So funktioniert moderne Laser-Technologie: AKTIV im Norden

Die perfekte Verbindung

So funktioniert moderne Laser-Technologie


Ob eine Firma Erfolg hat oder nicht, hängt manchmal von banalen Zufällen ab. Der Hamburger Schweißtechnik-Spezialist Dinse ist ein Paradebeispiel dafür. Vermutlich wäre der Betrieb, der Ende 2014 seinen 60. Geburtstag feiert, nie so erfolgreich geworden, hätte Gründer Wilhelm Dinse nicht einen Bruder bei Blohm + Voss gehabt.

Der erzählte Wilhelm irgendwann, wie mühsam die Arbeit der Schweißer auf der Werft war. Ständig mussten sie ihre schweren Kabel durch die langen Schiffsrümpfe ziehen, und oft fehlten am Ende genau die paar Meter, die man noch brauchte.

Das ließ Dinse keine Ruhe. Eigentlich war er Händler für Schweißmaterial, aber dieses Thema weckte seinen Erfindergeist. Er zog sich in sein Arbeitszimmer zurück und grübelte. Und so entstand ein Teil, das die Schweißtechnik revolutionierte: die Dinse-Kupplung, mit der sich einzelne Schweißkabel sicher und schnell verbinden lassen.

Prozesse optimiert und Arbeitswege abgeschafft

„Diese Kupplung hat in der Branche neue Standards gesetzt“, erzählt Jens Hasenjäger. „Sie ist bis heute fast unverändert und gehört zu unseren Bestsellern.“ Der Konstrukteur hat den 1993 verstorbenen Gründer noch erlebt und ist schon seit 37 Jahren im Betrieb. Mit dieser langen Zugehörigkeit ist er übrigens keine Ausnahme, viele der 140 Dinse-Mitarbeiter sind seit mehreren Jahrzehnten dabei.

Im Vergleich dazu ist Frank Sauer noch ein Neuling. Der Diplomingenieur arbeitet seit fünf Jahren als Produktionsleiter bei Dinse und hat in diesen Jahren die Fertigung kontinuierlich optimiert. Ein Beispiel dafür ist in der Mitte der Werkhalle zu besichtigen: ein großer grauer Block, an dem die Arbeitsvorbereitung stattfindet.

Zur Kundschaft gehören Autobauer wie Audi, BMW, Fiat und VW

„Diese Vorbereitungsinsel ist neu“, erzählt Sauer und zeigt in einen schmalen Winkel zwischen Wand und Maschine. „Früher mussten die Kollegen immer dort rüberlaufen. Wir haben die Wege dann mal erfasst und festgestellt, dass die Einrichter etliche Kilometer pro Woche zurücklegten. Völlig überflüssig. Das ist nun abgestellt, und davon profitieren alle.“

Ebenfalls neu eingeführt wurden große Monitore in der Halle, auf denen alle aktuellen Aufträge zu sehen sind. Sauer: „Wir haben über 10.000 Fertigungsaufträge pro Jahr und 8.400 Artikel im Sortiment, vom Kleinteil bis zum kompletten Schweißgerät. Ohne maximale Transparenz lässt sich das kaum koordinieren.“

Die Kundschaft des Unternehmens kommt zum überwiegenden Teil aus den Bereichen Auto- und Maschinenbau. Auf der Referenzenliste stehen unter anderem Audi, Daimler, Fiat, Ford und VW. Sauer: „Die meisten brauchen eine maßgeschneiderte Lösung für ihre Fertigung. Dem baye­rischen BMW-Werk Dingolfing, das täglich etwa 1.500 Autos baut, haben wir zum Beispiel ein spezielles Vorschubsystem für Schweißdraht geliefert. Diese Anlage ermöglicht nicht nur eine sehr hohe Schweißnahtqualität, sondern auch eine kontinuierliche Überwachung aller Prozess-Parameter.“

Außerdem fertigt Dinse seit zehn Jahren Laserschweiß-Systeme, die im Autobau eine immer größere Rolle spielen.

Traditionsfirma in Baden-Württemberg übernommen

Dank der guten Beziehungen zu den deutschen Autokonzernen macht die Gruppe bis heute rund 60 Prozent ihres Umsatzes (25 Millionen Euro) im Inland. 40 Prozent stammen aus dem Export.

Das Unternehmen ist in den 60 Jahren seines Bestehens stetig gewachsen. Anfang März kam durch eine Akquisition noch die Traditionsfirma ESS hinzu, die ihren Sitz im baden-württembergischen Bad Waldsee hat. Dinse hatte zuvor bereits mit dem Stromquellen-Hersteller zusammengearbeitet und übernahm die Sparten Entwicklung, Reparatur und Vertrieb. Das Unternehmen hat ein gut ausgebautes Service-Netzwerk, von dem die Dinse-Kunden nun ebenfalls profitieren.

Die nächsten Schritte sind bereits geplant. Das Unternehmen will seinen Vertrieb noch stärker international ausbauen und weiter in den Bereich Forschung und Entwicklung investieren.

Und auch die Optimierung der Produktion soll fortgesetzt werden. Fertigungsleiter Sauer: „Wenn man einmal damit angefangen hat, entdeckt man immer neue Details, die man besser machen kann. Das hört nie auf.“

Dinse GmbH, Hamburg

Die Firma wurde 1954 von Wilhelm Dinse gegründet, der sich mit dem Bau von Schweißkabel-Kupplungen einen Namen machte. Heute zählt Dinse zu den führenden Spezialisten für Schweiß- und Lötsysteme. Der 140-Mann-Betrieb entwickelt und baut neben MIG/MAG-Handschweiß-Systemen vor allem Automaten- und Roboter-Systeme für das MIG/MAG-, WIG- und Laserschweißen.

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