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Gratis-Studium für alle


Studiengebühren: Viele Befürchtungen haben sich in der Praxis nicht bestätigt

Als vor ein paar Jahren in einigen Bundesländern Studiengebühren eingeführt wurden, gingen die Wogen der Empörung hoch. „Sie halten die Kinder armer Leute vom Studium ab“, war zu hören, „das darf in der sozial gerechten Bildungsrepublik Deutschland nicht sein.“

Schauen wir mal näher hin: In sechs Bundesländern werden Studiengebühren erhoben, in zehn Bundesländern nicht. Hätte die Gebühr wirklich abschreckende Wirkung, müssten die Bezahl-Unis einen hohen Schwund haben und die Gratis-Unis zugleich regen Zulauf. Das ist bisher jedoch nicht der Fall.

Eine Studie im Auftrag des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft belegt: Die Attraktivität einer Uni hängt nicht davon ab, ob Gebühren erhoben werden oder nicht. Die soziale Zusammensetzung der Studentenschaft lässt sich nicht auf Gebühren zurückführen, abschreckende Wirkung ist nicht erkennbar.

Angesichts dieser Erkenntnisse fragt man sich, ob die Parolen der Lebenswirklichkeit entsprechen. Die Wahl der Universität hängt offenbar von anderen Faktoren ab, etwa der Qualität oder Entfernung zum Elternhaus.

Noch etwas zur sozialen Gerechtigkeit: Universitäten kosten Geld. Mehr Geld als Kitas, für die ganz ohne Diskussionen – sozial verträglich – natürlich von den Nutznießern gezahlt wird. Unis aber finanzieren sich primär aus den Steuern vieler Bürger ohne Hochschulabschluss. Nur weil ein Teil der Studenten mittellos ist, sollen alle Sprösslinge, auch die der Anwälte, Chefärzte und Unternehmer, gratis studieren? Das wohlhabende Bürgertum soll von der Armut der kleinen Leute profitieren?

Es geht auch anders. Mehr staatliche Stipendien, günstige Studienkredite oder vereinfachte Bafög-Regeln für Bedürftige und für alle anderen: Studiengebühren!

Elbe

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