Metall- und Elektro-Branche: Mehr Aufträge, mehr Jobs: AKTIV im Norden

Konjunkturumfrage im Norden

Metall- und Elektro-Branche: Mehr Aufträge, mehr Jobs

Containerhafen in Hamburg: Der Norden ist eine exportstarke Region. Foto: dpa

Gute Nachrichten für die norddeutsche Metall- und Elektro-Industrie (M+E): Nach Auskunft der Firmen hat sich die Geschäftslage im Vergleich zum Herbst 2013 spürbar gebessert. Gleiches gilt für den Auftragsbestand und die Kapazitätsauslastung.

Rentenpaket verstärkt Fachkräftemangel

Das ist das Ergebnis einer Befragung der „M+E-Arbeitgeber im Norden“. Dieses Bündnis von Nordmetall, AGV Nord und fünf weiteren Arbeitgeberverbänden im Norden hatte in seiner aktuellen Frühjahrsumfrage rund 650 Unternehmen mit 150.000 Beschäftigten um Auskunft gebeten.

37 Prozent der Unternehmen meldeten gute Geschäfte (sechs Prozentpunkte mehr als im Herbst), 46 Prozent eine befriedigende Lage (unverändert). 15 Prozent bezeichneten die aktuelle Situation als unbefriedigend (5 Prozentpunkte weniger), 2 Prozent sprachen von schlechten Geschäften (1 Prozentpunkt weniger).

„Die M+E-Industrie legt einen Gang zu“, kommentierte Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch die Ergebnisse. „Das ist erfreulich, die Richtung stimmt. Aber von der Höchstgeschwindigkeit sind wir noch weit entfernt.“

Zusammengerechnet seien 83 Prozent der Mitgliedsbetriebe mit der Lage zufrieden. Ob die Unternehmen mehr Fahrt aufnähmen, sei ungewiss. Zwar liege die Kapazitätsauslastung mit 87 Prozent wieder exakt auf dem zehnjährigen Mittel; allerdings erwarte mehr als die Hälfte der Firmen (54 Prozent) lediglich gleichbleibende oder sogar sinkende Umsätze.

Für den Arbeitsmarkt gibt es gute Aussichten: 28 Prozent der norddeutschen M+E-Unternehmen wollen die Zahl ihrer Mitarbeiter in absehbarer Zeit erhöhen. Das sind vier Prozent mehr als im vergangenen Herbst und neun Prozent mehr als vor einem Jahr.

„Die Frage ist nur, ob die Arbeitskräftenachfrage immer gestillt werden kann“, so Nordmetall-Präsident Lambusch. Das vor einigen Wochen vom Bundestag beschlossene Rentenpaket werde den Fachkräftemangel verstärken.


Kommentar:

Warum die Politik die Hand, die viele füttert, nicht beißen soll

Von Nico Fickinger

Es ist schon erstaunlich: Die Welt um uns herum war schon lange nicht mehr so in Unordnung – Euro-Schuldenkrise, Ukraine-Krise, gefährdete Energiewende –, doch viele Deutsche nehmen das eher wie unter einer Glasglocke wahr. Gedämpft, als betreffe uns das alles nicht.

Richtig ist: Trotz aller Unsicherheiten steigert die deutsche Wirtschaft weiter tapfer das Bruttosozialprodukt. Und vor allem die Unternehmen und Mitarbeiter unserer Metall- und Elektro-Industrie (M+E) tragen zur wirtschaftlichen Stärke Deutschlands bei.

Die neue Konjunktur-Umfrage der M+E-Arbeitgeber im Norden zeigt: Nach fast zwei Jahren im Minus klettert die Kapazitätsauslastung nun wieder auf den langjährigen Durchschnitt. 28 Prozent der Firmen wollen sogar die Zahl ihrer Mitarbeiter erhöhen.

Es ist aber auch nicht alles, wie Sie oben lesen können, „rosarot“. M+E hat einen Gang zugelegt im Vergleich zum letzten Herbst, aber noch lange keine Höchstgeschwindigkeit erreicht.

Zwar stimmt die Richtung, doch es gibt auch Schlaglöcher auf der Strecke, die noch vor uns liegt: zum Beispiel die Entwicklung der Exporte und steigende Energie- und Arbeitskosten. Und die Regierung erhöht die Belastungen für die Wirtschaft immer weiter – ohne Rücksicht auf Verluste. Einerseits beteuert sie, die Industrie sei der Garant des Wohlstands. Andererseits beißt sie genau diese Hand, die so viele im Lande füttert. Und sie lobt als Aufschwung, was in Wahrheit lediglich eine Erholung ist.

Partylaune herrscht nur im Kanzleramt und im Bundestag, nicht aber in unseren Firmen. 26 Prozent haben zu wenige Aufträge, mehr als die Hälfte sieht kein Umsatzwachstum.

Wenn die Metall- und Elektro-Industrie das „Herz der Wirtschaft“ bleiben soll (wovon der ganze Norden profitiert!), dann darf man keine Rhythmusstörungen provozieren. Das „Herz der Wirtschaft“ pumpt verlässlich. Aber es ist nicht immun gegen jede Belastung.

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