In der Liebherr-Akademie: Schüler bauen einen Lügendetektor: AKTIV im Norden

Nachwuchs-Förderung

In der Liebherr-Akademie: Schüler bauen einen Lügendetektor

Am letzten Projekttag wird es noch mal spannend. Der Lügendetektor-Test steht an. Der Moment der Wahrheit für acht Schüler der Baltic-Schule und der Privatschule Universitas, die im ersten Schulhalbjahr 2015/16 einmal wöchentlich zum Praxislerntag in die Liebherr-Akademie im Seehafen Rostock gekommen sind.

Der Test wird zeigen, wie gut sie die Stunden in der betrieblichen Praxis genutzt haben. Lügendetektoren lügen nicht. Die Wahrheit offenbart sich durch das Aufleuchten eines kleinen LED-Lichts, falls alles wie geplant funktioniert.

Die ersten Löt-Übungen geraten noch etwas ungelenk

Konzentriert prüft Max (15) ein letztes Mal die Platine, die er mit elektronischen Bauelementen bestückt hat. „Ich hoffe, es klappt“, sagt er, „jetzt fehlt nur die richtige Frage.“ Der Detektor ist so konstruiert, dass er kleinste Veränderungen des Hautwiderstands der Hand, verursacht etwa durch mentale Anspannung, per LED-Licht anzeigt.

Derweil sind Leon (16) und Jojo (18) an der benachbarten Werkbank noch damit beschäftigt, das LED-Element auf der Platine zu verlöten. Die beiden Zehntklässler von der Universitas haben gerade festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, mit den kleinen Teilen zu hantieren. So etwas hätten sie vorher noch nie gemacht, erzählt Jojo. Entsprechend ungelenk geraten die Löt-Übungen am ersten Elektronik-Tag.

Aber schließlich macht Übung den Meister, und am Ende bringen Leon und Jojo wie alle acht Schüler ihre Detektoren zum Leuchten. Eine Erfahrung, die den Jugendlichen zeigt, dass man neben handwerklichem Geschick auch fachliches Wissens braucht, um ein Gerät so zusammenzubauen, dass es funktioniert.

Zu Beginn des Lernprojekts hatten sich die Teilnehmer die Werkhallen von Liebherr-MCCtec Rostock angeschaut und waren schwer beeindruckt. „Das hat meine Erwartung weit übertroffen“, schwärmt Jojo. „Es war sehr interessant zu sehen, wie viel Hydraulik und Elektronik in einem Hafen-Mobilkran stecken.“

Am meisten begeistert ihn, wie präzise die Schweißer im Stahlbau die tonnenschweren Kranteile miteinander verbinden. An einigen Tagen konnten die Jungs (Mädchen waren bei diesem ersten Durchgang noch nicht dabei, weil sich keine Schülerin angemeldet hatte) sogar selbst ein paar kleine Schweißübungen machen.

Hilfe bei der beruflichen Orientierung

Zudem erhielten die Teilnehmer in den Fachbereichen Hydraulik und Pneumatik sowie Metallbearbeitung erste Einblicke in die Welt der Technik. Der Lerneffekt dabei: Die Schüler konnten selbst Hand anlegen und erfuhren so zum Beispiel durch den Aufbau von Versuchsreihen, wie Mehrwegventile arbeiten. Aber auch, wie viel Ausdauer und Geduld man braucht, um „drei Millimeter Stahl von einem Werkstück herunterzufeilen“, erzählt Leon.

Auf diese Erkenntnisse durch eigenes Erleben zielen die Praxislerntage an der Liebherr-Akademie ab. Drei Rostocker Schulen hatten die Aktion gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband Nordmetall, dem Landesbildungsministerium und der Liebherr-MCCtec Rostock GmbH zu Schuljahresbeginn initiiert. Unterstützt wurde das Projekt zudem vom Bildungswerk der Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommern mit dem Projekt CreateMV.

Es soll die Schüler bei der Berufsorientierung unterstützen und ihnen aufzeigen, welche beruflichen Perspektiven sich aus den Lernbereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) ergeben können.

Für den Kranspezialisten Liebherr-MCCtec Rostock, der jährlich 50 bis 60 Azubis unter Vertrag nimmt, ist es eine gute Gelegenheit, ersten Kontakt zu den Schülern aufzubauen und bereits diejenigen kennenzulernen, die sich möglicherweise später für eine Ausbildung bei Liebherr entscheiden.

„Dieses Projekt kann ein Baustein sein, um auch in Zukunft geeignete Auszubildende zu gewinnen“, betont Manfred Wanitschke, Leiter Erstausbildung an der Liebherr-Akademie. Er strebt mit den Projektpartnern an, die Praxislerntage zu einem „dauerhaften Format zu entwickeln“.

Ein Schüler plant bereits, seine Bewerbung einzureichen

Für Ausbilder Wolfgang Tews, der die Schüler im Bereich Elektrotechnik betreute, war die Aktion eine ganz neue Herausforderung. Der 56-Jährige ist seit 30 Jahren in der beruflichen Aus- und Weiterbildung tätig. Er ist also ein alter Hase, aber was macht man mit Heranwachsenden, die noch nie gebohrt, gefeilt oder gelötet haben?

So entstand die Idee mit dem Lügendetektor. Ein relativ überschaubarer Schaltkreis, der niemanden überfordert. Das motiviert.

Wie alle anderen Teilnehmer freute sich auch Jojo über seinen funktionierenden Detektor Marke Eigenbau, doch am stärksten hat ihn das Schweißen fasziniert. Der 18-Jährige ist fest entschlossen, sich mit seinem Halbjahreszeugnis in dem Liebherr-Werk zu bewerben. Um einen Ausbildungsplatz als Konstruktionsmechaniker, Fachrichtung Schweißtechnik.


Liebherr-MCCtec Rostock

Foto: Werk
Foto: Werk

Erfolgreicher Kran-Spezialist

Die 2002 gegründete und im Seehafen Rostock ansässige Liebherr-Tochter baut Hafenmobil-, Schiffs- und Offshore-Krane sowie Reach-Stacker (Greifstapler). Der Betrieb hat derzeit rund 1.500 Mitarbeiter und ist Hauptproduktionsstandort innerhalb der Liebherr-Sparte Maritime Krane. Liebherr-MCCtec Rostock gehört zur internationalen Liebherr-Gruppe. Diese umfasst mehr als 130 Gesellschaften auf allen sieben Kontinenten und beschäftigt aktuell etwa 42.000 Mitarbeiter. 2015 erwirtschaftete die Gruppe einen Umsatz von knapp 9,5 Milliarden Euro.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Neueste ArtikelBeliebteste Artikel

Leser-Feedback