Kampagnen-Wetzel: AKTIV im Norden

Standpunkt

Kampagnen-Wetzel

Der IG-Metall-Vize macht Front gegen die Zeitarbeit. Und begibt sich in Widersprüche

Das nennt man eine Blitz-Karriere: in gut drei Jahren vom Leiter der Verwaltungsstelle Siegen, einer unter mehr als hundert, zum Zweiten Vorsitzenden der IG Metall. Wie hat Detlef Wetzel das angestellt? Hauptsächlich wohl durch den entschlossenen Bruch des Prinzips, wonach es für gleiche Arbeits- gleiche Gegenleistung geben soll.

Erst im Bereich Siegen, dann (nach erstem Aufstieg) im Bezirk Nordrhein-Westfalen bestand er darauf, dass bei betrieblichen Bündnissen Extra-Leistungen für IG-Metall-Mitglieder herausspringen sollten. Eine Praxis, die von seinen Nachfolgern fortgesetzt wird. Die Ungleichbehandlung hat naheliegenderweise den Mitglieder-Bestand vor Ort aufgebessert. Und Wetzel ganz nach oben in die Chefetage befördert.

Von dort gibt er nun die Parole aus: „Beschäftigte erster und zweiter Klasse darf es nicht geben.“ Will er etwa aufhören, die Besserstellung von Gewerkschaftsmitgliedern gegenüber ihren nichtorganisierten Kollegen durchzudrücken? Keineswegs. Sondern er stänkert an der Spitze einer bundesweiten Kampagne gegen Leiharbeit.

Natürlich weiß die IG Metall, dass die Forderung nach einer  identischen  Entlohnung von Zeitarbeitnehmern (durch die Verleihfirma) und Stammbelegschaften (durch die entleihende Firma) so beknackt wie undurchführbar ist. Zeitarbeit muss sich für beide Firmen lohnen. Und der Verleiher muss seinen Mitarbeitern auch für Leerzeiten den Lohn fortzahlen.

Aber Wetzel hat Erfahrung mit absurden Kampagnen: Als NRW-Chef schürte er mit „Besser statt billiger!“ die Vorstellung, Betriebe könnten sich mit aufwendigeren Produkten dem Kostenwettbewerb glatt entziehen.

Mit der neuen Tour will er  nicht wirklich etwas für Zeitarbeiter tun. Solange diese bereit sind, billiger zu arbeiten als die eigenen Leute, sind sie im Gewerkschaftsvisier eigentlich Gegner. Und ihre Löhne treiben könnten Gewerkschaften nur, indem sie Verleiher mit ihren Kampfmitteln überziehen. Aber sie sind da nicht präsent.

Stattdessen soll es nun der Gesetzgeber richten: Klammheimlich trägt die IG Metall einen Antrag von Teilen der Zeitarbeits-Branche an den Arbeitsminister mit, einen Mindestlohn zu verordnen. Die Rede ist von 7,31 Euro.

Die untersten Lohngruppen in der Metall- und Elektro-Industrie liegen über 11 Euro. Und wie lautet das Motto von Wetzels Kampagne? „Gleiche Arbeit – Gleiches Geld!“


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