?Unser Erfolg lockt die Konkurrenz?: AKTIV im Norden

Interview

„Unser Erfolg lockt die Konkurrenz“

Engagiert: Bereits seit 2012 ist Thomas Lambusch Verhandlungsführer in Tarifrunden. Foto: Glaeser

Rostock. Während sich die Politik über neue Rekord-Steuereinnahmen freut, machen sich Industrievertreter Gedanken, wie lange die Quellen noch sprudeln. Der Unternehmer Thomas Lambusch, seit November 2013 Präsident des Arbeitgeberverbands Nordmetall, ist stolz auf die Produkte und Ideen der Metall- und Elektro-Industrie (M+E). Er mahnt aber auch zur Achtsamkeit: Je erfolgreicher wir sind, umso mehr wollen davon etwas abhaben!

Die Metall- und Elektro-Industrie bezeichnet sich als „Herz der Wirtschaft“. Sind Sie mit dem Puls zufrieden?
Insgesamt ja. Die meisten Unternehmen haben gut zu tun und sichern unserer Industrie einen Spitzenplatz in der Welt. Die Zahl der Mitarbeiter in den M+E-Unternehmen liegt heute über dem Wert vor der Krise 2008. Allerdings könnte es mehr Aufträge und eine bessere Kapazitätsauslastung geben. Da liegen zwei Jahre der Stagnation hinter uns.

Was macht Ihnen da Sorge?
Nun, unsere industriellen Arbeitskosten liegen bei 37 Euro pro Stunde. Deutschland ist damit einer der teuersten Industriestandorte weltweit. Teurer als die USA, Kanada und Japan, aber auch teurer als die Niederlande, Schweden und Polen. Wenn die Produktion stagniert, die Beschäftigung aber steigt, dann gehen die Lohnstückkosten hoch. Das ist ein ganz wichtiger Gradmesser für internationale Wettbewerbsfähigkeit. Und die ist für uns überlebenswichtig.

Aber „made in Germany“ ist doch erfolgreicher denn je …
Längst sind nicht mehr alle Produkte deutscher Unternehmen zu 100 Prozent „made in Germany“. Das könnten wir uns gar nicht leisten. Aber mindestens die Idee, das Engineering und wichtige Hochtechnologie muss weiterhin von hier kommen. Das bedeutet aber: Nicht stehen bleiben, weiter erfinden, Vorsprung halten und nicht zu teuer werden! Auch 100 Jahre nach den Herren Daimler und Siemens kommt es immer noch auf die Cleverness an.

Wer ist uns auf den Füßen?
Viele. Erfolg lockt immer Konkurrenz an. Nehmen Sie die Südeuropäer, die sich nach der Euro-Krise wieder hochrappeln wollen. Die machen mit niedrigen Preisen richtig Druck. Oder die Chinesen, die längst keine verlängerte Werkbank mehr sind, sondern selbst Maschinen, Autos, Flugzeuge entwickeln. Und auch völlig neue Konkurrenten wachsen heran.

An wen denken Sie dabei?
Mich hat die Nachricht nachdenklich gemacht, dass Google einen Thermostathersteller gekauft hat. Welche Branchen kommen als nächste ins Visier der Internet-Konzerne mit ihren gefüllten Geldspeichern? Ist das Auto auch nur ein „mobiles Endgerät“ für Software? Strukturwandel gab es immer. Man muss vorbereitet sein.

Heißt das: Das Herz der Wirtschaft ist in Gefahr?
Ein leistungsstarkes Herz, das regelmäßig gecheckt wird und im Training bleibt, hat auch künftig gute Chancen auf Medaillenplätze. Aber Politik, Verbände, Gewerkschaften, alle sind aufgerufen, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu erhalten. Schließlich hängt jeder dritte Arbeitsplatz in Deutschland an der industriellen Wertschöpfung.

Wie kann das gelingen?
Wir dürfen uns nicht ausruhen, nicht nur ans Verteilen denken, sondern ebenso auf die Erfolge anderer schauen und uns manches abgucken. Bleiben wir mal bei der Software: Der Einsatz in Produkten ist schon sehr weit: Autos, Flugzeuge, Schiffe, Maschinen sind computerisiertes Hightech. Aber der Einsatz von Software in der Produktion lässt noch zu wünschen übrig. Wichtig ist auch, dass unsere Mitarbeiter die besten Fachkräfte der Welt bleiben.

Einige von ihnen sollen künftig wieder früher in Rente gehen dürfen …
Die Renten-Pläne sind ein Desaster. Wir waren so erfolgreich, die Zahl der Älteren in unseren Belegschaften wieder zu erhöhen – seit dem Jahr 2000 ist der Anteil der über 60-Jährigen um 150 Prozent nach oben gegangen. Die Bundesregierung dreht das Rad der Geschichte wieder zurück. Das ist unfair, schon für die heutigen Beitragszahler, und macht aus armen Rentnern auch keine bessergestellten.

Ihr Gegenvorschlag?
Die Leute nicht nach Hause schicken. Über die Hälfte der Beschäftigten in unserer Industrie wollen keine Frühverrentung mehr. Auch die Zahl derer, die als Rentner in Deutschland arbeiten, hat sich innerhalb von 20 Jahren verdoppelt. Darauf sollten Arbeitgeber setzen, wenn sie sich Gedanken machen über den demografischen Wandel. Die Verbände helfen dabei, mit Demografieberatern, Projekten zum betrieblichen Gesundheitsmanagement und mit unseren vielen Projekten zur Nachwuchssicherung.


Zur Person

Foto: Werk
Foto: Werk

Thomas Lambusch kennt die Metall- und Elektro-Industrie seit fast 30 Jahren. Er war lange Manager bei Siemens, seit 2005 ist er Inhaber und Chef der SEAR GmbH in Rostock. Das Unternehmen hat 180  Mitarbeiter, liefert Zubehör für Kraftwerke und baut mit an Umspannplattformen.

Lambusch ist Vater von fünf Töchtern und lebt in Mecklemburg-Vorpommern.

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