Nico Fickinger über die echten und vermeintlichen Lohnunterschiede wegen des Geschlechts: AKTIV im Norden

Kommentar: „Warum Frauen mehr verdienen“

Nico Fickinger über die echten und vermeintlichen Lohnunterschiede wegen des Geschlechts

Hohe Ziele: Familienministerin Manuela Schwesig. Foto: dpa

Familienministerin Manuela Schwesig hat ein hohes Ziel: Sie will, dass Frauen und Männer endlich gleiches Geld für gleiche Arbeit bekommen. Wie man das schafft? Man plant einfach ein „Entgeltgleichheitsgesetz“. Problem gelöst, oder?

Leider nein. Die Ministerin stützt sich auf eine Statistik, nach der Frauen in Deutschland angeblich im Durchschnitt 22 Prozent weniger verdienen als Männer. Wohlgemerkt: „laut Statistik“ und „im Durchschnitt“.

Und genau hier ist der Haken. Denn die Statistik vergleicht leider nicht gleiche Arbeit mit gleicher Arbeit oder Frauen mit Männern, sondern eigentlich Äpfel mit Birnen. Es werden einfach alle Frauen- und Männergehälter addiert, dann wird ein Durchschnittswert für den Stundenlohn gebildet und verglichen. Welche Tätigkeiten in welcher Arbeitszeit, in welcher Branche und in welcher Firma und mit welcher Qualifikation – alles egal.

Dabei ist die statistische Lücke meist durch die Berufswahl von Frauen in Branchen mit geringeren Verdiensten, durch geringere Qualifikation und Berufserfahrung und vor allem durch Erziehungspausen begründet.

Zieht man diese Faktoren ab, schrumpfen die „22 Prozent Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen“ nach einer Auswertung des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf nur noch rund 2 Prozent.

Was bedeutet das? Frauen verdienen bessere Rahmenbedingungen für eine Karriere ohne Brüche. Das fängt bei der Berufswahl an und geht bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter. Eltern und Lehrer sind gefragt, Mädchen für eine Arbeit in der Industrie zu begeistern. In der Berufe-Rangliste der Frauen liegt der erste M+E-Beruf auf Platz 44! Dabei verdient ein Azubi bei uns im Herz der Wirtschaft schon im ersten Lehrjahr nach Tarif 957 Euro pro Monat.

Aber auch die Politik ist gefragt: Kinderbetreuung muss sich noch mehr an den Bedürfnissen der Arbeitnehmer orientieren. Frauen verdienen mehr als plumpe Gesetze.


Der Autor

Nico Fickinger ist Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord, die „AKTIV im Norden“ möglich machen.

Diskutieren Sie mit ihm: nordwort@aktivimnorden.de

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