Technik für Schiffe und maritime Anlagen in aller Welt kommt aus Kaltenkirchen: AKTIV im Norden

Es werde Licht an Bord

Technik für Schiffe und maritime Anlagen in aller Welt kommt aus Kaltenkirchen


Wer die Entstehung des ungewöhnlichen Namens Wiska Hoppmann & Mulsow ergründen will, muss einen Blick in die Firmenchronik werfen. Dort ist zu lesen, dass der Betrieb von zwei Technikern gegründet wurde, die zuvor bei Blohm & Voss gearbeitet hatten. Ihre Namen: Wilhelm Hoppmann und Hermann Mulsow. Den Kollegen Wiska sucht man dagegen vergebens, denn den gab es nie. Das Wort ist vielmehr eine Abkürzung für „wasserdichte isolierstoffgekapselte Kabelarmaturen“.

Die gute alte Morselampe ist jedem Smartphone überlegen

In den 94 Jahren, die seit der Gründung vergangen sind, ist aus dem Betrieb zur Fertigung von Installationsmaterial ein weltweit tätiges Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern geworden. Geändert hat sich auch der Firmensitz – Wiska zog 1969 von Hamburg nach Kaltenkirchen um. Das alte Werk war einfach zu klein geworden, da der Betrieb immer neue Produkte für seine Schiffbau- und Industrie-Kunden entwickelte.

Einer der Bestseller aus Wiskas Licht-sparte ist der SW 400/1000, ein Scheinwerfer mit Halogenbirne und einer Leistung von 1.000 Watt. Azubi Jan-Ole Rathmann hat gerade ein Exemplar auf den Prüfstand gehievt, um mithilfe einer riesigen Linse den Fokus des Spots zu justieren.

Auf der Wand gegenüber erscheint ein kleiner, intensiver Lichtfleck – ganz so wie damals, als man in Kindertagen Sonnenstrahlen mit einer Lupe bündelte, um ein Stück Papier anzuzünden. Rathmann grinst. „Hier ist es ähnlich. Halten Sie Ihre Hand mal in den Lichtstrahl, dann merken Sie, wie warm es wird. Mit unserem 2.000-Watt-Modell könnten wir auf diesem Prüfstand sogar ein kleines Brandloch in Ihre AKTIV im Norden schießen.“

Auf dem Nachbartisch liegen einige Scheinwerfer, die deutlich handlicher sind. „Morselampen“, sagt Fertigungsleiter Reinhold Sylvester. „Bis heute gibt es auf nahezu jedem Schiff der Welt eine Morselampe, denn selbst das smarteste Smartphone nutzt einem nichts, wenn man nach einem Schiffbruch auf hoher See treibt und kein Funknetz hat.“

Um ganz andere Produkte geht es in der Nachbarhalle. Montage-Leiter Ingo Schmidt klopft auf eine unscheinbare Blechkiste, die gerade mit elektrischen Bauteilen bestückt wird. „Das ist eine Mehrfachsteckdose für Kühlcontainer“, erklärt er. „Die bauen wir schon seit den 90er-Jahren, aber dieses neue Modell ist noch leichter zu bedienen. Einfach Stecker rein und fertig. Früher brauchte man dafür mehrere Handgriffe.“

Die Geräte werden unter dem Namen „Varitain“ vermarktet. Auf dem Schiff sorgen sie dafür, dass die Kühlcontainer ohne Komplikationen an die bordeigene Stromversorgung angeschlossen werden können. In diesem Bereich zählen die Kaltenkirchener zu den Weltmarktführern.

Noch jünger ist Wiskas Geschäftsbereich für Videoüberwachung, der 2003 entstand und von Carsten Bojahr geleitet wird. „Überwachung per Kamera hat für Reeder und Hafenbetreiber einen hohen Stellenwert“, sagt Bojahr, „nicht nur aus Sicherheitsgründen.“

Auf großen Schiffen werden etwa der Maschinenraum und die Ruderanlage mit Kameras bestückt, damit der Kapitän alle wichtigen Vorgänge stets im Blick hat. Und auch auf den riesigen Arbeitsschiffen, die zunehmend im Offshore-Bereich gebraucht werden, sind Kamerasysteme längst Standard.

260 Kameras stecken im Arbeitsschiff „Pieter Schelte“

Bojahr nennt als Beispiel die „Pieter Schelte“, die gerade in Südkorea entsteht. Mit 117 Metern Breite und annähernd 400 Metern Länge wird das stählerne Ungetüm künftig das größte Arbeitsschiff der Welt sein. Damit der Überblick nicht verloren geht, gibt es rund 260 (!) Netzwerkkameras an Bord, die allesamt von Wiska geliefert wurden.

Stolz ist das Unternehmen auch auf seine hohe Ausbildungsquote, die seit Jahren bei rund 10 Prozent liegt. Personalleiterin Ines Jensen: „Wir haben derzeit 15 Azubis, darunter einen dualen Studenten. Den Fachkräftemangel merken wir schon, aber wir sind kaum davon betroffen, weil wir rechtzeitig vorgesorgt haben.“

Patenschaftsprogramme für den Nachwuchs

So hat Wiska unter anderem Kooperationen mit Schulen der Region vereinbart und vergibt regelmäßig Praktikumsstellen, um junge Menschen für das Unternehmen zu gewinnen. Betreut werden die Praktikanten in erster Linie von den Azubis. Und wer im dritten Lehrjahr ist, übernimmt automatisch eine Patenschaft für einen Neuling.

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WISKA Hoppmann & Mulsow GmbH

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