheeren erläutert das Prinzip: „In jeder Elektrolysezelle hängen plattenförmige Elektroden. Die negativ geladene besteht aus einem Alu-Blech. Sobald Gleichstrom angelegt wird, bewegen sich die geladenen Zink-Teilchen aus der Flüssigkeit auf dieses Blech zu, geben ihre Ladung ab und bleiben haften.“

Der Vorgang ist sehr energie­intensiv. Pro Jahr verbraucht das Werk 0,6 Terawattstunden Strom, also 600 Millionen Kilowattstunden – so viel wie die Stadt Oldenburg.

Zink stärkt die Abwehrkräfte

Den Rest der Arbeit erledigen sogenannte Strippmaschinen. Sie trennen das Zink ab und machen aus der Kathode wieder eine nackte Aluminium-Platte. Bei insgesamt 18.480 Platten sind die Maschinen gut beschäftigt, sie laufen meist rund um die Uhr.

In drei Schichten wird auch in der Umschmelzanlage gearbeitet. Hier wird das Zink in Formen gegossen, ehe es in den Versand geht.

Und wofür braucht man Zink? Geschäftsführer Carl von Dyken zeigt auf den Werkparkplatz: „Vor allem für den Korrosionsschutz. Autobleche etwa werden durch Verzinkung vor Rost geschützt. Außerdem benötigt man Zink für Legierungen und für die Produktion von Druckgussteilen.“

Übrigens: Zink hilft auch dem Menschen. Es ist unter anderem in Babycremes enthalten. Und im Winter stärkt es die Abwehr. Die empfohlene Dosis liegt bei 15 Milligramm pro Tag.

Clemens von Frentz

 

Artikelfunktionen


Unternehmen in diesem Artikel

Xstrata Zink GmbH Hütte Nordenham

Map
Xstrata Zink GmbH Hütte Nordenham
Johannastraße 1
26954 Nordenham

Zum Unternehmensfinder
Neueste ArtikelBeliebteste Artikel

Leser-Feedback