Rollende Riesen: AKTIV im Norden

Moderne Krane

Rollende Riesen


Wie ein Käfer auf dem Rücken – so liegt der Fahrwerkswagen in der Montagehalle auf dem Transportgestell. Seine zwölf Einzelradaufhängungen ragen Insektenbeinen gleich in die Höhe. Die Arbeiten an der Unterseite sind vorerst beendet, nun kann das Gestell gedreht werden. Ludwig Janssen drückt auf einen Knopf, und schon rotiert das Teil in die richtige Position, damit Motor und Fahrerkabine montiert werden können.

Hier entsteht der neue Star in der umfangreichen Modellpalette des Wilhelmshavener Kran-Spezialisten Manitowoc, der GMK 6.400. Derzeit gibt es weltweit keinen stärkeren Mobilkran auf sechs Achsen.

Der rollende Kraftprotz kann bei einer Auslage von 60 Metern 60 Tonnen heben. „Ein Wettbewerber hat ein ähnliches Modell auf den Markt gebracht, aber bei der Auslage haben wir die Nase vorn“, freut sich Manitowoc-Geschäftsführer Thomas Steuer.

22 verschiedene Kran-Typen

Die Geschäfte laufen gut. Täglich verlassen zwei Mobilkrane das Manitowoc-Werk im Wilhelmshavener Industriegebiet West. Nach einem Einbruch in der Wirtschaftskrise, als der Absatz kurzfristig massiv zurückging, hat sich das Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren wieder sehr positiv entwickelt.

„Heute zahlt sich aus, dass wir unsere Stammbelegschaft während der Krisenphase dank vieler flexibler Maßnahmen halten konnten“, sagt Klaus Kröppel, der unter anderem mit Thomas Steuer die Geschäftsführung bildet.
Das Hightech-Unternehmen setzt auf Flexibilität. Die rund 915 Mitarbeiter produzieren 22 unterschiedliche Kran-Typen auf einer einzigen Fertigungslinie.

„Damit ist ein hoher logistischer Aufwand verbunden“, erklärt Steuer. Vom Auftragseingang bis zur Ablieferung bleiben den Kranbauern in der Regel nur wenige Monate. In dieser Zeit muss vom Einkauf der Teile über die Montage bis zur Abnahmeprüfung alles aufeinander abgestimmt und eingetaktet sein. Schließlich muss jeder Kran zum vereinbarten Zeitpunkt fertig sein.

Das funktioniert nur mit guten und motivierten Mitarbeitern. „Wir beschäftigen ausschließlich Fachleute“, berichtet Kröppel. Allein 100 Ingenieure sind in Entwicklung und Konstruktion eingesetzt, Facharbeiter erledigen die Montage. „Fast alle unsere Mitarbeiter können verschiedene Aufgaben und Funktionen bewältigen“, so Steuer.

So wie Ludwig Janssen (53), seit 27 Jahren dabei. „Ich habe schon im Prototypenbau, in der Reparatur und in der Hy­draulikabteilung gearbeitet“, erzählt er. „Jetzt bin ich im Unterwagenbau tätig.“ Know-how beim Zusammenbau der einzelnen Komponenten ist eine der Kernkompetenzen bei Manitowocs. Aber das Unternehmen versteht sich nicht nur als reiner Montagebetrieb. Steuer: „Wir bauen und entwickeln Ausleger und Fahrwerk, lackieren, schweißen und entwickeln bestimmte Komponenten wie die Einzelradaufhängung selbst.“

Die Wilhelmshavener Krane werden in die ganze Welt geliefert– vom Vierachser bis zum Siebenachser mit 250 Tonnen Einsatzgewicht. Der Exportanteil liegt bei 80 Prozent, davon geht die Hälfte nach Übersee. Weltweit gehört Manitowoc zu den Top Drei der Branche.

Lieber Kran als Porsche fahren

In Halle 8 sind unterdessen Unter- und Oberwagen sowie der Ausleger des GMK 6.400 eingetroffen. Jetzt folgt die „Hochzeit“, wie die Fahrzeugbauer sagen: Alle Teile werden zusammengefügt, der Kran wird komplettiert. Auf dem Prüfplatz warten noch ausführliche Qualitäts- und Sicherheitschecks auf ihn. Erst dann erhält der riesige Kraftprotz sein Q-Zeichen für Qualität und darf an den Kunden übergeben werden.

Und der kommt nicht selten selbst, um sein neues Gefährt abzuholen. „Wir bauen hier emotionale Produkte“, sagt Kröppel und gibt ein Beispiel. „Ein Kunde kam mit seinem Porsche, um seinen neuen Kran abzuholen. Den Porsche durfte ein Mitarbeiter nach Hause fahren. Der Chef hat seinen Kran dann selbst bis nach Süddeutschland chauffiert.“

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Manitowoc Crane Group Germany GmbH

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