Schüler gründen eine Firma: AKTIV im Norden

Junior-Projekt

Schüler gründen eine Firma


Bei Anna-Marie Christ und Anastasios Karempidis laufen alle Fäden zusammen. Die Chefs der Firma „MAlender“ haben viel zu tun: Termine machen, Arbeit verteilen, Marketing-Ideen ausbrüten. Nichts Ungewöhnliches für Geschäftsführer, wäre da nicht ihr Alter. Die beiden sind erst 14 und 15 Jahre alt, und ihre Firma besteht ausschließlich aus Neuntklässlern der Katholischen Schule Harburg.

Mathe-Kalender als Geschäftsidee? Tatsächlich, das funktioniert!

Ihr Produkt: ein liebevoll gestalteter Mathematik-Kalender, der jeden Monat ein neues Rechenrätsel bietet. Matheaufgaben, Fotos, Layout, Druck und Produktion – alles selbst gemacht. Auch den Verkauf in örtlichen Einkaufszentren haben die Jugendlichen selbst durchgeführt. „Über 150 Stück sind schon verkauft“, erzählt Anna-Marie stolz. Und Anastasios ergänzt: „Am Ende werden wir Gewinn machen.“

Damit hat die Schülerfirma ihr Ziel erreicht, MAlender hat erfolgreich gewirtschaftet. Das Projekt hat den Teilnehmern wirtschaftliche Zusammenhänge aufgezeigt und sie motiviert, eigenverantwortlich zu handeln. Und vor allem: „Die schulischen Leistungen fast aller meiner Schüler haben sich stark verbessert“, sagt Klassenlehrerin Gabriele Heise.

Noch vor einem Jahr waren die wenigsten ihrer Zöglinge reif für die Ausbildung. „Daher habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, vor allem die mathematischen Defizite der Jugendlichen zu verringern und sie für die Bewerbung zu motivieren“, erzählt Heise.

Das Junior-Programm des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) kam da gerade recht. Das bundesweite Projekt ruft Schüler der Klassen sieben bis zehn auf, Firmen zu gründen und ein Jahr lang zu führen.

Sie stellte es den Kids vor, und die entwickelten gleich erste Ideen: T-Shirts drucken, Einkaufsdienste organisieren, Puppenspiele aufführen. „Es war aber alles zu weit weg von der Mathematik, deshalb einigten wir uns am Ende auf den Kalender“, erzählt Heise.

Mit Feuereifer legten die Jungunternehmer los: Sie bildeten Arbeitsgruppen und wählten Verantwortliche für die Bereiche Verwaltung, Finanzen, Marketing und Geschäftsführung. Im Unterricht tüftelten sie Aufgaben aus, nach der Schule gestalteten sie die Kalenderblätter.

Die Zeit drängte, denn das Produkt musste vor Weihnachten fertig sein. Jede Woche waren die Schüler etwa drei bis vier Stunden beschäftigt, an den Advents-Wochenenden verkauften sie die Kalender in örtlichen Einkaufszentren.

Rund 780 Schüler besuchen derzeit die Katholische Schule Harburg an zwei Standorten. Die Stadtteilschule ist in einem sozialen Brennpunkt angesiedelt. Viele Schüler haben einen Migrationshintergrund, der Start in den Beruf fällt oft nicht leicht.

„Unser Schülerfirma-Projekt hat gerade auch den lern- und ausbildungsschwächeren Schülern Mut gemacht“, berichtet Klassenlehrerin Heise. Viele hätten erstaunliche Entwicklungen hingelegt.

Neben Erfahrungen in Buchhaltung, Organisation und Selbstdisziplin brachte das Projekt viele andere Lerneffekte für die Schüler: Sie mussten selbstständig in wechselnden Gruppen arbeiten, immer wieder Konflikte untereinander lösen und bei Rückschlägen Durchhaltevermögen beweisen.

Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz kann diese Erfahrung nur hilfreich sein, meint Gabriele Heise.

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