Maßgeschneiderte Einzelteile: Von Lübeck in alle Welt: AKTIV im Norden

Logistik in Perfektion

Maßgeschneiderte Einzelteile: Von Lübeck in alle Welt


Die Ostsee liegt zwar noch ein paar Kilometer entfernt von Malte Brombergs Werkbank. Dennoch arbeitet er in einem Meer – einem Meer von Möglichkeiten. „Für eines unserer Ventile hat einer meiner Ingenieurskollegen mal errechnet, dass wir es theoretisch in 20.000 Varianten bauen könnten“, sagt der Industriemechaniker.

Ob in Pipelines, Bierzapfanlagen, Kraftwerken oder bei der Klimasteuerung: Wo Druck geregelt wird, kommen Ventile der traditionsreichen Firma Mankenberg zum Einsatz. Kaum ein Werkstück, das Bromberg und die anderen Mechaniker in Lübeck zusammensetzen, gleicht dem anderen.

Eine Tonne Material sichert eine Stelle

„Einzelstücke sind unser Geschäft“, sagt Axel Weidner, der Chef des Familienbetriebs. Möglich wird diese Vielfalt durch ausgefeilte Logistik.
Während viele Industrie-Unternehmen gigantische Materialmengen bewegen, beschränkt sich der Warenein- und -ausgang bei Mankenberg auf gerade mal 180 Tonnen im Jahr, und das bei 186 Mitarbeitern. „Wir brauchen also weniger als eine Tonne Material im Jahr, um einen Arbeitsplatz zu sichern“, sagt Weidner.

Für stetigen Nachschub sorgen Sachbearbeiterin Maria Munjic und ihre Kollegen im Einkauf. „Viele Teile beschaffen wir in kleinsten Mengen“, beschreibt sie die Herausforderung, „vom O-Ring im Tütchen bis zum 30-Zentimeter-Vollstück aus Edelmetall.“

Gerade die Kleinteiligkeit in der Produktion macht den Erfolg der Ventile „made in Germany“ aus, so Weidner: „Wer nur ein Teil braucht, kauft das nicht bei einem Massenhersteller in China, sondern bei uns.“

Maßgeschneidert für jeden Kunden

Um effizient zu produzieren, setzt Mankenberg auf ein Baukastenprinzip. „Jedes Ventil basiert auf einem tiefgezogenen Edelstahltopf“, erklärt Weidner.

Tiefziehen ist eigentlich ein Großserienverfahren, etwa für Karosserieteile bei Autos. Die Lübecker machen so Einzelstücke, indem sie unterschiedliche Anschlüsse an jeden Topf anschweißen. Welcher Anschluss der jeweils richtige ist, entscheiden Projektingenieure wie Hauke Schmidt. „Ich lasse mir von den Kunden nicht nur erklären, wofür sie das Ventil brauchen“, sagt er „sondern besorge mir auch alle Betriebsdaten.“

Manchmal stammen die Informationen auch von einem der Außendienstler in Deutschland, Russland, Brasilien oder China, die sich die Anlage eines Kunden angesehen haben. Anschließend erstellt Schmidt, unterstützt von den Kaufleuten in seinem Team, ein Angebot.

Der folgende Teil der logistischen Kette wurde bei Mankenberg auf die Spitze der Leistungsfähigkeit getrieben. Unternehmer Weidner: „Wie in einer großen Kladde wird in unserem computergestützten Produktionssystem jeder Auftrag abgebildet.“

Welche Arbeitsschritte sind erforderlich, und was wird dafür zu welchem Zeitpunkt in der Produktion gebraucht? Wer bearbeitet gerade welches der rund 350.000 Bauteile im Jahr? Wann wird welches der gut 17.000 Ventile fertig?

„Wenn der Kunde für seine Planung wissen muss, wie weit sein Auftrag ist, können wir ihm das jederzeit ganz genau sagen“, erklärt Weidner.

Paketdienst und Luftfracht

Das gilt auch, nachdem das Ventil auf die Reise geschickt wurde. „Möglich wird das durch eine Schnittstelle unseres Programms zum ,Trac-and-Trace-System‘ des Transporteurs“, sagt er. Schließlich wolle der Abnehmer, der dringend auf ein Ventil wartet, auf keinen Fall hören: „Bei uns ist es raus, mehr wissen wir auch nicht.“ Stattdessen heißt es: „Das Teil ist overnight ins Verteilzentrum gegangen, heute um 16 Uhr wird es bei Ihnen eintreffen.“

Mehr als 4.000 der gut 5.000 Sendungen im Jahr verlassen per Paketdienst das Firmengelände. „Diese Kurierdienste, die es vor 30 Jahren in Deutschland noch gar nicht gab“, stellt Weidner fest, „bilden inzwischen das Rückgrat der Industrie.“

Unverzichtbar im Vertrieb sind aber, neben klassischen Speditionen für besonders schwere Teile, auch die Frachtflieger. Denn für Weidner heißt das Ziel: „Wir möchten uns neue Auslandsmärkte erschließen und im Export stark wachsen.“

Von rund 16 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr wollen sich die Lübecker bis 2015 auf 20 Millionen Euro steigern. Teil dieser Wachstumsstrategie sind auch die eigens für Pipelines konstruierten Ventile.

Ersatzteilbeschaffung nach 25 Jahren

Entscheidend für den Erfolg aber bleibt weiterhin die Zuverlässigkeit. „Wir garantieren unseren Kunden für 25 Jahre die Wiederbeschaffung der Ersatzteile.“

Was so einfach klingt, erfordert allerdings, dass man nach einem Vierteljahrhundert noch weiß, welche Teile damals verbaut wurden. Auch eine logistische Herausforderung.

Innenleben: Das Ventil mit Sitz und Ventilkegel (oben), Membran (Mitte) und Feder. Grafik: Werk

Technisch gesehen …: Wie funktioniert ein Druckregelventil?

Es kommt ohne Hilfsenergie aus

Angetrieben werden Druckregelventile durch das hindurchströmende ­Medium, also Gase, Wasser oder Dampf.

„Ein Druckminderer zum Beispiel dient dazu, einen höheren, oft schwankenden Vordruck auf einen festgelegten niedrigeren, konstanten Hinterdruck herunterzuregeln“, erklärt Hauke Schmidt, Projektingenieur beim Hersteller Mankenberg in Lübeck, das Prinzip.

Und so funktioniert es: „Nehmen wir einmal an, dass wir bei Wasser einen Vordruck von zehn Bar auf fünf Bar reduzieren wollen. Von der Eintrittseite strömt das Wasser durch den Sitz hindurch.“ Sitz – so wird der Hohlkörper aus Edelmetall bezeichnet, der in der Grafik rechts markiert ist. „Auf der Austrittseite beginnt sich nun, ausgehend von null Bar, ein Druck aufzubauen“, sagt Schmidt.

Ständiges Gleichgewicht

Über die Feder wurde der vorgesehene Sollwert eingestellt, in unserem Beispiel also fünf Bar. „Sobald dieser Wert oberhalb der Membran erreicht ist, beginnt sich das Feder-Membran-System nach unten zu bewegen“, so der Fachmann.

Die Membran ist in der Grafik ebenfalls im Anschnitt zu sehen, mit roter Innenfläche, oberhalb der Feder. „Sie umschließt die Spindel, die wiederum dafür sorgt, dass sich der Ventilkegel jetzt zum Sitz hin bewegt und den Durchsatz drosselt“, erklärt der Ingenieur: „Fällt der Hinterdruck unter den gewünschten Sollwert, dann tritt die Gegenbewegung ein, und das Ventil öffnet wieder.

Im Idealfall steht das Ventil ständig im Gleichgewicht. Doch sobald sich der Druck oder die Durchlassmenge ändern, reagiert es.

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