So spannend war die ?Lange Nacht der Industrie? in Hamburg und Bremen: AKTIV im Norden

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So spannend war die „Lange Nacht der Industrie“ in Hamburg und Bremen

Als es endlich losgeht, herrscht im Bus eine Stimmung wie damals beim Schulausflug. Und ein bisschen ähnlich ist es ja auch an diesem Abend, bei der Fahrt zur „Langen Nacht der Industrie“. Auch wenn viele Teilnehmer dem Schulalter längst entwachsen sind: Gespannt sind die meisten trotzdem, denn bei diesem Event hat man Zutritt zu regionalen Unternehmen, die in der internationalen Wirtschafts-Liga ganz vorn mitspielen.

Einige davon sind klassische „Hidden Champions“ – Firmen also, die dem Laien eher unbekannt sind, obwohl sie in ihrem Bereich zu den anerkannten Weltmarktführern zählen. Das gilt auch für die LMT Group, die der Busfahrer nun ansteuert.

Das Schwarzenbeker Unternehmen nimmt mit seiner Tochter Fette Compacting bereits zum zweiten Mal an der Langen Nacht teil. Zum Kerngeschäft gehören Präzisionswerkzeuge und Spezialmaschinen, die in der pharmazeutischen Tablettenproduktion Einsatz finden.

Wie spannend dieser Bereich sein kann, erleben die Besucher vor Ort: An verschiedenen Formen erklärt ein Mitarbeiter, wie aus Pulver eine feste Tablette entsteht. Natürlich auch zum Mitmachen: Die Besucher versuchen erst mit Muskelkraft, das Pulver zu pressen. Funktioniert aber nicht. Dann lässt der Mitarbeiter eine der vielen Maschinen anlaufen, und plötzlich schießen im Sekundentakt Dutzende von Tabletten aus dem Rohr.

„Faszinierend, die Maschinen und die Menschen dahinter einmal live zu erleben“

Besucherin Merle Settgast, die Wirtschaftsingenieurwesen studiert und gemeinsam mit ihrem Freund teilnimmt, schaut begeistert zu: „Das ist faszinierend, die Maschinen und die Menschen dahinter einmal live zu erleben. Ich bin dabei, weil mein Studium bald endet. Jetzt suche ich noch ein Praktikum und sondiere schon mal den Arbeitsmarkt.“

Die folgende Bildergalerie zeigt Impressionen von der Langen Nacht der Industrie in verschiedenen Unternehmen:


Auch beim Hamburger Unternehmen Kroenert und seiner Schwesterfirma ZAE dürfen die Teilnehmer einen Blick hinter die Kulissen werfen. Im normalen Alltag wäre das kaum möglich, denn als weltweit führender Anbieter von Beschichtungsanlagen ist die Firma eher verschlossen.

Kein Wunder, schließlich ist „jede Anlage ein Unikat und exakt auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten“, erklärt Burkhard Meyer, Geschäftsführer der Kroenert-Mutter ATH. Er bittet die Gäste daher um Verständnis, dass Fotos unerwünscht sind. Spannend ist es trotzdem, zu sehen, wie die riesigen Anlagen entstehen, vom kleinen Zahnrad bis hin zur hallenfüllenden Maschinenbahn, die später einmal in Südamerika aufgebaut wird.

Bei Philips am Hamburger Flughafen werden die Gäste nicht nur vom Management begrüßt, sondern auch von Lutz Bandusch, Chef des Stahlwerks ArcelorMittal Hamburg, und von Wirtschaftssenator Frank Horch. Er ist Schirmherr der Langen Nacht und Initiator des Events.

„Die Lange Nacht zeigt, was moderne Industrie zu bieten hat“, sagt Horch. „Auch für Fachkräfte der unterschiedlichen Bereiche lohnt es sich, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und am Ende vielleicht zu sagen: ‚Ja, das wäre etwas für mich!‘“.

„Exklusive Einblicke in die Welt unserer innovativen Betriebe“ Lutz Bandusch, CEO ArcelorMittal Hamburg. Foto: dpa
„Exklusive Einblicke in die Welt unserer innovativen Betriebe“ Lutz Bandusch, CEO ArcelorMittal Hamburg. Foto: dpa

Ähnlich äußert sich Bandusch von ArcelorMittal: „Die Gäste erhalten exklusive Einblicke in die Welt unserer innovativen Betriebe. Mich freut, dass diesmal besonders viele junge Menschen dabei sind. Mancher fragt noch am selben Abend nach einem Ausbildungsplatz.“

Während die Philips-Gäste die Röntgentechnik des Unternehmens bestaunen, steuert ein anderer Bus den Hamburger Sitz von Siemens an. Hier geht es vor allem um Windkraft und Landstrom, also die Energieversorgung von Schiffen im Hafen. Zwei ziemlich komplexe Themen mit viel Erklärungsbedarf, aber Personalchef Rainer Hense hat vorgesorgt: Zwölf Azubis des Konzerns stehen den Gästen als „Lotsen“ zur Verfügung.

Bei Mercedes-Benz sehen die Gäste, wie Schritt für Schritt ein Auto entsteht

Eine Woche später folgt die Lange Nacht in Bremen und Bremerhaven. Und auch hier machen zahlreiche Betriebe mit, darunter das örtliche Werk von Mercedes-Benz. Seit Produktionsstart vor 35 Jahren liefen hier über sechs Millionen Pkws vom Band, wie die Gäste bei ihrem Rundgang erfahren. Aktuell produzieren die 12.700 Mitarbeiter acht Modelle, die im Drei-Schicht-System rund um die Uhr montiert werden.

Die Faszination steht den Teilnehmern ins Gesicht geschrieben. Einer bringt es auf den Punkt: „Zu sehen, wie aus einer leeren Karosserie Schritt für Schritt ein Mercedes wird, ist echt ein Erlebnis.“

Auto-Technologie ist auch die Spezialität von Hella Fahrzeugkomponenten. Die Firma baut jährlich unter anderem rund 160 Millionen Sensoren, viele davon winzig klein.

Bevor die Gäste eingelassen werden, sind allerdings einige Vorkehrungen zu treffen. Jeder erhält einen Kittel und für die Schuhe spezielle Gummistrapse, die statische Aufladungen verhindern sollen. Fotografieren mit Blitzlicht ist verboten – die CO2-Löschanlage würde sofort ausgelöst. „Macht nix“, murmelt einer der Teilnehmer, „ich komme sowieso nächstes Jahr wieder.“

Alles über Rückschlagventile und Kondensatableiter bei Flowserve Gestra

Um ganz andere Produkte geht es bei Gestra im Stadtteil Findorff. Die Flowserve-Tochter ist spezialisiert auf Rückschlagventile und Kondensatableiter.

Rückschlagventile und Kondensatableiter? Wofür braucht man so was? Der angesprochene Mitarbeiter lacht. „Unter anderem für Maschinen, die mit Dampf und Hochdruck arbeiten. In Röstereien zum Beispiel, aber auch in Molkerei- und Brauerei-Betrieben.“ Seine Kollegen erklären unterdessen Details der Fertigung und beantworten geduldig Fragen. Studentin Lisa (23) ist von der Atmosphäre beeindruckt. „Sehr cool, wie die Leute miteinander umgehen.“

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