Premium Aerotec macht aus Metallblöcken Flugzeugteile: AKTIV im Norden

Filigranes aus Friesland

Premium Aerotec macht aus Metallblöcken Flugzeugteile


Was der Super-Airbus A380 in der Welt der Flugzeuge ist, das ist das WFLM120 in der Metallbearbeitung: ein Gigant, der neue Maßstäbe setzt.

Das ultramoderne Dreh- und Fräszentrum hat einen Arbeitsraum von drei Metern Länge und kann ein massives Stück Metall binnen weniger Minuten in ein höchst filigranes Bauteil verwandeln.

Zu bewundern ist das gefräßige Hightech-Monstrum in Varel, einer friesischen Kleinstadt am untersten Zipfel des Jadebusens. Hier steht eines der drei norddeutschen Werke der EADS-Tochter Premium Aerotec (PAG), die Bauteile und Fertigungssysteme für den Flugzeugbau liefert.

Das Werk Varel mit seinen 1.250 Mitarbeitern ist der „Zerspanungsspezialist“ in dem Fabriken-Trio. Was das bedeutet, erklärt Produktionsleiter Matthias Kaben an einem gebogenen Flugzeugspant aus Aluminium, der einen Durchmesser von acht Metern hat. „Das Teil wirkt auf den ersten Blick nicht spektakulär, ist aber das Ergebnis eines höchst komplexen Bearbeitungsprozesses, bei dem rund 90 Prozent des Ausgangsmaterials entfernt wurden“, sagt er.

Die angefallenen Späne gehen zurück in die Alu-Schmelze und werden wiederverwertet. Pro Jahr werden so rund 14.000 Tonnen Aluminium verarbeitet.

Türeinfassungen aus Titan

Deutlich komplizierter ist die Zerspanung von Titan – ein Werkstoff, der wegen seiner einzigartigen Eigenschaften für die Flugzeugbauer immer wichtiger wird.

Der A350 XBW etwa, das neue Modell der Airbus-Familie, ist auf Türeinfassungen aus Titan angewiesen, weil Aluminium sich, laienhaft ausgedrückt, nicht mit den Rumpf-Elementen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) „verträgt“.

„Titan ist in der Welt der leichten Metalle gewissermaßen das Gegenteil von Aluminium“, erklärt Kaben. „Es ist so zäh und hart, dass die Maschinen ganz andere Eigenschaften haben müssen. Sie arbeiten mit einer hohen Spindelleistung und geringem Vorschub statt – wie bei Aluminium – mit hohen Drehzahlen und hohem Vorschub.“

Die Nachfrage nach Flugzeugteilen ist groß. Und sie wächst. Varel ist mittlerweile für die Lieferung von 4,5 Millionen Teilen pro Jahr verantwortlich. Einige davon lassen die Friesen im rumänischen Brasov fertigen, wo 2010 ein weiteres Werk von Premium Aerotec in Betrieb ging.

Drei Schichten und vier freie Tage

Zeitgleich übernahm Varel die Montage eines Rumpfabschnitts für den Eurofighter, die bisher bei Aircraft Services Lemwerder (ASL) angesiedelt war. Werkleiter Cord Siefken ist darauf besonders stolz: „Mit diesem Schritt haben wir uns vom klassischen Teile-Fertiger zum Hersteller komplexer Baugruppen und Flugzeugstrukturen weiterentwickelt.“ Die in Varel produzierte Eurofighter-Komponente ist ein drei Meter langer Rumpfabschnitt, an den später die Tragflächen angesetzt werden.

Ein weiteres Standbein des Betriebs ist der Bereich Fertigungssysteme, der auf komplexe Montage- und Fertigungsvorrichtungen für die Flugzeugbranche spezialisiert ist. Hier übernehmen die Experten aus Varel nicht nur die Entwicklung, sondern auch den Bau, die Inbetriebnahme und die Kundenbetreuung.

Die gute Auslastung führte dazu, dass kürzlich ein neues Schichten-Modell eingeführt wurde: zwei Tage Früh-, zwei Tage Spät-, zwei Tage Nachtschicht, danach vier Tage frei. „Anfangs gewöhnungsbedürftig, aber auch flexibel, wenn es um den Tausch von Schichten geht“, kommentiert der Betriebsrat diese Regelung.

Apropos: Unlängst wurde Premium Aerotec für sein „exzellentes Personalmanagement speziell für die Zielgruppe der Ingenieure“ ausgezeichnet und darf sich nun „Top Arbeitgeber Ingenieure“ nennen. Bewertet wurden nicht nur Kriterien wie Gehalt und Karriere-Chancen, sondern auch die Work-Life-Balance im Job.

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Premium AEROTEC GmbH, Werk Varel

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