Kampf um kluge Köpfe: AKTIV im Norden

Ausbildung

Kampf um kluge Köpfe


Bei HELLA Fahrzeugkomponenten steht Nachwuchsförderung an erster Stelle

Mit Fingerspitzengefühl und sensibler Technik prüft Christin Nitsche einen Sensor, der auf Regen und Licht reagiert. Die 25-Jährige hat es in nur vier Jahren von der Auszubildenden bis zur Ingenieurin gebracht – bei der HELLA Fahrzeugkomponenten GmbH in Bremen, kurz HFK. Und sie hat Neuland betreten: „Ich war die erste Dualstudentin Mechatronik im Unternehmen“, sagt sie. Zusätzlich zur Ausbildung absolvierte sie nämlich einen Bachelor-Studiengang an der Uni Bremen. „2007 habe ich hier begonnen. Jetzt arbeite ich in der Software-Entwicklung“, freut sie sich.

Manfred Meise freut sich auch. Der Geschäftsführer von HFK sieht in Christin Nitsche ein Musterbeispiel. Er ruft nämlich „besonders Mädchen und junge Frauen auf, sich für Technikberufe zu bewerben. Denn hier erwarten sie exzellente Aufstiegsmöglichkeiten.“

Talente in den eigenen Reihen

Die Förderung von Nachwuchs steht an erster Stelle bei HFK. Schließlich wird es immer schwieriger; geeignete Auszubildende zu finden, nicht nur für den Automobil-Zulieferer. In der norddeutschen Metall- und und Elektro-Industrie klafft eine Bewerberlücke Das Angebot der Ausbildungsplätze übersteigt die Zahl der Interessenten um 35 Prozent.

Beim Kampf um die besten Köpfe ist die Bremer Hightech-Schmiede genauso kreativ wie bei der Entwicklung neuer Produkte. Personalentwicklerin Edda Ross: „Wir gehen in Schulen, bieten Praktika an und kooperieren mit Universitäten. Den dualen Studiengang Mechatronik haben wir mitinitiiert.“ Außerdem beteiligen sich die Sensor-Spezialisten am Zukunftstag der „Langen Nacht der Industrie“ und weiteren Veranstaltungen.

Auf der Suche nach geeigneten Talenten ist man auch im eigenen Haus. Vor allem die Frauen mit einfachen Anlerntätigkeiten bekommen dort die Möglichkeit zur Weiterqualifizierung.

Zu denen, die das Programm „Mitarbeiterqualifizierung als Chance“ genutzt haben und so weitergekommen sind, zählt Nadja Thaler. Sie war ursprünglich als Produktionshelferin bei HFK eingesetzt. „Heute arbeite ich in der Werkstatt. Dort bin ich für die Instandhaltung und für Reparaturen zuständig“, sagt die 35-Jährige.

Personal-Fachfrau Ross ergänzt: „Die Zahl der einfachen Anlerntätigkeiten nimmt rapide ab. Bald werden wir derartige Arbeiten überhaupt nicht mehr anbieten.“

Nach der Ausbildung zur Technikerschule

Immer anspruchsvollere Aufgaben: Etwas Besseres kann Waldemar Siemens gar nicht passieren. Prüfend wandert der Blick des 22-Jährigen von einer Maschine zur anderen. Eine Stanze, die Einzelteile für einen Öldrucksensor herstellt, steht gerade still. Mit ein paar routinierten Handgriffen und Eingaben auf dem Touchscreen bringt der Industriemechaniker sie wieder in Gang.

 

Seine Ausbildung bei HFK hat Siemens erst vor kurzer Zeit beendet. „Doch ich will noch mehr erreichen. Seit April besuche ich die Technikerschule“ sagt er. Finanziert wird die Weiterbildung von seinem Arbeitgeber.

„Schließlich“, so Geschäftsführer Meise, „brauchen wir qualifizierte und begeisterungsfähige Mitarbeiter.“

Das gilt auch für die Ingenieure. Permanent suchen Meise und sein Team nach Verstärkung. Allein in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung arbeiten 100 Ingenieure an Komponenten, die das Autofahren leichter machen. Dazu gehören Öldrucksensoren, Licht- und Regensensoren und elektronische Einparkhilfen.

„Wir wollen auch künftig die Nase vorn haben“, so der Chef. Und das bezieht er nicht nur auf HFK: „Deutschlands Exportstärke beruht auf exzellenten Produkten.“

Um den Bedarf an Technikern und Ingenieuren zu sichern, seien die Betriebe, aber auch die Elternhäuser, die Schulen und die Politik gefragt: „Damit jeder weiß, wie wichtig Naturwissenschaften und Technik für den Wohlstand sind.“

Lothar Steckel

HELLA Fahrzeugkomponenten GmbH

Das 1961 als Bremer Werkzeug- und Maschinenbau GmbH gegründete Unternehmen ist heute das Kompetenzzentrum für Sensoren im HELLA-Konzern aus dem westfälischen Lippstadt. Mit einem Umsatz von über 4 Milliarden Euro und 25.000 Mitarbeitern gehört HELLA zu den weltweit führenden Automobil­ Zulieferern. In Bremen entwickelt und fertigt die HELLA Fahrzeugkomponenten GmbH mit rund 600 Mitarbeitern Sensoren für die Bereiche Innenraumklima, Temperatur, Flüssigkeiten und alles rund ums Automobil.

 

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