Heißer Nahtkampf: AKTIV im Norden

AKTIV im Norden beim Bezirkswettbewerb von „Jugend schweißt“ in Hamburg

Heißer Nahtkampf


Samstags schön ausschlafen – oder in aller Frühe zu einem Wettkampf gegen 29 Männer antreten? Für Jessica Gerken (21) ist das keine Frage. Sie rückt am Ausbildungszentrum von Mercedes-Benz an. Gemeinsam mit Schweißtrainer Jens Gohr will sie zum Bezirkswettkampf von „Jugend schweißt“. Ihre Gegner: die besten Jungschweißer der Stadt. Ihr Ziel: Die perfekte Naht ziehen und damit das Ticket für die Regional-Wettkämpfe am 31. Mai und 1. Juni lösen.

Wie beim Führerschein: Erst Theorie, dann Praxis

Gelassen tritt die Industriemechanikerin mit den langen blonden Haaren und dem Stirnband der starken männlichen Konkurrenz gegenüber. „Es ist halt immer noch ein Männerberuf“ sagte sie – und fügt lachend hinzu: „Aber eine reine Männersache ist das Schweißen nicht.“

Dafür steht auch eine zweite Teilnehmerin an diesem Tag: Sissy Kroh (22), ebenfalls als Industriemechanikerin bei Mercedes in der Hansestadt beschäftigt. Zwei Wochen haben sich die Frauen und die anderen Teilnehmer auf das Wettschweißen im Bildungszentrum Metall der Hamburger Metall-Innung vorbereitet.

In dieser Zeit wurden sie von der Produktion freigestellt, konnten Theorie büffeln und Probebleche schweißen. Schließlich ist die Veranstaltung des „Deutschen Verbands für Schweißen und verwandte Verfahren“ längst ein Event. Bereits zum zehnten Mal findet die Veranstaltung auf Bezirksebene statt.

Bevor die beiden Frauen und die männlichen Teilnehmer die Schweißgeräte anwerfen, müssen sie erst mal die Theorieprüfung meistern. Mit 20 Prozent wird dieser schriftliche Teil später in die Wertung eingehen.

Dann wird es ernst. Jessica Gerken bindet sich die Haare zum Pferdeschwanz zusammen. Mit routinierten Handgriffen richtet sie sich in der engen Kabine ein, die ihr zugewiesen wurde. Sie setzt die Schutzhaube auf und zieht die Sicherheitshandschuhe an. Beim „Einschweißen“ entwickelt sie ein Gefühl für die Geräte. Jens Winkler, Cheforganisator des Wettkampfs und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im DVS Bezirksverband Hamburg/Schleswig-Holstein, sagt: „Im Betrieb haben sie alle geübt und ihre Werkstücke gut gemacht. Aber hier ist der Druck viel höher. Außerdem kennen sie die Geräte nicht. Das erschwert die Sache.“
Außer mit der Aufregung haben die Teilnehmer auch mit der Hitze in den Schweißkabinen zu kämpfen. Draußen vor der Halle ist alles verschneit, aber unter den Schutzmasken staut sich die Wärme.

Im Wettkampf wird unterschieden zwischen Jungschweißern und Fortgeschrittenen. Jeder tritt in einem der vier gängigen Verfahren an: Gasschweißen, Lichtbogenschweißen (E-Schweißen), Metall-Aktivgasschweißen (MAG) und Wolfram-Inertgasschweißen (WIG). In welcher Kategorie ein Schweißer antritt, ist ihm überlassen.

Jessica hat sich für das WIG-Schweißen entschieden. Routiniert zieht sie in Kabine fünf eine Probenaht. „Läuft gut“, murmelt die 21-Jährige.
Vielleicht zu gut, denn als der Startschuss fällt, beginnen die Probleme.Gleich die erste Aufgabe, eine Steigenaht an stumpf aneinanderstoßenden Blechen, endet im Debakel. „Zu Anfang bin ich mit dem Draht gegen die WIG-Nadel gekommen. Das ist immer blöd, denn dann vergrößern sich der Lichtbogen und der Abbrand. Statt die Nadel auszutauschen, dachte ich mir, das wird schon, aber da war überall Einbrand.“

Doch dann klappt es besser. Die restlichen Aufgaben, eine steigende Kehlnaht und eine Quernaht, gelingen ihr. Auch bei Kollegin Sissy spielen die Nerven nicht mit: „Die Aufregung hat mir zugesetzt, obwohl ich schon zum dritten Mal dabei bin.“

Mit ihrem Beruf in einer Männerdomäne haben die beiden Frauen kein Problem. Jessica findet das Arbeiten mit Männern entspannter, nicht so „zickig“. Kein Wunder, dass sie auch in ihrer Freizeit zum Schweißgerät greift. „Mein Vater restauriert einen alten Mercedes 190 SL, und ich mache die WIG-Schweißarbeiten für ihn“, sagt sie.

Den coolsten Kopf behält Jungschweißer Tobias Weiß (18). Konzentriert setzt der Still-Azubi Naht um Naht – und trägt am Ende den Gesamtsieg davon: Von 100 möglichen Punkten erkämpft Weiß 92. Jessica bleibt immerhin ein vierter Platz in der WIG-Kategorie. Doch sie ist sicher: „Hier werden künftig noch mehr Frauen zeigen, was sie können.“

Jugend schweißt 2013: AKTIV war mit der Kamera dabei!

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