Schiffe sind seine Leidenschaft: AKTIV im Norden

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Schiffe sind seine Leidenschaft

Von wegen „Aus den Augen, aus dem Sinn“. Eine leichte Wehmut liegt in Renke Wagners kräftiger Stimme, wenn er über „seine Schiffe“ spricht, die er bislang gebaut hat. Er erinnert sich an jedes Detail – fast so wie ein stolzer Vater, der die Lebensdaten aller seiner Kinder kennt.

Wagner arbeitet auf der Werft „German Naval Yards Kiel“, die zeitweilig als „ADM Kiel“ firmierte. Seit er 1987 dort anheuerte, hat er einige Schiffe verabschiedet. Ein Dutzend davon hat der Schiffbau-Meister als Collage aufgehängt. Er weiß: Ein Wiedersehen wird es kaum geben, in Kiel kommen sie jedenfalls nicht mehr vorbei.

Manchmal erkennt er im Hamburger Hafen eines der Containerschiffe, die unter seiner Regie zusammengeschweißt wurden. „Das waren seinerzeit die größten und schnellsten der Welt“, schwärmt Wager.

Und vor ein paar Jahren, am Mittelmeer, sah er zwei Luxusjachten, die einst in Kiel getauft wurden. Die „weißen Schiffe“, wie sie auf der Werft genannt werden, um die Namen der Kunden diskret zu verschweigen. Noch geheimer: die „grauen Schiffe“, die Marineprojekte. Auf Marineaufträge setzt die Werft derzeit verstärkt, wie der neue Name „German Naval Yards“ zeigen soll.

Erst vor vier Jahren hatte die Privinvest Holding die brachliegende Zivil-Sparte der HDW-Gaarden übernommen und in „ADM Kiel“ umbenannt. Der Standort wurde hochgefahren und neue Aufträge akquiriert. Aber die Lage im zivilen Schiffbau ist angespannt, seit asiatische Werften den Markt aufmischen.

Viele Betriebe verlegten sich daher auf den Spezialschiffbau, Jachten für Milliardäre etwa und Installationen für Windparks auf See. Doch auch hier gibt es Probleme, unter anderem wegen des politischen Schlingerkurses beim Offshore-Ausbau. Marineschiffe dagegen laufen gut, Korvetten, Patrouillen- und U-Boote aus Deutschland sind gefragt.

Der ständige Wandel der Branche lässt Wagner nicht kalt. „Früher haben mehr als 40.000 Leute auf den Werften an der Küste gearbeitet, heute sind es weniger als 10.000“, berichtet er. Er ist jetzt 50 und weiß, dass es schwierig wäre, woanders unterzukommen.

„Wir müssen ständig wieder beweisen, dass wir zum vereinbarten Preis und Termin und in bester Qualität fertigen können“, sagt Wagner. Irgendwo hat er mal den Spruch gelesen: „Wer den Druck erträgt wie die Schiffbauer, muss Nerven aus dem Stoff haben, aus dem Schiffsrümpfe gefertigt werden“. Das Zitat hängt nun als sein Arbeitsmotto im Büro. „Kann man einen solchen Job anders als mit Leidenschaft machen?“, fragt er. „Natürlich nicht!“

Unter Termindruck steht der Schiffbau-Meister mit seinem – im Normalbetrieb – vierzehnköpfigen Team, das er „mit Zuckerbrot und Peitsche“ führt. Es gilt, Tages- und Wochenpläne einzuhalten, Meilensteine wie das Verschweißen der Hülle pünktlich zu erreichen. Für die Meilensteine gibt es Geld von den Kunden. Seinen Führungsstil beschreibt er als streng und leidenschaftlich: „Ich kann auch mal ziemlich vergrätzt sein. Aber ich weiß genau, dass ich als Meister nur so gut bin wie mein Team.“

Sein Chef-Vorbild: der Emotionsbolzen Jürgen Klopp. Wagner will seine Jungs auch dadurch motivieren, dass er ihnen mehr erklärt, als es früher üblich war. Für ihre tolle Arbeit gibt er ihnen jährlich „kräftig einen aus“. Natürlich auf der Kieler Woche.

Sein Opa war Kapitän gewesen und nahm ihn mit zum Segeln

Schiffe sind Wagners Leidenschaft, nicht nur im Job, sondern auch privat. Sein Opa, Kapitän im Ruhestand, hat diese Passion einst geweckt, als er den kleinen Renke mit zum Segeln nahm. Später steuerte der selbst eine Optimisten-Jolle, dann 420er, 470er, 505er, 49er, olympische Klassen, im Landeskader. „Wir segelten gegen Gott und die Welt“, erzählt Wagner. „Die Bayern etwa waren erstaunlich gut – solange es keine Wellen gab“, stichelt er.

Damals verbrachte er viel Zeit auf dem Wasser. „Als Lehrling hab ich dafür auch schon mal den einen oder anderen Tag geschwänzt.“ Bis ihn sein Chef schließlich vor die Wahl stellte: „Willst du nun Segel- oder Schiffbau-Star werden?“


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