Hier kommt der Windstrom: AKTIV im Norden

Reportage

Hier kommt der Windstrom


Der Weg zur Energiewende ist lang und staubig. Er führt durchs norddeutsche Tiefland, vorbei an grünen Wiesen, vielen Windrädern, einer großen Solaranlage und endet auf einem früheren Acker – unweit des Kernkraftwerks Brokdorf. Hier baut Siemens die Konverterstation, die künftig dafür sorgt, dass der Windstrom von der Nordsee beim Verbraucher ankommt. Auftraggeber ist der Stromnetzbetreiber Tennet.

Auf der Baustelle herrscht emsiges Treiben. Nach einigen Regentagen kommt den Betonbauern, Elektromonteuren, Schweißern und Installateuren, die hier seit Monaten im Einsatz sind, die Trockenheit gerade recht.

Der Mann, der alles steuert, heißt Ingolf Pabst. Der Energieanlagen-Elektroniker ist ein alter Hase in seinem Geschäft und hat bereits etliche Auslandseinsätze hinter sich. In Büttel ist er der Bauleiter oder – auf englisch – „Site Manager“, denn deutsch spricht in dieser Branche längst nicht jeder. „Offshore-Projekte sind meist internationale Veranstaltungen“, sagt Pabst. „Das liegt auch daran, dass es hierzulande immer noch zu wenig erfahrene Fachkräfte für diesen Markt gibt.“

Technischer Trick verhindert Verluste

Die Anlage in Büttel ist ein zentrales Element für den Windstrom-Ausbau in der Nordsee. Bauleiter Pabst erklärt, warum das so ist: „Da draußen entstehen derzeit jede Menge Windparks. Wenn sie fertig sind, produzieren sie Wechselstrom. Würde man den einfach per Seekabel an Land schicken, hätte man extrem hohe Leitungsverluste. Daher arbeiten wir mit einem technischen Trick.“

Dieser Trick ist einfach, aber höchst effektiv. Der Strom wird auf See in Gleichstrom verwandelt und auf 250 Kilovolt hochtransformiert nach Büttel geschickt. Dort wandelt eine Konverterstation den Strom wieder in Wechselstrom um, schickt ihn durch einen Transformator und speist ihn danach mit 400 Kilovolt in das Hochspannungsnetz ein, über das er anschließend bundesweit verteilt wird.

Den 45 Kilometer langen Weg vom Nordsee-Strand bei Büsum bis nach Büttel legt der Strom übrigens in einem Erdkabel zurück, das der Siemens-Konsortialpartner Prysmian als  Auftragsarbeit  geliefert hat. „Wollen Sie mal sehen?“, fragt Monteur Stefan Oestreich und wuchtet ein Stück Kabel hoch, das einige Tage zuvor beim Anschluss an die Konverterhalle abgesägt wurde. Der Abschnitt, knapp einen Meter lang, wiegt locker 16 Kilo, obwohl die Seele nicht aus Kupfer, sondern aus Aluminiumdrähten besteht.

Ein echtes Schwergewicht ist auch der Transformator im vorderen Teil der Baustelle, der bereits auf sein Fundament gesetzt wurde. Pabst: „Der Trafo wurde in Nürnberg gebaut und auf dem Wasserweg nach Brunsbüttel transportiert. Zusammen mit dem Kühlaggregat daneben wiegt er ungefähr 500 Tonnen.“

Strom für rund 570.000 Haushalte

Bei diesem einen Trafo wird es allerdings nicht bleiben, denn die Station in Büttel wird gleich mehrere Windparks ans Netz anbinden. Pabst: „Bei dem Projekt Helwin 1, an dessen Anschluss wir momentan arbeiten, sind es beispielsweise die Parks Nordsee Ost und Meerwind westlich von Helgoland. Beide zusammen bringen es auf eine Leistung von rund 570 Megawatt.“

Wenn die Konverterstation in Büttel in einigen Jahren fertig ist, wird sie voraussichtlich mehr als 2.000 Megawatt ins Netz einspeisen. Das entspricht in etwa der Leistung von zwei Atomkraftwerken und reicht für die Stromversorgung von mindestens 550.000 durchschnittlichen Haushalten.

Bauleiter Pabst: „Das macht deutlich, wie ungeheuer groß das Potenzial der Windkraft-Nutzung in Deutschland ist. Die Energie ist da, man muss sie sich nur holen.“

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Neueste ArtikelBeliebteste Artikel

Leser-Feedback