Sie wollen große Sprünge machen: AKTIV im Norden

FutureJump

Sie wollen große Sprünge machen


Die Vorbereitungen auf die IdeenExpo laufen auf vollen Touren

Osterode. „FutureJump“ hat es ihnen angetan: Simon (16), Sebastian (13), Erich (14) und Marvin (13) trainieren bereits eifrig beim Slacklining – dem Trendsport mit Balanceakten auf einem schmalen, gespannten Gurt. Auch in den Ferien. Neslehan (15), Sarah (13) und Christina (13) geben Tipps und feuern die Jungs an.

Sie alle kommen in die 9. Klasse an der Realschule auf dem Röddenberg in Osterode. KKT Frölich, ein Unternehmen der Kautschuk-Industrie ganz in der Nähe, hat die Klasse zum Slacklining-Wettbewerb auf die IdeenExpo 2011 Ende August nach Hannover eingeladen.

Spaß-Projekt mit ernstem Hintergrund

Auf Europas größter Technikschau für Jugendliche treten die Schüler aus Osterode gegen 15 Teams aus anderen Regionen an – am Stand der Kautschuk-Industrie. Dabei werden die Schüler auch über die Berufe und Karrierechancen in dieser Branche informiert.

„Vielen Schülern ist nicht klar, dass Gummi ein High­tech-Werkstoff ist“, sagt Holger Kölling vom Arbeitge­berverband ADK, der das Future-Jump-Projekt leitet. „Sie wissen nicht, dass Gummi unzählige Produkte verbessert, vom Reifen über den PC und den Fußballschuh bis zur Espresso-Maschine.“

Dass sich die Kautschuk-Industrie so kreativ um junge Fachkräfte kümmert, hat einen ernsten Hintergrund: Vielen Betrieben fehlt es schon jetzt an Personal, vor allem an Ingenieuren. Zum Beispiel die Freudenberg Spezialdichtungs GmbH in Berlin, die mit 180 Mitarbeitern Dichtungsbälge unter anderem für die Auto-Industrie fertigt. Personalleiter Wolfgang Kramer sucht händeringend einen Prozesstechnik-Ingenieur, längst auch außerhalb der Hauptstadt: „Er sollte sich idealerweise im Studium auf die Schwerpunkte Gummi- und Kunststoff konzentriert haben“, sagt er.

Kein Einzelfall. Quer durch alle Branchen kostete der Ingenieurmangel letztes Jahr 3,3 Milliarden Euro Umsatz. Das ergab eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und des Vereins Deutscher Ingenieure. Es gibt in diesem Bereich aktuell 60.000 freie Jobs mehr, als verfügbare Arbeitskräfte. Und im Aufschwung wird die Lücke größer.

Der Studie zufolge werden ab 2018 jährlich 44.000 Ingenieure in den Ruhestand gehen – und der Gesamtbedarf wird steigen. Schon jetzt herrscht bei Ingenieuren annähernd Vollbeschäftigung. Es gibt zwar noch welche ohne Job, aber darunter sind viele Langzeitarbeitslose, die jedoch kaum in ein Anforderungsprofil der Unternehmen passen. „Der Markt ist quasi leergefegt“, beobachtet Personalmann Kramer.

Werner Fricke

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