Hier sind (fast) alle per Du: AKTIV im Norden

Betriebsreportage

Hier sind (fast) alle per Du


Konzerne, lautet ein beliebtes Vorurteil, sind häufig unübersichtliche und schwerfällige Gebilde mit anonymen Strukturen. Das Persönliche, das Miteinander, bleibe oft auf der Strecke. Soweit das Klischee.

Und jetzt zur Realität: Besuch in der Grundfos Pumpenfabrik am Stadtrand von Wahlstedt. Der Standort gehört zum weltumspannenden Netz des dänischen Grundfos-Konzerns. Ein junger Mann im Blaumann ruft über den Flur: „Hallo Stephan, hast du mal einen Augenblick Zeit?“ Geschäftsführer Stephan Göttsche bleibt stehen und sagt: „Klar. Worum geht’s?“

Der lockere und vertraute Umgangston hat vor allem einen Grund: Man kennt sich halt gut hier im Wahlstedter Betrieb.

Göttsche: „Wir sind zwar Teil eines großen Konzerns mit rund 17.000 Beschäftigten, aber die meisten Mitarbeiter gehören bereits seit vielen Jahren zum Unternehmen. Deshalb sind auch fast alle per Du und gehen sehr familiär mit­einander um.“ Dann wendet er sich wieder seinem Mitarbeiter zu, der dem Chef sagt: „Wir müssen mal kurz über den aktuellen Stand beim Aufbau der Redwolf-Linie reden.“

Mitarbeiter-Olympiade in Dänemark

„Redwolf“ steht für eine neue Pumpen-Generation, die erst vor wenigen Wochen offiziell vorgestellt wurde. Grundfos-Ingenieur Matthias Stark erläutert, was es damit auf sich hat: „Ab Anfang 2013 gelten in der EU neue Effizienz-Vorschriften für Umwälzpumpen. Allein durch diese Vorgaben wird der Energieverbrauch in der EU bis 2020 um rund 23 Milliarden Kilowattstunden sinken, was in etwa dem Jahresbedarf von 14 Millionen Menschen in Privathaushalten entspricht. Wir bauen die passenden Pumpen dafür.“

Passend heißt: Die Pumpen sind elektronisch geregelt und so konstruiert, dass sie deutlich weniger Energie verbrauchen als bisherige Modelle.

Damit steht diese neue Produktreihe zugleich für Nachhaltigkeit, die zu den sechs Grundwerten von Grundfos gehört. Stephan Göttsche erklärt die Philosophie des Konzerns: „Eigentümer des Unternehmens ist kein Investor, sondern eine dänische Stiftung. Zu deren hohen ethischen Werten gehören unter anderem Glaubwürdigkeit und partnerschaftlicher Umgang mit den Kunden und Mitarbeitern.“

Was das in der Praxis heißt, sieht man sehr anschaulich im Flur vor der Kantine: Dort sind neben den üblichen Betriebssport-Pokalen zahlreiche Trophäen zu bewundern, die es für die Teilnehmer der Grundfos-Olympiade gab. „Die findet alle vier Jahre in der Konzernzentrale in Bjerringbro statt und dauert eine halbe Woche“, erzählt Ingenieur Stark. „Beim letzten Mal waren annähernd 1.000 Grundfos-Mitarbeiter aus aller Welt dabei, davon auch 21 aus Wahl­stedt. Die Firma übernahm alle Kosten, und gewohnt haben wir bei dänischen Kollegen.“

Fünf Kilometer Draht für einen Motor

Unterdessen wird in der großen Produktionshalle in Wahlstedt emsig an der neuen Fertigungslinie gewerkelt, auf der künftig die Redwolf-Pumpen gebaut werden sollen. Die bisherige Produktion läuft parallel weiter, denn die Auftragslage ist gut, und das Geschäft hat nach den Krisenjahren 2008/2009 wieder deutlich angezogen.

Leichte Sorgen machen lediglich die Rohstoffpreise, die seit einigen Jahren stetig steigen. Ingenieur Stark deutet auf einen halbfertigen Elek­tromotor: „Von diesen Motoren bauen wir für unsere Pumpen rund 400.000 Stück pro Jahr. Jeder hat eine Wicklung aus Kupferdraht, der je nach Modell und Größe bis zu fünf Kilometer lang sein kann. Daher merken wir es ziemlich schnell, wenn die Metallpreise wieder anziehen.“

Besonders stolz sind die Wahlstedter auf die hohe Fertigungstiefe in der Produktion. Die Grundfos-Leute machen nach wie vor fast alles selbst. Das Auslagern ganzer Bereiche ist hier kein Thema.

Auch diese Einstellung kommt nicht von ungefähr, denn ein weiterer Grundwert der Firmen-Philosophie ist Unabhängigkeit. Das gilt übrigens auch für die Energieversorgung – der Betrieb hat mittlerweile ein eigenes Blockheizkraftwerk.

Geschäftsführer Stephan Göttsche: „Möglich wurde diese Investition auch dadurch, dass unsere Stiftung den Gewinn komplett reinvestiert. Das heißt, dass alle Erlöse aus dem operativen Geschäft wieder in das Unternehmen fließen. Es wird also nichts an Anteilseigner ausgeschüttet.“

Grundfos Pumpenfabrik GmbH

Der dänische Grundfos-Konzern ist – gemessen am Umsatz – der größte Pumpenhersteller der Welt. Er beschäftigt insgesamt 17.000 Mitarbeiter in 43 Ländern. Das Werk im schleswig-holsteinischen Wahlstedt produziert mit rund 650 Beschäftigten Umwälzpumpen für die Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik sowie Druck-Erhöhungsanlagen für die Wasserversorgung, stationäre Feuerlöschsysteme und kleine Abwasserhebeanlagen.

Mehr zum Thema:

Patrick-Oliver Riek: Der Überzeugungstäter

Artikelfunktionen


Schlagwörter: Metall und Elektro

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Unternehmen in diesem Artikel

GRUNDFOS Pumpenfabrik GmbH

Map
GRUNDFOS Pumpenfabrik GmbH
Willy-Pelz-Straße 1-5
23812 Wahlstedt

Weitere Artikel zum Unternehmen
Zum Unternehmensfinder
Neueste ArtikelBeliebteste Artikel

Leser-Feedback