Papier und Schulhefte für die ganze Welt: AKTIV im Norden

Gut abgeschnitten

Papier und Schulhefte für die ganze Welt


Anfang der 70er-Jahre hockten einige Trendforscher im kalifornischen Palo Alto zusammen und entwarfen die Vision vom „papierlosen Büro“. Ein kühne Prognose, die allerdings einen Schönheitsfehler hatte: Sie war falsch. Der Bedarf an Office-Papier ist weiterhin hoch, wie der Verband Deutscher Papierfabriken beruhigt feststellt. Dafür sorgen schon die Drucker, Kopierer oder Faxgeräte, die in fast jedem Büro stehen. Das Papier, mit dem sie gefüttert werden, kommt zu einem großen Teil aus Maschinen, die E. C. H. Will in Wedel bei Hamburg baut.

Die Firma, gegründet 1866, hat sich auf das Schneiden und Verarbeiten von Papier spezialisiert. Das klingt nicht gerade nach Hightech, ist aber technisch ziemlich anspruchsvoll. Stolz zeigt Geschäftsführer Daniel Walk auf eine Schneidemaschine, die fast 30 Meter lang ist und vorne gerade mit einer tonnenschweren Papierrolle bestückt wird. „Wenn die Anlage läuft, rast die Papierbahn mit bis zu 500 Metern pro Minute durch die Maschine“, erklärt er. „Die Kunst ist, die Bahn bei diesem hohen Tempo so exakt zu schneiden, dass hinten perfekte DIN-A3- oder DIN-A4-Bögen herauskommen.“

Bestellt wurde die Maschine von einem Konzern in Asien, wo E. C. H. Will besonders gefragt ist. Walk: „Unsere Aufträge kommen derzeit vor allem aus Indonesien, Indien und China. Das liegt unter anderem an den hohen Wachstumsraten dieser Länder, aber auch daran, dass es dort eine funktionierende Bürokratie gibt – und die setzt ja immer noch sehr stark auf Papier.“

Hefte für Schüler in aller Welt

Wenige Meter weiter arbeitet Monteur Thorsten Gädtke an einer neuen Maschine, die das Unternehmen im vergangenen Jahr auf der Düsseldorfer Fachmesse Drupa präsentiert hat. Die „DCbook“ wurde für die Fertigung von digital gedruckten Büchern entwickelt und kann pro Stunde bis zu 12.600 Bücher in allen gewünschten Umfängen und Formaten produzieren.

Mit dem System lassen sich sogar kleinste Auflagen, für die man früher viel Geld ausgeben musste, schnell und billig produzieren. Möglich machen es automatische Rüstvorgänge, eine einfache Bedienung und die Vermeidung von manuellen Teilschritten. „Die Resonanz auf der Messe war wirklich sehr gut“, erzählt Olaf Dreger, Director Product Management bei E. C. H. Will, „es gibt bereits etliche Anfragen aus der Branche.“

Um Produkte ganz anderer Art geht es bei einer Anlage, die demnächst in den Libanon verschifft werden soll und bereits mit Schildern in arabischer Sprache bestückt ist. Die Maschine fertigt Schulhefte, bis zu 18.000 Stück pro Stunde. Auch in dieser Sparte gehört E. C. H. Will zu den ganz Großen der Branche – fast die Hälfte aller weltweit gekauften Schulhefte wird auf Maschinen aus Wedel gefertigt. Millionen von Schülern lernen damit jedes Jahr das Schreiben.

Drucker-Inseln mit Wasser und Kaffee

Bei seiner eigenen internen Kommunikation dagegen setzt das Unternehmen mehr auf das gesprochene Wort. Geschäftsführer Walk: „Als wir 2011 von Hamburg nach Wedel gezogen sind, haben wir über das Thema Kommunikation lange nachgedacht. Dabei sind viele gute Ideen entstanden.“

Eine davon: Es gibt in allen Teilen des Hauses Stehtische, an denen sich die Mitarbeiter zwanglos zu einer Besprechung treffen können – bei Bedarf auch mit Laptop, denn überall hat man WLAN-Zugang.

Und für die Kopierer und Drucker wurden zentrale „Inseln“ geschaffen, an denen es auch Kaffee, Kakao und Wasser gibt.

Gut verpackt: Brian Bels beim Zunageln einer großen Ersatzteilkiste. Foto: Kirchhof

Begegnung mit … Brian Bels: Der Traum vom eigenem Garten


Der Industriemechaniker ist bei E. C. H. Will für die Ersatzteil-Logistik zuständig

Klar, so ein Vorname bleibt nicht unkommentiert, vor allem bei Filmfans. Wer einmal „Das Leben des Brian“ gesehen hat, muss zwangsläufig an die Bibel-Parodie von Monty Python denken, wenn er im Alltag auf einen Menschen mit diesem Namen trifft. „Schon okay“, sagt Brian Bels und lacht. „Ich hatte ja 31 Jahre Zeit, mich an die Kommentare zu gewöhnen.“

Das Unternehmen holte ihn zurück

Der gelernte Industriemechaniker, der im brandenburgischen Perleberg aufwuchs und vor einigen Tagen Geburtstag feierte, ist bei E. C. H. Will in der Logistik für Ersatzteile und Reklamationen zuständig. Das Team besteht aus fünf Leuten, die alle hier gelernt haben.

Brian Bels selbst ist seit etwa zwölf Jahren dabei, allerdings mit einer kleinen Unterbrechung von 2007 bis 2012. Bels: „Als das Unternehmen Personal abbauen musste, war mein Job erst mal weg, und ich habe bei einer Zeitarbeitsfirma angefangen. Aber als im vergangenen Jahr wieder eingestellt wurde, hat man mir eine neue Stelle angeboten, und so bin ich zurückgekommen.“

In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Hobbys, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Einerseits ist er Sportschütze (Kleinkaliber-Gewehr und Pistole), andererseits liebt er die Natur und hat gerade eine Kleingarten-Parzelle angemietet.

„Ich bin ein echtes Landkind“, erzählt Bels. „Meine Freundin auch, wir kennen uns seit 15 Jahren.“ Nun freuen sich beide auf die erste Ernte aus dem eigenen Garten.

Mein Job

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Mein Vater hat ein Waffengeschäft, das auch Reparaturen ausführt. Ich habe die Arbeit mit Metall dadurch früh kennengelernt und wollte auch beruflich weiter damit zu tun haben.

Was gefällt Ihnen besonders?

Es gibt immer wieder neue Herausforderungen, und das Team ist klasse, alles nette Kollegen.

Worauf kommt es an?

Man braucht auf jeden Fall technisches Verständnis, Sorgfalt und Flexibilität.

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