Kommentar: Maximaler Unfug bei den Minijobs: AKTIV im Norden

Ein millionenfach genutztes Erfolgsmodell ist in Gefahr

Kommentar: Maximaler Unfug bei den Minijobs


Wenn ein bewährtes Arbeitspferd lahmt, gibt es zwei Möglichkeiten, das Tier von seiner Pein zu befreien. Erstens: Man ruft den Doktor und heilt das Leiden. Oder zweitens: Man tötet den braven Gaul und ist die Probleme los, und zwar für immer.

Jeder, der bei Verstand ist, hält den zweiten Weg für blanken Unfug, sollte man glauben. Anders sehen es offenbar einige Politiker, wenn es darum geht, angebliche oder tatsächliche Missbräuche im Bereich der Minijobs zu kurieren: Sie fordern mehr oder weniger die komplette Abschaffung dieser Beschäftigungsform, denn mit maximal 100 Euro statt 450 Euro Verdienst im Monat ist der Minijob praktisch tot.

Wir erinnern uns: Vor vielen Jahren gab es von allen Seiten die Forderung nach Eindämmung der Schwarzarbeit. Steuern und Sozialabgaben hatten dort, wo ohnehin keine Reichtümer verdient werden, ehrliche Arbeit unattraktiv gemacht. Also wurde 2003 der Minijob geschaffen.

Er war und ist ein Renner. Zwar macht er nicht reich und erzeugt keine nennenswerten Rentenansprüche, aber er ist ein unverzichtbares Instrument der Arbeitswelt, denn er wird inzwischen von über sieben Millionen Menschen genutzt.

Nun soll er abgeschafft werden. Warum? „Weil einige Betriebe Vollzeitstellen in Minijobs umwandeln“, heißt es. Das ist zwar unschön, aber nicht illegal. Und wenn der Staat dieses Verhalten nicht dulden will, soll er es verbieten, aber nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Denn ohne Minijobs würden doch – anders als erhofft – keine Vollzeitjobs entstehen, sondern viele Betroffene würden zurück in die Schwarzarbeit flüchten. Fragen Sie mal eine Haushaltshilfe!

Und wer unterstellt, im Minijob gäbe es nur Hungerlöhne, der irrt, denn im Schnitt werden 9,45 Euro pro Stunde gezahlt. Das ist ein Euro mehr als der geforderte Mindestlohn. Kein Grund also, den Minijob zu ächten.

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